E-Government-Briefing Juli 2026

Von digitalen Behördendienstleistungen über Open Source bis hin zu Datenschutz und KI: Der Juli brachte zahlreiche Entwicklungen für die digitale Verwaltung. Gleichzeitig verdeutlichten Berichte und Cybervorfälle, wie wichtig resiliente Infrastrukturen und verantwortungsvoll gesteuerte Digitalisierungsprojekte sind. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.

Von Alexandra Kehl · 29. Juli 2026

Der monatliche Rückblick mit den wichtigsten Entwicklungen bei der Digitalisierung von Schweizer Gemeinden, Städten, Kantonen und dem Bund.

Digitale Verwaltung in der Schweiz

Datenschutzbeauftragter fordert mehr Transparenz und Verantwortung
Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) zieht in seinem aktuellen Tätigkeitsbericht eine gemischte Bilanz. Zwar habe sich das Öffentlichkeitsgesetz grundsätzlich bewährt, gleichzeitig nehmen Zugangsgesuche zu und Verfahren verzögern sich aufgrund fehlender Ressourcen. Zudem warnt der EDÖB vor einer wachsenden Zahl gesetzlicher Ausnahmen, welche die Transparenz staatlichen Handelns einschränken könnten. Im Bereich künstliche Intelligenz fordert er mehr Verantwortung, Datenschutz bereits bei der Projektplanung («Privacy by Design») sowie klare Risikoanalysen für KI-Anwendungen.

Bundesverwaltung kämpft weiterhin mit IT-Schlüsselprojekten
Eine neue Analyse der Eidgenössischen Finanzkontrolle zeigt, dass sich bei Informatik-Schlüsselprojekten des Bundes bekannte Probleme wiederholen. Unvollständige Gesamtplanungen, eine unzureichende Ausrichtung auf den Nutzen sowie Schwächen beim Übergang in den Betrieb führen weiterhin zu Verzögerungen und Mehrkosten. Die Bundeskanzlei verweist zwar auf zahlreiche erfolgreiche Projekte und bereits eingeleitete Verbesserungsmassnahmen, sieht aber ebenfalls Handlungsbedarf bei der Steuerung der digitalen Transformation.

E-ID verzögert sich wegen neuer Sicherheitsanforderungen
Die Einführung der staatlichen E-ID verschiebt sich. Grund dafür sind zusätzliche Sicherheitsmassnahmen, mit denen der Bund auf neue Bedrohungen durch künstliche Intelligenz wie Deepfakes oder Schadsoftware reagiert. Die Vertrauensinfrastruktur soll im ersten Halbjahr 2027 bereitstehen, ein neuer Termin für die Einführung der E-ID steht derzeit noch aus.

Open Source gewinnt in der Bundesverwaltung weiter an Bedeutung
Das Kommando Cyber der Schweizer Armee ersetzt Microsoft Office bis Oktober schrittweise durch die Open-Source-Lösung Open Desk. Als Gründe nennt die Armee insbesondere Anforderungen an Vertraulichkeit, Datenhoheit und Verfügbarkeit sowie geopolitische Risiken. Auch die Bundeskanzlei prüft derzeit Alternativen zu Microsoft 365 und setzt damit den Trend hin zu mehr digitaler Souveränität fort.

Bund publiziert Konzepte für Datenwissenschaftsplattform
Der Bund hat die Konzepte und die Dokumentation zur kollaborativen Datenwissenschaftsplattform (BRB-4) veröffentlicht. Die Plattform soll den behördenübergreifenden Austausch und die Zusammenarbeit im Bereich Datenwissenschaft stärken und ist Teil der Datenwissenschaftsstrategie des Bundes.

EasyGov soll bis Ende 2027 zum zentralen Behördenportal für KMU werden
Der Bund baut die Plattform EasyGov.swiss weiter aus. Ziel ist es, Unternehmen und Neugründenden die wichtigsten Behördengänge vollständig digital anzubieten. Bis Ende 2027 sollen die am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen auf dem Online-Schalter verfügbar sein und den administrativen Aufwand für Schweizer KMU weiter reduzieren.

Tessin digitalisiert Bewilligungsverfahren vollständig
Ab August 2026 können Gesuche beim Tessiner Migrationsamt vollständig digital eingereicht werden. Damit entfällt der bisher notwendige Medienbruch mit Ausdruck, Unterschrift und postalischem Versand. Der Kanton verfolgt damit das Ziel, Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und Ressourcen gezielter einzusetzen.

Drei Kantone planen gemeinsame Justizplattform
Die Kantone Basel-Stadt, Glarus und Schaffhausen beschaffen gemeinsam eine neue Digitalplattform für ihre Justizbehörden. Die Nachfolgelösung für Juris soll moderne, flexibel anpassbare Geschäftsprozesse ermöglichen und die Zusammenarbeit der drei Kantone stärken.

Luzern zieht Lehren aus Chatbot-Pilot
Der Kanton Luzern hat seinen KI-Chatbot «Luzi» bereits wenige Tage nach dem Start wieder vom Netz genommen. Ausschlaggebend war die ungenügende Qualität der Antworten. Der Pilot habe jedoch wichtige Erkenntnisse zur Datenqualität und zum Einsatz von KI in der Verwaltung geliefert.

