Der monatliche Rückblick mit den wichtigsten Entwicklungen bei der Digitalisierung von Schweizer Gemeinden, Städten, Kantonen und dem Bund.
Digitale Verwaltung in der Schweiz
E-Voting: Betrieb und Prozesse im Fokus
Nach der Panne bei den eidgenössischen Abstimmungen im Kanton Basel-Stadt bleibt die Ursachenklärung zentral. Mehrere tausend Stimmen konnten nicht gezählt werden, der Pilotbetrieb im Stadtkanton wurde vorläufig ausgesetzt. Während der Bund und andere Kantone an E-Voting festhalten, verschiebt sich die Diskussion: Im Zentrum stehen weniger Systemfragen als vielmehr Betrieb, Prozesse und Fehleranfälligkeit.
Digitalisierung wird stärker koordiniert
Bund und Parlament setzen verstärkt auf gemeinsame Grundlagen. Digitalisierungsprojekte sollen systematisch auf Synergien geprüft werden, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Gleichzeitig wird ein Digitalisierungsartikel in der Bundesverfassung diskutiert, der die Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen stärken soll. Auch Open Source gewinnt politisch an Bedeutung; zum Beispiel durch Vorstösse auf Bundes- und Kantonsebene.
Verwaltungsdaten und Plattformen im Ausbau
Die Bedeutung von Daten als Grundlage digitaler Verwaltung nimmt weiter zu. Projekte wie die erneuerte Datenplattform «Lureg» im Kanton Luzern oder Initiativen zur besseren Nutzung von Verwaltungsdaten für KI zeigen, dass der Fokus zunehmend auf nachhaltigen Infrastrukturen liegt.
Digitale Services werden gezielt weiterentwickelt
Bestehende Angebote werden ausgebaut und technisch modernisiert; etwa Easygov oder neue Standards für digitale Nachweise wie das Maturitätszeugnis. Gleichzeitig treiben Kantone konkrete Digitalisierungsprojekte voran: So digitalisieren die St. Galler Gerichte den Rechtsverkehr und prüfen den Einsatz von KI. Auf Bundesebene werden Prozesse, z. B. bei Steuerformularen, mit Standardsoftware automatisiert.
Innovation
KI findet den Weg in die Verwaltungspraxis
Künstliche Intelligenz wird zunehmend konkret eingesetzt: Die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz und Zug entwickeln gemeinsam eine KI-Plattform für Verwaltungsmitarbeitende. Auf Bundesebene plant die Bundeskanzlei Investitionen in Daten- und KI-Dienstleistungen, um entsprechende Kompetenzen aufzubauen. Gleichzeitig testen einzelne Verwaltungen konkrete Anwendungen, wie z. B. KI-Assistenzsysteme oder Übersetzungslösungen mit lokaler Datenverarbeitung.
Digitale Souveränität wird politisch konkret
Das Thema digitale Souveränität entwickelt sich von einer strategischen Leitidee zu konkreten politischen Vorstössen. Forderungen nach eigenen Infrastrukturen für KI und Cybersicherheit, mehr Open Source sowie geringeren Abhängigkeiten von internationalen Anbietern prägen die Diskussion. Auch in der Bevölkerung findet das Thema breite Unterstützung, wie eine Umfrage zeigt.
Rahmenbedingungen für KI und Daten im Fokus
Neben Anwendungen rücken auch Governance-Fragen stärker in den Vordergrund: Leitfäden, Handbücher und politische Vorstösse zeigen den Bedarf nach Orientierung im Umgang mit KI. Gleichzeitig wird diskutiert, wie Daten als Grundlage für vertrauenswürdige KI besser verfügbar gemacht werden können.
Wettbewerb um Talente und Innovationen
Initiativen wie die «Digital Shapers» oder die «Digital Economy Awards» unterstreichen die Bedeutung von Fachkräften und Innovation für den digitalen Standort Schweiz. KI wird dabei zunehmend als Treiber für Wettbewerbsfähigkeit positioniert.
Security bei Schweizer Verwaltungen
Cyberbetrug nimmt zu und wird gezielter
Cyberkriminalität nimmt weiter zu: sowohl in der Anzahl als auch in der Professionalität. Neue Betrugsmaschen wie täuschend echte Jobangebote oder kombinierte Angriffskampagnen zeigen, wie gezielt Täter vorgehen. Zunehmend werden verschiedene Kanäle sowie KI eingesetzt, um Vertrauen zu erschleichen.
Neue Angriffsmethoden und bekannte Schwachstellen
Angriffe wie «ClickFix», Spoofing oder gezielte Phishing-Kampagnen zeigen, dass technische und menschliche Schwachstellen gleichermassen ausgenutzt werden. Gleichzeitig bleiben Ransomware-Angriffe und Sicherheitslücken – etwa bei VPN-Zugängen – ein relevantes Risiko.
Kritische Infrastrukturen im Visier
Berichte über Spionageaktivitäten und Cyberangriffe verdeutlichen die strategische Bedeutung kritischer Infrastrukturen. Energieversorgung und öffentliche Einrichtungen stehen dabei besonders im Fokus, ebenso wie Verwaltungen auf kantonaler und kommunaler Ebene.
Zwischenfälle zeigen Handlungsbedarf
Konkrete Vorfälle verdeutlichen die Verwundbarkeit digitaler Systeme: Wiederholte IT-Probleme bei den Aargauer Steuerbehörden beeinträchtigen den Betrieb. Ebenso wurde die Gemeindeverwaltung Matten Ziel eines Cyberangriffs, während Unternehmen wie INP Schweiz und der Softwareanbieter Soreco angegriffen wurden – letzterer über eine VPN-Sicherheitslücke mit Datenabfluss. Auch politische Institutionen wie das Waadtländer Parlament waren Ziel koordinierter Spam-Angriffe. Die Fälle zeigen: Neben technischer Sicherheit bleiben auch stabile Prozesse und klare Verantwortlichkeiten entscheidend.