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Zukunft der Medien

Christoph Hugenschmidt

Online-Medien sind böse. Sie sind unseriös, weil sie so schnell publizieren, dass die atemlosen Journalisten nicht dazu kommen, auch nur einfachste Fakten zu überprüfen. Sie schreiben alle das Gleiche, weil sie am gleichen Tropf der Agentur hängen und ihre Mitarbeitenden in derselben Twitterblase schweben.

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lancierte 2004 zusammen mit Hans Jörg Maron die Online-Zeitung «inside-it.ch». Anfang Jahr haben die Eigner den Verlag an das Winterthurer Digitalisierungs-Haus Deep Impact verkauft. Deep Impact betreibt mit Medinside bereits eine vergleichbare Publikation für die Gesundheitsindustrie.

Das sagte man 2004, als wir mit inside-it.ch eines der frühen Online-Only-Medien der Schweiz lanciert haben. 15 Jahre später sind wir im «Zeitalter der schnellen und schrillen Online-News», wie wir in der Zeitschrift «Schweizer Journalist» lesen (Interview mit der Journalistin des Jahres, Nicoletta Cimmino, Echo der Zeit). Während sich die Art und Weise, wie Information konsumiert wird, in den letzten 15 Jahren radikal verändert hat, hat sich am Blick von aussen erstaunlich wenig geändert. Wer Nachrichten, Analysen, Geschichten, Reportagen, Kommentare auf die Leichname finnischer Wälder druckt, gilt irgendwie als seriöser.

Die Realität ist anders. Die Produktion eines Online-Mediums ist vergleichsweise günstig. Es braucht - vereinfacht gesagt - für ein digitales Medium ein Notebook und jemanden, der Zeit in Recherche investiert, etwas gut versteht und schreiben, reden oder Video machen kann. Das hat die Herstellung von Medien demokratisiert. Es gibt heute mehr Medienvielfalt als in Vor-Internet-Zeiten, als es zwar viele Zeitungen gab, diese aber zu heiklen Themen doch immer vor allem die Verlautbarungen der Behörden veröffentlichten.

Beispiele gefällig? Wer kochen will, braucht keine Kochzeitschrift mehr - auf Youtube kann man alles lernen. Im Schweizer Blog «Geschichte der Gegenwart» (www.geschichtedergegenwart.ch) gibt es gratis hervorragenden Content aus dem Umfeld der aktuellen Geschichtswissenschaft. Das von Spendern finanzierte Magazin «Republik» produziert laufend alles andere als kurze Texte: Reportagen, exklusive Recherchen, Bildstrecken, Datenanalysen und was sonst ein Magazin noch so macht. Im angelsächsischen Raum gibt es ähnliche aber grössere Beispiele wie den «Guardian» und den hart recherchierenden «The Intercept».

Die Finanzierung wird nicht die grösste Herausforderung sein, sondern die Glaubwürdigkeit
Christoph Hugenschmidt

Die Online-Medien haben erst begonnen, ihre Möglichkeiten auszuloten. Mit gescheiter Datenanalyse wird man seinen Lesern (noch) massgeschneiderte(rte) Angebote auf Bildschirme und Kopfhörer liefern können und die Kinder, die heute mit der Handycam spielen, werden bald guten, unabhängigen Videocontent machen und verbreiten. Damit wird man auch Geld verdienen können. Die Finanzierung wird nicht die grösste Herausforderung für die digitalen Medien der Zukunft sein, sondern die Glaubwürdigkeit. So einfach es ist, guten Content zu produzieren, so einfach ist die Produktion von ebenso bösartiger wie schlauer Propaganda und von raffinierten Lügen. Mit viel Geld lassen sich solche dann flächendeckend verbreiten.

Glaubwürdigkeit wird das wichtigste Kapital der (digitalen) Medien sein. Sie entsteht durch konstante, seriöse Arbeit und durch Mut zur Wahrheit. Ob digital oder analog, ob gestern, heute oder morgen.

Das Abraxas-Magazin lädt Gastautorinnen und -autoren dazu ein, pointiert zu Aspekten der Digitalisierung Stellung zu nehmen. Die Texte geben die Ansichten und Meinungen der Autorinnen und Autoren wieder und können von der Position von Abraxas abweichen.