E-Government-Briefing Februar 2026

EFK empfiehlt Verschiebung der E-ID-Einführung aufgrund Sicherheitsbedenken, digitale Souveränität im Zentrum der Strategie «Digitale Schweiz 2026», Bundesrat will Schutz kritischer Infrastrukturen weiter stärken, Diskussionen um KI- und Plattformregulierung. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.

Von Samuel Näf · 25. Februar 2026

Der monatliche Rückblick mit den wichtigsten Entwicklungen bei der Digitalisierung von Schweizer Gemeinden, Städten, Kantonen und dem Bund.

Digitale Verwaltung in der Schweiz

Finanzkontrolle warnt vor Sicherheitslücken bei der E-ID
Nach dem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle könnte es zu Verzögerungen bei der Einführung kommen. Insbesondere seien wichtige Sicherheitsfunktionen wie die End-to-End-Verschlüsselung noch nicht vollständig eingebaut. Daher empfiehlt die Finanzkontrolle weitere Tests und eine Verschiebung der Einführung. Die Bundesämter für Justiz und Informatik halten dagegen: Die kritisierten Punkte seien Teil eines planmässigen Vorgehens und würden noch vor der offiziellen Lancierung umgesetzt. Zum Bericht der EFK

Digitale Souveränität & digitaler Gast-Staat
Der Bund hat die Strategie «Digitale Schweiz 2026» vorgestellt. Neu im Fokus stehen die Themen digitale Souveränität, der «digitale Gast-Staat» – insbesondere mit Blick auf Genf, wo die Bereiche Cyberresilienz, Rechenzentren und Cloud gestärkt werden sollen – sowie die Einführung der E-ID auf freiwilliger Basis. Die Strategie ist für die Bundesverwaltung verbindlich und soll anderen Akteuren als Orientierungsrahmen dienen.

Beiratstreffen Digitale Schweiz: Umsetzung der KI-Konvention des Europarats
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten, mit welchen Massnahmen die Konvention des Europarats zu künstlicher Intelligenz (KI) in der Schweiz umgesetzt werden soll. Der Schwerpunkt lag auf Massnahmen wie Selbstverpflichtungserklärungen einzelner Branchen, Ethikkodizes und Standards.

SCSD 2026: Digitale Souveränität als strategische Notwendigkeit
Die diesjährigen Swiss Cyber Security Days standen unter dem Motto der digitalen Souveränität. Referierende aus Politik, Verwaltung und internationalen Organisationen – darunter BACS-Direktor Florian Schütz – diskutierten Cyberresilienz, geopolitische Verschiebungen und internationale Zusammenarbeit. Digitale Souveränität wird als strategische Notwendigkeit verstanden, jedoch nicht als Abschottung, sondern als Fähigkeit zu selbstbestimmten Entscheidungen.

Neues E-Login & Grundlagen für elektronische Verwaltungsverfahren im Kanton St. Gallen
Das neulancierte Login des Kantons basiert auf AGOV, dem Authentifizierungsdienst des Bundes, und kommt unter anderem bei der webbasierten Steuerdeklaration und dem «Schalter E» genannten zentralen Onlineschalter zum Einsatz. Mit einer Sammelvorlage «Rechtsgrundlagen für das elektronische Verwaltungsverfahren» möchte der Kanton zudem die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung weiter vorantreiben.

IT-Probleme verzögern Auszahlungen an Arbeitslose
Beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) führen anhaltende IT-Probleme nach einer Softwareumstellung weiterhin zu Verzögerungen, insbesondere bei Neuerfassungen von Arbeitslosendaten. Die Situation habe sich verbessert, es komme aber teilweise weiterhin zu einer verlangsamten Dossierbearbeitung und Auszahlungsverzögerungen.

Kanton Thurgau stellt sich gegen Individualbesteuerung
An einer Medienkonferenz warnt Finanzdirektor Urs Martin vor einer Annahme der Individualbesteuerung. Diese würde einem komplexen Totalumbau des Steuersystems gleichkommen. Der Regierungsrat befürchtet massive Mehrkosten durch mehr Bürokratie.

Kanton Zürich rechnet mit bis zu 1000 elektronischen Prozessen
Ab dem 1. Januar 2027 will der Kanton Zürich sämtliche Verwaltungsverfahren digital anbieten. In diesem Zusammenhang geht der Regierungsrat davon aus, dass 800 bis 1000 Prozesse zu digitalisieren sind.

