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Der Mensch im Zentrum – Human first! Claudia Giorgetti Del Monte

Michaela Silvestri

Ihr Glas ist immer halb voll, nie halb leer. Claudia Giorgetti Del Monte, Leiterin Kompetenzzentrum Organisations- und Kulturentwicklung bei der Mobiliar und Co-Präsidentin der Work Smart Initiative, ist grundsätzlich positiv unterwegs. Und sie sprüht vor Begeisterung für neue Arbeitsformen – Stichwort Home-Office.

«Wir können uns nur gemeinsam weiterentwickeln. Das gilt für Unternehmen, für die ganze Wirtschaft und letztlich für uns als Gesellschaft. Daran arbeitet die Work Smart Initiative.» (Bild: Florian Brunner)
«Wir können uns nur gemeinsam weiterentwickeln. Das gilt für Unternehmen, für die ganze Wirtschaft und letztlich für uns als Gesellschaft. Daran arbeitet die Work Smart Initiative.» (Bild: Florian Brunner)

«Ich setze mich heute beruflich mit Themen auseinander, von denen ich bis vor wenigen Jahren noch keine konkrete Vorstellung hatte.» Claudia Giorgetti Del Monte war lange Jahre als Marketingleiterin eines internationalen Versicherungsunternehmens tätig. Wie es ihre Art ist: mit Leib und Seele. Heute steht nicht mehr der Markt, sondern der Mensch im Zentrum ihrer Arbeit. Kern ihrer Tätigkeit bilden zukunftsorientierte Aspekte von Arbeit und Gesellschaft wie die Gestaltung flexibler Arbeitsformen.

«Work Smart» als persönliche Motivation
Als die Mobiliar 2015 in die Trägerschaft der Work Smart Initiative eintrat, stand sie wie viele Unternehmen mit Blick auf die Transformation der Arbeitsformen vor grossen Herausforderungen. «Wir wollten so viel wie möglich darüber lernen, das Gelernte weitergeben und unsere Erfahrungen mit anderen Unternehmen austauschen», erzählt Claudia Giorgetti Del Monte. «Das Faszinierende an diesem Netzwerk ist der Wissensaustausch unter den Unternehmen, abseits der Politik. Die Firmen geben ihr Wissen weiter und tauschen ihre Erfahrungen aus, weil sie davon überzeugt sind, dass sie gemeinsam wichtige Akzente setzen und die Arbeitskultur weiterentwickeln können. Das fasziniert mich persönlich, und so habe ich mich sehr gerne bereit erklärt, das Co-Präsidium der Initiative zu übernehmen.» Sie ist überzeugt: «Wir können uns nur gemeinsam weiterentwickeln. Das gilt für Unternehmen, für die ganze Wirtschaft und letztlich für uns als Gesellschaft. Daran arbeiten wir.»

«Human first!»
Die Digitalisierung schreitet rasch voran. Sie beeinflusst unser Leben oft radikal. «Als Arbeitgeberin ist man gefordert, die Leute mitzunehmen», betont Claudia Giorgetti Del Monte. Den Mitarbeitenden muss die Erwartungshaltung des Unternehmens klar sein, und sie müssen verstehen, welche Freiheit in der Transformation der Arbeitsformen steckt. Es gilt, ihnen die passenden Instrumente zur Verfügung zu stellen und sie in der Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. «Man kann nicht erwarten, dass die Menschen von heute auf morgen anders funktionieren. Die Technologie soll uns helfen, besser zu werden, schneller. Sie soll uns unterstützen, aber sie soll keine Macht über uns erlangen. Die Frage ist daher: Wie können wir die Balance halten?»

