Der monatliche Rückblick mit den wichtigsten Entwicklungen bei der Digitalisierung von Schweizer Gemeinden, Städten, Kantonen und dem Bund.
Digitale Verwaltung in der Schweiz
Digitale Souveränität im Fokus
Kaum ein Thema prägte den Mai stärker als die digitale Souveränität. Das neu gegründete Zentrum «Souveräne Digitale Schweiz» will Open-Source-Technologien und souveräne Cloud-Lösungen fördern. Gleichzeitig fordert der Zürcher Kantonsrat eine Strategie zur langfristigen Sicherung der digitalen Souveränität der kantonalen Verwaltung. Auch Datenschutzstellen in Bern, Luzern und Zürich äusserten Bedenken gegenüber Cloud-Diensten internationaler Anbieter und forderten stärkere Exit-Strategien sowie mehr Kontrolle über Daten und Infrastrukturen.
Microsoft 365 bleibt vielerorts gesetzt
Trotz der Debatten halten zahlreiche öffentliche Institutionen an Microsoft 365 fest. Der Kanton Schwyz verteidigte seinen Entscheid für M365 ausdrücklich und verwies auf Sicherheitsgewinne sowie bestehende Abhängigkeiten. Auch der Bund sieht die Risiken, hält aber an seiner Strategie fest. Die Stadt Zürich prüfte mit OpenDesk eine Open-Source-Alternative, kam jedoch zum Schluss, dass diese derzeit noch nicht alle Anforderungen erfüllt.
Gesundheitsdaten und E-ID beschäftigen Behörden
Beim Aufbau des geplanten Schweizer Gesundheitsdatenraums will das Bundesamt für Gesundheit gemäss Inside IT auf US-Technologie verzichten. Gleichzeitig zeigt eine Studie der Hochschule Luzern, dass viele Unternehmen noch unzureichend auf die Einführung der E-ID vorbereitet sind. Die Themen digitale Identität, Datenhoheit und Interoperabilität bleiben damit zentrale Baustellen der Verwaltungsdigitalisierung.
DigiSanté und digitales AHV-Dossier
Das Bundesprogramm DigiSanté soll den Datenaustausch im Gesundheitswesen verbessern und administrative Prozesse vereinfachen. Ebenfalls sprach sich der Nationalrat für den digitalen Zugang zu AHV-Dossiers aus.
Kritik an der Revision des Überwachungsgesetzes VÜPF
Für Diskussionen sorgte die geplante Revision des Überwachungsgesetzes VÜPF. Die Digitale Gesellschaft kritisierte laut Watson eine Ausweitung staatlicher Überwachungsmöglichkeiten sowie zusätzliche Pflichten für Internetanbieter. Kritiker sehen Datenschutz, Grundrechte und den Technologiestandort Schweiz gefährdet. Der Bundesrat will die Vorlage nach der Kritik nochmals überarbeiten.
Digitale Demokratie bleibt ein Entwicklungsfeld
Mehrere Zürcher Gemeinden testen gemäss eines Berichts von TeleZüri erstmals E-Counting, die elektronische Auszählung von Abstimmungen. Parallel dazu beschäftigten Fragen rund um E-Voting und die Überprüfung von Abstimmungssystemen Politik und Verwaltung.
Innovation
Digital-Barometer im Zeichen von KI
Das «Digital-Barometer 2026» zeigt eine ambivalente Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz: Die Technologie gilt als Innovationsmotor, doch bestehen Sorgen um Datenschutz, Kontrolle und Arbeitsplätze.
Liechtenstein setzt auf einen vorsichtigen KI-Kurs
Die Regierung Liechtensteins verfolgt laut Eastdigital einen risikobasierten Ansatz für den Einsatz von KI. Anwendungen sollen bestehende Prozesse unterstützen, während Datenschutz, Cybersicherheit und Nachvollziehbarkeit im Vordergrund stehen. Vollautomatisierte Entscheide mit rechtlicher Wirkung sind ausdrücklich ausgeschlossen.
Bundesrat prüft Regeln für generative KI
Der Bundesrat will Anbieter generativer KI stärker in die Pflicht nehmen. Künftig sollen Schutzmassnahmen gegen missbräuchliche Anwendungen wie sexualisierte Deepfakes vorgeschrieben werden können. Damit gewinnt die Regulierung von KI auch in der Schweiz an Bedeutung.
12 Millionen für Bug Bounty Switerland
Abraxas-Partner Bug Bounty Switzerland erhielt 12 Millionen Franken für die internationale Expansion seiner KI-gestützten Sicherheitsplattform.
Security bei Schweizer Verwaltungen
Cyberangriffe treffen Verwaltungen und Unternehmen
Die Walliser Gemeinde Vétroz musste nach einem Angriff der Gruppe Akira zentrale Verwaltungsdienste wiederherstellen. Das Westschweizer Radiologie-Netzwerk wurde erneut Opfer eines Cyberangriffs. Auch der Cyberangriff auf Salt sorgte schweizweit für Aufmerksamkeit.
Sicherheitslücken bei Seppmail sorgen für Diskussionen
Beim Schweizer E-Mail-Sicherheitsanbieter Seppmail wurden Schwachstellen entdeckt, die E-Mail-Fälschungen und Account-Übernahmen ermöglichen könnten. Betroffen sein könnten zahlreiche Unternehmen und Institutionen, darunter auch Organisationen mit kritischen Daten.
BACS verstärkt Warnungen und Hilfestellungen
Das Bundesamt für Cybersicherheit warnte mehrfach vor Phishing-Kampagnen, Vorschussbetrug sowie neuen Betrugsformen wie SMS-Blastern oder dem «Hallo Mami/Papi»-Betrug. Zusätzlich veröffentlichte das BACS ein Cyber-Notfallkonzept für KMU und erinnerte an die Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen.
Nationale Cyberstrategie zeigt Fortschritte
Der aktuelle Umsetzungsbericht zur nationalen Cyberstrategie attestiert Fortschritte bei der Zusammenarbeit von Behörden, Wirtschaft und Sicherheitsorganisationen. Schwerpunkte bleiben die Resilienz kritischer Infrastrukturen, die Förderung von Fachkräften und die internationale Zusammenarbeit im Cyberbereich.
Bund passt Informationssicherheitsgesetz an
Mehrere Fachmedien berichteten über Anpassungen am Informationssicherheitsgesetz. Ziel ist es, bestehende Lücken zu schliessen und die Anforderungen an den Schutz sensibler Informationen zu präzisieren. Hintergrund sind die verschärfte Bedrohungslage sowie die wachsende Bedeutung digitaler Sicherheitsstandards für Verwaltung und kritische Infrastrukturen.