Bundesrat trifft zusätzliche Abklärungen zur Vüpf-Revision
Die Revision der Verordnung über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Vüpf) geht in eine zweite Runde: Der Bundesrat lässt abklären, welche Auswirkungen die Neuerungen auf mitwirkungspflichtige Unternehmen haben. Besonders die ausgeweitete Vorratsdatenspeicherung sorgt für Kritik: So haben Proton oder Threema gedroht, die Schweiz aufgrund der Vüpf-Revision, die das Betreiben eines sicheren Kommunikationsdienstes verunmögliche, zu verlassen.

Kritik von allen Seiten für Plattformregulierung des Bundes 
Mit dem Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) sollen sehr grosse Kommunikationsplattformen Nutzer:innen in der Schweiz in Zukunft ein Verfahren anbieten müssen, mit dem sie mutmasslich rechtswidrige Inhalte unkompliziert melden können. In der Vernehmlassung gab es Kritik von allen Seiten: Während der Vorentwurf für die SVP ein «Zensurgesetz» darstellt und auch der Verband Swico eine Einschränkung der Meinungsfreiheit durch Netzsperren befürchtet, geht er linken Parteien und Jugendschutzorganisationen zu wenig weit. Auch bei der Regulierung von KI-Anwendungen gebe es noch kritische Lücken.

Innovation

KI-Gipfel 2027 in Genf
Bundespräsident Guy Parmelin kündigte an einem internationalen KI-Gipfeltreffen in Indien an, dass die Schweiz die nächste Ausgabe des Treffens 2027 in Genf ausrichten werde. Die Rhone-Stadt sei als «Epizentrum des Multilateralismus» der ideale Austragungsort und fungiere als Brücke zwischen Diplomatie und Innovation.

Parlamentarische Informationen gebündelt verfügbar
Bislang sind parlamentarische Informationen in der Schweiz auf unzähligen Systemen von Städten, Kantonen und Bund verteilt. Das neue Portal OpenParlData konsolidiert diese Daten und stellt sie in einem einheitlichen Format über eine Web-App oder per API zur Verfügung.

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Security bei Schweizer Verwaltungen

Bund will den Schutz kritischer Infrastrukturen stärken
Seit April 2025 ist die Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen in Kraft. Nun möchte der Bundesrat entsprechende Betreiber noch stärker in die Pflicht nehmen. In seiner Sitzung vom 18. Februar 2026 hat er beschlossen, die gesetzlichen Grundlagen für eine höhere Resilienz und mehr Datensicherheit zu schaffen. Das Vorhaben basiert auf zwei Motionen aus der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats.

Interne EDA-Dokumente gelangen in Microsoft-Cloud
Beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wurden «intern» klassifizierte Dokumente versehentlich in der Microsoft-Cloud gespeichert. Das EDA bestätigt eine Sicherheitslücke, die bereits im Sommer 2025 intern erkannt worden war. Der Vorfall befeuert die Debatte um die wachsende Abhängigkeit der Bundesverwaltung von US-Cloud-Diensten und den US Cloud Act.

Wachsende Gefahr durch Peripherie
Überall vorhanden und doch selten überprüft: Alltagsgeräte wie Tastaturen, Headsets oder Präsentationssysteme stellen ein wachsendes Sicherheitsrisiko dar. Ein Porträt des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit (NTC) in der NZZ (Paywall) zeigt, wie das NTC mit Sitz in Zug Abhilfe schaffen will.

Perfide Phishing-Kampagne nutzt echte Sharepoint-Seiten
Das Bundesamt für Cybersicherheit BACS warnt vor einer internationalen Phishing-Kampagne, die Microsoft Sharepoint gezielt missbraucht. Die Betrugsmasche setzt auf echte Microsoft-Seiten und greift Zugangsdaten erst in einem zweiten Schritt über gefälschte Login-Seiten ab («Real-Time-Phishing»), wodurch sogar Zwei-Faktor-Authentisierung umgangen werden kann. Betroffen sind vor allem Unternehmenskonten.

BACS warnt vor «Subscription Bombing»
Bei der Masche werden Postfächer mit Hunderten Newsletter-Anmeldungen geflutet, um sicherheitsrelevante E-Mails – etwa Zahlungsbestätigungen – zu verstecken. Der Bund empfiehlt gezielte Suche nach Schlüsselbegriffen, Überprüfung sensibler Konten und umgehende Passwortänderungen.