Der monatliche Rückblick mit den wichtigsten Entwicklungen bei der Digitalisierung von Schweizer Gemeinden, Städten, Kantonen und dem Bund.
Digitale Verwaltung in der Schweiz
E-Voting: Pilotbetrieb geht trotz Panne in Basel-Stadt weiter
Nach der Panne bei den eidgenössischen Abstimmungen im Kanton Basel-Stadt geht der Pilotbetrieb in den anderen Kantonen weiter: Die drei Kantone St. Gallen, Graubünden und Thurgau haben für den Abstimmungstermin vom 14. Juni 2026 grünes Licht für die Durchführung der elektronischen Abstimmungen erhalten. Aufgrund von Unregelmässigkeiten beim Umgang mit Pin-geschützten USB-Sticks konnten bei der Abstimmung am 8. März in Basel-Stadt 2048 elektronisch abgegebene Stimmen nicht entschlüsselt und ausgezählt werden. Die drei Ostschweizer Kantone hätten daher ihre Prozesse überprüft und nutzen nun zusätzliche Typen von Speichermedien, so Inside IT.
Gemeinden bündeln Kräfte
Die beiden St. Galler Gemeinden Rorschach und Goldach wollen Verwaltungsdienstleistungen in einem gemeinsamen öffentlich-rechtlichen Unternehmen bündeln. Die Gemeinde- und Verwaltungsdienste Region Rorschach (GVD-RR) sollen 2027 mit den Kompetenzzentren Informatik, Steuern, Bau & Umwelt und Personal den Betrieb aufnehmen. Weitere Kompetenzzentren sollen später dazukommen. Hochsensible Daten sowie der Betrieb des Grossteils der Fachapplikationen verbleiben auch mit dem neuen Kompetenzzentrum Informatik bei Abraxas.
Wallis digitalisiert Baugesuche als erster Kanton vollständig
Neu können Baueingaben im Kanton Wallis vollständig digital über eine zentrale Plattform abgewickelt werden. Der Plattform eConstruction sind alle 122 Gemeinden angeschlossen.
Viel Gestaltungsspielraum in der städtischen Informatik
Für ihn sei die Heterogenität der Stadtverwaltung reizvoll, betont Sven Ihl, CIO der Stadt St. Gallen, im Interview mit Inside IT: «on der klassischen Verwaltung über Dienststellen wie den Stadtwerken, den Verkehrsbetrieben, dem Gesundheitsbereich mit der Kinder- und Jugendzahnklink bis hin zu Schulen sowie den Blaulichtorganisationen mit Feuerwehr, Zivilschutz und Stadtpolizei.» Zum Interview über KI in der Stadtverwaltung und der Attraktivität einer städtischen IT-Abteilung für IT-Fachleute.
Bundesverwaltung prüft Alternativen zu Microsoft 365
Insbesondere Open-Source-Lösungen seien interessant, um die Abhängigkeit von Microsoft zu reduzieren. Dies, obwohl Microsoft 365 erst kürzlich breit eingeführt wurde. Eine vollständige Abkehr gilt als unrealistisch, jedoch soll die Abhängigkeit schrittweise verringert werden, unter anderem durch Machbarkeitsstudien und internationale Vorbilder wie Schleswig-Holstein.
Für Diskussionen sorgt die Einführung von M365 derweil im Kanton Schwyz und in der Stadt Winterthur. An den Schulen der Stadt Zürich sollen zudem vermehrt Open-Source-Anwendungen eingesetzt werden.
Glarus & Solothurn: digitale Steuerverwaltungen
Im Kanton Glarus soll die Digitalisierung der Steuerverwaltung verstärkt vorangetrieben werden. Der Regierungsrat beabsichtigt, dafür einen Kredit im Rahmen des Budgets 2027 zu beantragen. Währenddessen haben mehrere Solothurner Gemeinden mit Abraxas TAXA per Anfang 2026 die modernste Steuerlösung der Schweiz in Betrieb genommen.