Digitalisierung braucht Disziplin. Dabei helfen klare Regeln.
Claudia Giorgetti Del Monte

Der «gesunde» Umgang mit der Digitalisierung
Auch Claudia Giorgetti Del Monte musste lernen, mit der Digitalisierung der Arbeitswelt umzugehen und Balance zu halten. «Da habe ich natürlich auch so meine Tricks», sagt sie lachend. So hat sie etwa zwei Handys: eins für Business und eins für Privates. Die Transformation sei ein Prozess: Je mehr Digitalisierung, Vernetzung und Technologie ins Arbeitsfeld «reinschwappe», desto grösser werde die Versuchung, sich ständig damit zu beschäftigen. Das zehrt an den Kräften und ist auf die Dauer nicht ratsam: «Irgendwann stellt man fest, dass Ferien dafür da sind, Ferien zu machen.» Die zwei Handys erlauben es ihr, Privates und Geschäftliches strikt «zu entkoppeln», wie sie es nennt. «Ich musste für mich selbst ein neues Strickmuster entwickeln. Heute weiss ich, was mir guttut und was nicht.» Niemand könne 24 Stunden am Tag vernetzt sein, das überfordere jeden Menschen. Es brauche die Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und konsequent zu respektieren, damit der konstruktive Umgang mit der Digitalisierung gelingen könne. «Es braucht Disziplin. Dabei helfen klare Regeln. Bei uns zu Hause, am Mittagstisch etwa, sind Handys tabu. Da gibt es keine Ausnahmen.»

«Die persönliche Beziehung ist der ‹Social Glue›, der Einzelkämpfer zu Teamplayern macht. Zusammenarbeit auf Distanz ist möglich, aber auf die Dauer nicht befriedigend.» Claudia Giorgetti Del Monte
«Die persönliche Beziehung ist der ‹Social Glue›, der Einzelkämpfer zu Teamplayern macht. Zusammenarbeit auf Distanz ist möglich, aber auf die Dauer nicht befriedigend.» Claudia Giorgetti Del Monte

Selbstmanagement als Basis
«Es gibt kein allgemeines Framework, das für alle Menschen Geltung hat», betont Claudia Giorgetti Del Monte. «Jede und jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Strukturen und Regeln er oder sie im Umgang mit der digitalen Technologie braucht, damit die Verlockungen der ständigen Informationsflut und Erreichbarkeit nicht die Macht über das eigene Leben übernehmen.» In die Arbeitswelt transferiert, zeigt das eine der grossen Herausforderungen: «Damit Engagement und Motivation von Mitarbeitenden im Home-Office nachhaltig erhalten bleiben, ist man als Arbeitgeberin in der Pflicht, mit Führungskräften und Mitarbeitenden die Balance im Umgang mit der digitalen Welt zu thematisieren.» Ihr eigenes Team ist heterogen zusammengesetzt. Die Altersspanne reicht von Mitte 20 bis Mitte 50. Sie beobachtet die Entwicklung ihrer Mitarbeitenden genau und stellt mit Freude fest, wie die Teammitglieder sich im Lauf der Zeit zunehmend aufeinander zubewegt haben, Erfahrung und Wissen austauschen und so ständig voneinander lernen. Die dynamische Transformation der Arbeitswelt ist für alle ein Lernprozess. «Vertrauen ist einer meiner höchsten Werte» «Glücklicherweise», sagt Claudia Giorgetti Del Monte, «war ich schon immer gut strukturiert, und meine optimistische Grundhaltung gibt mir von Natur aus ein grosses Mass an Flexibilität. Ich hatte nie Vorgesetzte, die Arbeitsschritte im Detail vorgaben oder, wie heute üblich, regelmässig Feedback gaben. Ich wusste: Wenn ich keinen Widerstand spüre, ist man mit meiner Leistung zufrieden.» Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt ist sie in der Gestaltung ihres Berufslebens noch freier geworden.

