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Dem Tod entlang

Iwan Köppel

Adrian Hauser hat sein Smartphone immer und überall bei sich, er ist das ganze Jahr rund um die Uhr erreichbar. Cloud, mobiler Datenzugriff, E-Mail, SMS, WhatsApp und Co. schenken dem Bestattungsunternehmer aus dem luzernischen Willisau Freiraum, den er sehr schätzt.

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Adrian Hauser: Confiseur, Konditor-Confiseur, Kantonspolizist, Bestatter. Aufgewachsen in Luzern als Sohn eines Ehepaars, das eine Bäckerei führte, hatte Adrian Hauser als Kind und Jugendlicher drei Berufswünsche: Konditor, Gärtner und Kellner. Als er gleich nach dem Schnuppern die Zusage für eine Lehrstelle erhielt, langte er zu und machte die Lehre zum Konditor-Confiseur. Auf dem Beruf arbeitete er allerdings nicht lange.

Für Kundschaft erreichbar zu sein, ist für Adrian Hauser existenziell. So sicher der Tod für alle Menschen, so unplanbar ist meist der Moment, da er eintritt. Dasselbe gilt für die Aufträge des selbstständigen Bestatters, der im Luzerner Hinterland und im Berner Oberaargau ein Gebiet mit rund 20'000 Einwohnerinnen und Einwohnern bedient: «Ohne Smartphone müsste ich wie unsere Vorgänger-Generationen bei einem Festnetzanschluss auf Aufträge warten.»

«Aus der digitalen Steinzeit»
Obwohl als 50-Jähriger wie er selbst sagt «aus der digitalen Steinzeit», schätzt Adrian Hauser deshalb den Freiraum und die Annehmlichkeiten, welche ihm die mobilen digitalen Möglichkeiten schenken. «Dank Mobile und mobilem Datenzugriff bin ich immer und überall erreichbar, auch in den Ferien. Ich kann jederzeit selbst entscheiden, ob ich einen Anruf annehme, und bei Bedarf sofort mit dem Bearbeiten und Organisieren beginnen», erklärt er. «Aus den Alters- und Pflegeheimen und Spitälern erhalte ich die meisten Todesfallmeldungen am Morgen Anrufe von Angehörigen oder von der Polizei kommen aber um jede Tages- und Nachtzeit rein.» Einmal habe er übers Wochenende keine Mails gecheckt und auf eine Meldung vom Freitagabend erst am Montagmorgen reagiert zu spät: «Der Mann, dessen Angehörige verstorben war, beschied mir ungehalten, er habe den Auftrag nun halt schon anderweitig vergeben.»

«Der Dinosaurier in mir»
«Das ist die Kehrseite der Medaille. Man darf sich nicht stressen lassen durch den Druck, immer erreichbar zu sein», stellt der ehemalige Kantonspolizist fest. «Da hilft mir der Dinosaurier in mir», lacht er, danach gefragt, wie er sich abgrenze. Er könne seine «tote» Zeit «meist nachmittags, wie die Zimmerstunde im Gastgewerbe» ideal für seine Hobbys nutzen. Im Sommer kümmert er sich um seinen grossen Garten und seine über 50 Schildkröten: «Das ist ideal, denn sie sind tagsüber aktiv.» Und im Winter, wenn Garten und Schildkröten im Winterschlaf liegen, zieht sich Adrian Hauser in seine «Männerhöhle» zurück: ein kleines Privatmuseum mit Fonduestübli im Untergeschoss seines Hauses. Hier sammelt er Werkzeuge und andere Antiquitäten, die von alten Berufen erzählen: «Die Faszination für alte Berufe habe ich in die Wiege gelegt bekommen», erklärt er. «Mein Grossvater war Wagner, sein Bruder hatte eine Schmitte.»

Bestattungsplaner, nicht Seelsorger
Sich abzugrenzen, gehört auch im Verhältnis zu den Kundinnen und Kunden zu den wichtigen Fähigkeiten von Adrian Hauser und seiner Partnerin Irene Vitali, ebenfalls Bestatterin mit eidgenössischem Fähigkeitsauswei und im Unternehmen angestellt. «Wir sind weder Seelsorger noch Psychologen, sondern Bestattungsplaner oder wie es in den USA heisst <funeral planner>, ähnlich wie <wedding planner>», betont Hauser. «Die Leute erwarten von uns professionelle Dienstleistungen. Sie müssen uns vertrauen können. Und sie müssen sich darauf verlassen können, dass alles so klappt, wie sie es sich gewünscht haben. Wenn alles passt, ist das die beste Werbung: Dann empfehlen uns die Angehörigen weiter.» Das bedingt Integrität, Einfühlungsvermögen, Sorgfalt, Aufmerksamkeit fürs Detail und organisatorisches Geschick.