Innovation
Ostschweizer Kantone kooperieren bei KI für die Verwaltung
St. Gallen, Thurgau, beide Appenzell Graubünden und das Fürstentum Lichtenstein haben 2025 untersucht, wo KI in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden kann. 120 mögliche konkrete Anwendungsfälle wurden zusammengetragen. Die Übersicht der KI-Potenzialanalyse ist öffentlich einsehbar: zu den Anwendungsfällen. Auch der Kanton Basel-Stadt beschäftigt sich mit KI und hat rund 7 Millionen Franken für entsprechende Projekte in der Verwaltung bewilligt. Das Fürstentum Liechtenstein hat sich derweil eine KI-Strategie gegeben.
Einführung der E-ID ist definitiv beschlossen
Das Bundesgericht hat eine Stimmrechtsbeschwerde zur E-ID-Abstimmung abgewiesen. Technisch und regulatorisch gibt es jedoch noch Herausforderungen: So sorgt unter anderem die derzeit noch fehlende Kompatibilität mit EU-Lösungen zur Altersverifikation für Diskussionen.
Abraxas sucht neuen Leiter Solution Engineering
Peter Gassmann, Geschäftsleitungsmitglied von Abraxas, hat sich entschieden das Unternehmen per Ende Juli 2026 zu verlassen. Die Suche nach einer qualifizierten Nachfolge in dieser Führungsposition im strategisch wichtigen Tätigkeitsfeld ist lanciert, wie unter anderem Inside IT berichtet.
Kanton Bern setzt auf digitale Post
Künftig sollen rund sechs Millionen Sendungen pro Jahr digital über den E-Post-Service der Schweizerischen Post versendet werden. Dieser ist seit 1. April 2026 zudem ein Teil der postalischen Grundversorgung. Mit dem Service will das kantonale Amt für Informatik und Organisation (KAIO) es den Behörden ermöglichen, Dokumente kostengünstig, papierlos und rechtssicher an Privatpersonen, Unternehmen und andere Behörden zu übermitteln.
Digitale Souveränität: Frankreich setzt auf Linux
Die französische Digitalbehörde (DINUM) hat beschlossen, ihre Arbeitsplätze von Windows auf Linux umzustellen. Das ist nur eine von vielen Massnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität. Alle Ministerien müssen einen Plan erstellen, wie sie ihre Unabhängigkeit erhöhen können.
Security bei Schweizer Verwaltungen
Bedrohung durch ausländische Nachrichtendienste nimmt zu
Verstärkt im Fokus anderer Dienste stehen kritische Infrastrukturen, wie verschiedene Medien berichten. Hintergrund ist die Bedeutung für die Energieversorgung in der Schweiz und in Europa. Das macht die Anlagen zu potenziellen Zielen für Spionage oder Sabotage. Allein im Kanton Aargau seien in den letzten zwei Jahren zwölf Vorfälle registriert worden.
Cyberbedrohungslage bleibt angespannt
Der neueste Bericht des Bundesamts für Cybersicherheit BACS zeigt: Angriffe gegen Behörden und öffentliche Einrichtungen nehmen zu und werden immer gezielter. Die Individualisierung erfolgt unter anderem auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Zunehmend in den Fokus geraten auch Angriffe über IoT-Geräte. Erstmals zieht das BACS zudem Bilanz zur neuen Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen: In den ersten zwölf Monaten sind 325 Meldungen eingegangen, davon stammen die meisten aus dem Verwaltungssektor (25 %), von IT- und Telekommunikationsunternehmen (18 %) sowie von Banken und Versicherungen (16 %).
Auch der Fedpol-Jahresbericht zeigt: Die Schweiz wird zunehmend als Ziel- und Transitland für organisierte Kriminalität genutzt. Und das nicht nur in Bereichen wie Menschenhandel und Geldwäsche, sondern auch im Bereich Cybercirme.
USB-Stick sorgt für Datenleck
An einem Medientermin wurde einem Journalisten statt der Dokumentation der Staatsrechnung 2025 versehentlich ein USB-Stick mit sensiblen Personendaten abgegeben. Der Kanton Appenzell Innerrhoden bedauert den Vorfall, der auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sei. Das Medienunternehmen habe bestätigt, dass keine Daten kopiert, gespeichert oder weitergegeben wurden.