Das setzt Disziplin und Selbstorganisation voraus: «Man muss lernen, wie und wann man am besten arbeitet und was von einem erwartet wird.» Selbst gesteuertes «Erwartungsmanagement», wie sie es nennt, fällt nicht allen Menschen gleich leicht. Damit in diesem flexiblen System der Output stimmt, sind alle, Führungskräfte und Mitarbeitende, gefordert. «Von mir als Führungsperson wird erwartet, dass ich meine Mitarbeitenden richtig einschätzen kann und sie ihren Neigungen entsprechend enger oder freier führe.» Indem sie ihrem Team nachvollziehbare Ziele setzt und ihre Erwartungen deutlich kommuniziert, setzt sie klare Leitplanken. «Vertrauen ist einer meiner höchsten Werte. Ich bin davon überzeugt, dass alle in meinem Team motiviert sind, gute Leistungen zu bringen.»

 

Die Work-Smart-Initiative wird seit 2015 von grossen Schweizer Unternehmen getragen und geprägt – unterstützt und mitgestaltet von zahlreichen Partnerorganisationen. Das Netzwerk will die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen stärken, indem sie sich gegenseitig dabei unterstützen, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die selbstständige Gestaltung der Arbeit fördern.
Die Work-Smart-Initiative wird seit 2015 von grossen Schweizer Unternehmen getragen und geprägt – unterstützt und mitgestaltet von zahlreichen Partnerorganisationen. Das Netzwerk will die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen stärken, indem sie sich gegenseitig dabei unterstützen, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die selbstständige Gestaltung der Arbeit fördern.

«Social Glue» ist unverzichtbar
Mit Corona war es von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich, sich physisch im Team zu treffen. Für Teams, die schon davor eine gemeinsame Wertebasis und ein gemeinsames Verständnis der Arbeitshaltung definiert hatten, war es einfacher, damit umzugehen, dass von einem Moment zum anderen alle in die digitale Welt katapultiert wurden. War die Zusammenarbeit vorher schon schwierig, brauchte es wohl die eine oder andere Extrameile, bis die Teams auch auf Distanz gut funktionieren konnten. Die Bedeutung des persönlichen Austauschs für die Arbeitsleistung werde einem heute richtig bewusst, stellt Claudia Giorgetti Del Monte fest: «Die persönliche Beziehung ist der ‹Social Glue›, der Einzelkämpfer zu Teamplayern macht. Projektentwicklung oder Kritikgespräche auf Distanz sind möglich, aber auf die Dauer nicht befriedigend. Klar, wir haben digitale Workshop-Formate und Tools, aber die Arbeit hat nicht die gleiche Qualität, wenn man nicht gemeinsam vor einem Whiteboard stehen, Ideen spinnen und wieder verwerfen kann, bis der Funke springt.» Kraftvolle Visionen und Inspiration entstehen durch die Energie, die zwischen Menschen fliesst. Deshalb prüft die Mobiliar, wo sie als zukunftsorientierte, innovative Arbeitgeberin ansetzen muss, um dieses Potenzial noch fokussierter zu nutzen. «Es ist nicht die Idee, dass nach Aufhebung der Home-Office-Plicht alle wieder zurückkehren und alles, was sie im Home-Office erledigt haben, einfach wieder im Büro erledigen.»

Vorreiterin für «Smart Work»
Die Mitglieder der Initiative teilen ihren breiten Erfahrungsschatz und ihre Erkenntnisse im Netzwerk mit über 200 «Work Smart Supportern», die sich mit einer Charta dazu bekennen, smarte Arbeitsformen intern zu fördern und ihr Wissen untereinander auszutauschen. Claudia Giorgetti Del Montes Funktion als Leiterin des Kompetenzzentrums für Organisations- und Kulturentwicklung der Mobiliar und ihr Engagement als Co-Präsidentin der Work Smart Initiative ergänzen sich inhaltlich ideal. «Die Mobiliar ist eine lebensnahe Arbeitgeberin. Als zukunftsorientiertes Unternehmen arbeitet sie an Innovationsthemen in den Bereichen Digitalisierung, Entwicklung der Arbeits- und Lebenswelt und demografischer Wandel. Die Mitarbeitenden wollen ihr Leben gestalten und brauchen dazu neue Freiheiten. Dem wollen wir gerecht werden.»