Immer häufiger stellen digitale Hinterlassenschaften die Angehörigen vor Probleme. Für digitale Zugänge fehlen oft die Passwörter.
Adrian Hauser, Bestattungsunternehmer

Rundumservice bis hin zur Vorsorge
Die Dienstleistungspalette der Bestattungen Hauser AG mit Niederlassungen in Willisau und Zell LU ist umfassend. Zuerst klären Adrian Hauser und Irène Vitali mit den Angehörigen die Wünsche rund um die Bestattung: mit oder ohne vorgängige Aufbahrung, Erdbestattung oder Einäscherung, Art und Form von Sarg, Urne und Andenken sei es Grabkreuz, Grabstein oder Urne -, Form und Organisation von Abschiedsgottesdienst oder -Zeremonie. Fachgerecht versorgen sie den Leichnam, kleiden ihn wunschgemäss ein und pflegen ihn bei Bedarf während der Aufbahrung. Für Einäscherungen heute 90 bis 95 Prozent der Fälle übernehmen sie den Transport in die Krematorien in Langenthal oder Luzern und wieder zurück. Bei Bedarf organisieren sie auch Überführungen an andere Bestattungsorte, national wie international. Nach Hausers Erfahrung aus seinen 17 Jahren als Bestatter wissen die Angehörigen oft nicht so genau, was sich die Verstorbenen für ihre Bestattung wünschten. Er bietet deshalb auch Bestattungsvorsorge an: «Mit einem Kunden, der auf hoher See arbeitet und dessen Mutter im Altersheim lebt, haben wir zum Beispiel alles vordefiniert für den Fall ihres Ablebens.»

Die Professionalität sicherstellen
Je unterschiedlicher die Lebenswelten, desto anspruchsvoller wird auch der Beruf des Bestatters – Qualität und Professionalität werden immer wichtiger. Auf Wunsch unterstützt Adrian Hauser die Angehörigen bei den amtlichen Formalitäten, plant Grabgestaltung und -pflege und übernimmt Gestaltung, Platzierung und Versand der Todesanzeige und Leidzirkulare. «Dass wir alles organisieren, ist heute sehr gefragt», erklärt er. «Wenn die Kinder der Verstorbenen weiter weg wohnen, planen wir vieles schon, bevor sie zum persönlichen Gespräch kommen können.» Seit zehn Jahren engagiert sich der Luzerner im Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste SVB. Ihm geht es darum, diese Qualität und Professionalität sicherzustellen und das Vertrauen und das Wissen zu seinem Berufsstand in der Gesellschaft zu stärken. Lange war er für die Ausbildung zuständig, heute führt er als Vizepräsident die Ombuds- und die Medienstelle.

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Nach der Rekrutenschule bewarb er sich erfolgreich bei der Kantonspolizei, bis er Vater eines Sohnes wurde. «Das war für mich ein Schlüsselerlebnis», erinnert er sich. «Der Beruf wurde mir zu gefährlich, und ich wollte nicht mehr Schicht arbeiten.» Als «Freund und Helfer» für die Menschen da zu sein, gefiel ihm allerdings nach wie vor.

Und die digitalen Hinterlassenschaften?
«Früher waren oft Transportunternehmer, Garagisten und Handwerker nach Feierabend auch noch Bestatter. Das gibt es auch heute noch. Und offenbar ist auch die Meinung verbreitet, man könne als Bestatter reich werden – ist ja ein todsicheres Geschäft», erklärt der engagierte SVB-Vertreter und lacht – trotz ernster Botschaft: «Mit der eidgenössischen Berufsprüfung nach zweijähriger Ausbildung haben wir zwar schon viel erreicht, doch leider ist unser Beruf bis heute nicht geschützt. Wir kämpfen zunehmend mit ‹schwarzen Schafen›, die unserem Ruf mit aggressiver Werbung oder überrissenen Preisen schaden.» Ob das auch mit der Krimiserie «Der Bestatter» des SRF zu tun hat, weiss er nicht – sie hat jedenfalls das Interesse an der Ausbildung ansteigen lassen. Massiv zugenommen habe in den letzten Jahren zudem die Altersarmut, stellt Adrian Hauser fest. «Viele Leute haben heute nichts mehr, wenn sie mit 90 oder älter nach längerem Heimaufenthalt sterben. Oft reicht das Geld weder für ein Leidmahl noch für eine Todesanzeige.» Immer häufiger, ergänzt er, stellen schliesslich digitale Hinterlassenschaften die Angehörigen vor Probleme: «Alles andere, Amtliches und Finanzielles, lässt sich regeln – für Facebook-Konten, PayPal- oder andere digitale Zugänge fehlen jedoch oft die Berechtigungen und Passwörter.»

«Das Schönste ist die Dankbarkeit»
Das gefiel Adrian Hauser auch am Beruf des Bestatters, den er schon als Kind kennengelernt hatte – sein Vater war in einer Bestatter-Familie aufgewachsen. So begann er 2003 – zuerst Teilzeit neben seinem Hauptberuf als Polizist – als selbstständiger Bestatter zu arbeiten und absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung zum Bestatter mit eidg. Fachausweis. Heute hat seine Bestattungen Hauser AG je einen Standort in Willisau und in Zell LU. In Willisau ist Adrian Hauser zudem als Totengräber tätig. «Das Schönste an unserer Arbeit ist die Wertschätzung und Dankbarkeit, die wir immer sehr direkt ausgedrückt erhalten – ganz anders als bei der Polizei, als uns kaum jemand Danke sagte», schmunzelt Adrian Hauser, der als Vizepräsident und Ansprechpartner für die Medien auch den Berufsverband der Bestatter repräsentiert, den Schweizerischen Verband der Bestattungsdienste SVB. Dieser führt als Organisation der Arbeit im Auftrag des Bundes die drei Ausbildungsmodule und die Berufsprüfungen durch, die zum eidgenössischen Fachausweis führen.