Thurgau sucht neue Leitung für die kantonale IT
Der Kanton Thurgau hat die Leitung seines Amts für Informatik ausgeschrieben. Die Nachfolge soll ab 2027 die kantonale IT verantworten und die Strategie «Digitale Verwaltung Thurgau» weiter vorantreiben.

Zürich baut KI-Serviceplattform für die Verwaltung auf
Mit dem Projekt «SynerKI» schafft der Kanton Zürich die organisatorischen und technischen Grundlagen für den sicheren Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung. Bestehende KI-Pilotprojekte sollen künftig verwaltungsweit genutzt werden.

Innovation und Sicherheit

Cyberangriff legt Behördendaten in der Westschweiz offen
Nach einem Ransomware-Angriff wurden umfangreiche Daten von Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen im Darknet veröffentlicht. Der Vorfall zeigt erneut die Bedeutung robuster Cybersicherheitsmassnahmen und eines professionellen Krisenmanagements.

Frauenfeld nutzt KI für die Verkehrsplanung 
Die Stadt Frauenfeld installiert mehrere KI-gestützte Zählstellen, welche den Fuss-, Velo- und E-Trottinettverkehr automatisch erfassen. Die anonym ausgewerteten Daten sollen langfristig helfen, die Verkehrsplanung zu verbessern und den Ausbau nachhaltiger Mobilität gezielt zu unterstützen.

Genfer Polizei führt Online-Voranzeige ein
Die Kantonspolizei Genf hat eine Plattform für Online-Voranzeigen in Betrieb genommen. Opfer bestimmter Vermögensdelikte oder Cyberbetrugs können ihre Anzeige künftig vorab digital erfassen und den Prozess dadurch deutlich beschleunigen. Die Polizei betont, dass digitale Dienstleistungen den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, sondern mehr Zeit für Beratung und Betreuung schaffen sollen.

IKRK entwickelt digitales Schutzemblem für den Cyberraum
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat ein digitales Emblem entwickelt, das humanitäre Einrichtungen im Cyberraum besser schützen soll. Analog zum Rotkreuz-Zeichen in der physischen Welt soll es als digitales Stoppschild kennzeichnen, welche Systeme nach humanitärem Völkerrecht nicht Ziel von Cyberangriffen sein dürfen.

Schweizer KI-Modell Apertus erhält grosses Update
Das Open-Source-KI-Modell Apertus wurde auf Version 1.5 aktualisiert. Neu kann es neben Text auch Bilder und Audio verarbeiten. Die Entwickler wollen damit eine vertrauenswürdige europäische KI-Alternative weiter ausbauen und fordern zusätzliche Investitionen in Rechenleistung.

swisstopo veröffentlicht digitalen Zwilling der Schweiz
Mit swissSURFACE3D stellt swisstopo eine hochpräzise dreidimensionale Vermessung der Schweiz und Liechtensteins bereit. Die frei verfügbaren Geodaten bilden die Grundlage für digitale Zwillinge und ermöglichen Anwendungen in Bereichen wie Raumplanung, Infrastruktur, Forschung und künstlicher Intelligenz.

Exkurs Europa

EU startet GenAI-Pilotprojekte für die öffentliche Verwaltung
Die Europäische Kommission hat drei neue Pilotprojekte für den Einsatz von generativer KI in der öffentlichen Verwaltung gestartet. Ziel ist es, vertrauenswürdige europäische KI-Lösungen zu entwickeln und in Behörden zu erproben. Die Projekte sollen unter anderem Verwaltungsprozesse vereinfachen, Entscheidungen unterstützen und den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen verbessern. Erfolgreiche Lösungen sollen anschliessend von weiteren Verwaltungen in Europa übernommen werden.

Cyberangriff legt rumänisches Grundbuch lahm
Nach einem gescheiterten Erpressungsversuch löschte ein Cyberkrimineller die Grundbuchdatenbank der rumänischen Katasterbehörde und beeinträchtigte damit den gesamten Immobilienmarkt. Notariate konnten zeitweise keine Eigentumsübertragungen mehr durchführen, digitale Dienste fielen aus. Der Vorfall verdeutlicht die zentrale Bedeutung robuster Cyberresilienz, funktionierender Backups und wirksamer Schutzmassnahmen für kritische staatliche Infrastrukturen.

EU verlängert Übergangsregelung zur Chatkontrolle
Die EU will die freiwillige Suche nach Darstellungen von Kindesmissbrauch in privaten Chats und Diensten bis April 2028 weiter ermöglichen. Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten und das sogenannte Client-Side Scanning sollen davon ausgenommen bleiben. Parallel suchen Parlament und Mitgliedstaaten weiterhin nach einer dauerhaften Regelung.

EU-Parlament ebnet den Weg für den digitalen Euro
Das Europäische Parlament hat sich mit deutlicher Mehrheit für die Einführung des digitalen Euro ausgesprochen. Damit können die Verhandlungen über den rechtlichen Rahmen beginnen. Die digitale Währung soll das Bargeld ergänzen, ein europäisches Angebot für digitale Zahlungen schaffen und ab 2029 schrittweise eingeführt werden.

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