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Das Universum lacht November 2020

Judy Schmidt, NASA/ESA

Was passiert, wenn die NASA, Albert Einstein und ein Emoji aufeinandertreffen? Das Universum lacht. Klingt zunächst nach einem abstrakten Witz, entpuppt sich aber als eine überraschende, sympathische Momentaufnahme aus dem Weltall. Das von einem NASA-Weltraumteleskop aufgenommene Bild begeistert die Öffentlichkeit auch mehrere Jahre nach der ersten Veröffentlichung immer wieder aufs Neue.

«Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie…»: Was jeden Star Wars-Fan in pure Freude versetzt, war auch bei der NASA/ESA nicht anders, als ihr Hubble-Weltraumteleskop im Winter 2015 eine weit entfernte, dafür «lachende» Galaxie vorfand. Man könnte fast meinen, wenn moderne Technik, abstrakte Theorien und griechische Mythen zusammenkommen, dann freut sich das Universum. Oder zumindest scheint es so. Denn in Zeiten von Smartphone und digitalem Schriftverkehr ist der in den 60er-Jahren entwickelte «Smiley» Sinnbild für Lachen und Heiterkeit. Dieser zählt heute zu den bekanntesten «Emojis». Und so scheint der als SDSS J1038 + 4849 bezeichnete Cluster zwei Augen und eine Nase als Teil eines glücklichen Gesichts zu haben. Tatsächlich sind diese Augen sehr helle Galaxien, und die schmunzelnden Mundlinien in Wirklichkeit Bögen, die durch starke Gravitationslinsen verursacht werden.

© Judy Schmidt / NASA/ESA
© Judy Schmidt / NASA/ESA
©NASA/JPL/MSSS
©NASA/JPL/MSSS

Die Relativitätstheorie im Universum
Bei dem Phänomen handelt es sich um einen sogenannten Einstein-Ring. Er entsteht, wenn zwei oder mehr Galaxien von der Erde aus gesehen hintereinander im All stehen. Die Sterneninsel im Vordergrund beugt das Licht der dahinter stehenden Galaxie wie eine Linse. Ursache des Effekts ist die Wirkung der Gravitation. Wie Albert Einstein in seiner Allgemeiner Relativitätstheorie vorhergesagt hat, krümmt die Schwerkraft massereicher Objekte den Raum. Lichtstrahlen, die das Schwerefeld etwa von Sternen oder Galaxien durchlaufen, folgen dieser Krümmung und werden dabei abgelenkt. Deshalb sprechen die Astrophysiker vom «Gravitationslinseneffekt». Doch nicht immer braucht es Albert Einstein, um ein Lachen aus dem Weltraum zu erhalten. 1999 erfasste eine Sonde der NASA ein Bild des Mars-Kraters «Galle», benannt nach dem Astronomen Johann Gottfried Galle. Dieser wurde umgangssprachlich auch «Happy Face Crater» genannt, da Gebirgszüge und Krater in seinem Inneren ein strahlendes Gesicht zu bilden scheinen.

©ESA
©ESA

Exkurs: Die Milchstrasse der Untreue
Spricht man übrigens von «Galaxie», ist eine Ansammlung von Planetensystemen, Gasnebeln, Staub und Sternen – und wahrscheinlich auch dunkler Materie – gemeint. Die Schwerkraft hält all dieses Material zusammen. Beim Ausdruck «Galaxis» ist hingegen einzig die Milchstrasse gemeint, unsere «eigene» Galaxie. Sie umfasst rund 300 Milliarden Sterne, ihr Durchmesser beträgt etwa 100’000 Lichtjahre. In der griechischen Mythologie entstand unsere Galaxie aufgrund eines göttlichen Seitensprungs mit weitreichenden Folgen. Der mächtige Gott Zeus zeugte mit der sterblichen Alkmene seinen Halbgott-Sohn Herakles. Seine Ehefrau und Göttin Hera war davon nur mässig begeistert, der Sohn musste um sein Leben fürchten. Ab diesem Punkt existieren viele Versionen, wie es nach der Geburt dazu kam, dass Baby Herakles dann doch in die Hände von Hera gelangte. Allen gemeinsam ist jedoch die Tatsache, dass Hera nicht erkannte, wessen weinendes Kind sie in ihren Händen hielt – und zur Beruhigung stillte. Doch bald bemerkte sie, dass kein normales Kind an ihrer Brust sog, denn das Saugen war sehr kräftig und schmerzte. Hera nahm das Kind von ihrer Brust und verspritze dabei Muttermilch. Die vergossene Göttermilch wurde zur «Milchstrasse» (aus dem altgriechischen «gala» [Milch] und «galaxias kyklos» [Milchkreis]) – unsere Galaxis fand ihren Anfang. Und Herakles erhielt dank dieser Muttermilch «göttergleiche Eigenschaften».