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Die Schule in Zeiten von Corona

Dagmar Rösler

Arbeiten im Home-Office, Sitzungen, Referate und Kaffeepausen per Videokonferenzen – Corona hatte im Frühjahr 2020 die Arbeitswelt fest im Griff. Auch die Schulen wurden von dieser Welle erfasst und mussten innerhalb kürzester Zeit den gewohnten Präsenz- in einen Notfall-Fernunterricht umstellen.

Seit einem Jahr präsidiert die 48-jährige Solothurnerin als erste Frau den Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH. Als oberste Lehrerin der Schweiz repräsentiert sie damit rund 56’000 Mitglieder. Zuvor stand sie bereits acht Jahre an der Spitze des Solothurner Lehrerverbands. Die Primarlehrerin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Oberdorf SO.

Auch wenn sich die Vorurteile hartnäckig halten, dass Schulen sich scheuen, auf den Zug der Digitalisierung aufzuspringen: Diese Herausforderung wurde von Lehrerinnen und Lehrern auf jeder Stufe vorbildlich gemeistert.

Für den neu definierten Unterricht mussten je nach Alterssegment unterschiedliche Mittel und Wege gefunden werden, um mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu bleiben, die Lernprozesse aus der Ferne zu begleiten und die soziale und emotionale Unterstützung zu gewährleisten. Viele Lehrpersonen organisierten tägliche Videokonferenzen oder stellten per Telefon, E-Mail, Chat-Apps oder Video-Tools den Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern sicher. Für die Lernmaterialien benutzten die einen – wenn möglich – Lern-Apps und Lernplattformen, während wieder andere Arbeitsblätter und Arbeitsmaterialien per Post verschickten.

Während des Lockdowns hat sich gezeigt, dass der digitale Fernunterricht nicht für alle Kinder und Jugendlichen und alle Schulstufen gleichermassen befriedigend einsetzbar ist. Vor allem bei jüngeren Kindern ist es weder realistisch noch pädagogisch sinnvoll, dass diese stundenlang vor dem Bildschirm sitzen sollen. Es braucht einen stufengerechten und altersgerechten Einsatz digitaler Lerntechnologien
sowie einen barrierefreien Zugang für Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung – auch im Normalbetrieb.

Ohne funktionierende Infrastruktur in den Schulen ist es unmöglich, didaktische Konzepte umzusetzen.
Dagmar Rösler

Die Corona-Krise hat deutlich aufgezeigt, dass es ohne funktionierende Infrastruktur in den Schulen unmöglich ist, die bereits bestehenden didaktischen Konzepte umzusetzen. Es braucht also eine angemessene Ausrüstung für Klassen und Lehrpersonen vor Ort, damit mit einer
Verbindung von elektronischen und traditionellen Lernformen ein effektiver und differenzierter Unterricht gewährleistet werden kann, in welchem Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Tempo und entlang ihrer persönlichen Fähigkeiten lernen können.

Das in meinen Augen Bedeutendste in dieser Sache ist aber die gewonnene Erkenntnis, welch wichtige Stätte die Schule für Beziehungsaustausch, soziales Lernen, Begegnung und als Erfahrungsort für alle Sinne ist. Diese menschlichen Bedürfnisse können auch durch digitale Errungenschaften niemals ersetzt werden.