Digitale Verwaltung in der Schweiz
Bund konkretisiert souveränen Arbeitsplatz
Eine Machbarkeitsstudie der Bundeskanzlei kam zum Schluss, dass ein Open-Source-basierter Arbeitsplatz für definierte Anwendungen der Bundesverwaltung grundsätzlich möglich ist. Ab Ende 2027 sollen rund 3000 Mitarbeitende aus besonders kritischen Geschäftsprozessen eine Lösung mit E-Mail, Kalender, Dokumenten, Präsentationen, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen nutzen können. Die Plattform soll parallel zu Microsoft 365 betrieben werden; für die erste Phase rechnet die Bundeskanzlei mit Kosten von rund neun Millionen Franken. Geprüft werden sowohl ein Eigenbetrieb von OpenDesk als auch Lösungen von Schweizer Anbietern.
Parlament verlangt Klärung der digitalen Souveränität
Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat eine Motion zur digitalen Souveränität angenommen. Der Bundesrat soll klären, welche digitale Infrastruktur die Schweiz künftig selbst kontrollieren will und wo Abhängigkeiten von internationalen Anbietern akzeptabel bleiben. Gefordert werden unter anderem eigene Infrastrukturen für KI und Cybersicherheit sowie gesetzliche Grundlagen. Damit wird digitale Souveränität stärker zu einer übergeordneten staatlichen Infrastrukturfrage.
Schaffhausen startet zentrale E-Gov-Plattform
Der Kanton Schaffhausen hat mit «Online Services» eine zentrale E-Government-Plattform gestartet. Zum Start stehen Bürgerinnen und Bürgern rund 200 digitale Dienstleistungen zur Verfügung. Der Kanton bündelt damit bisher verteilte Verwaltungsangebote auf einem gemeinsamen Zugang.
Obwalden und Nidwalden sistieren gemeinsames E-Gov-Portal
Die Kantone Obwalden und Nidwalden sowie ihre Gemeinden haben die Arbeiten am gemeinsamen E-Government-Portal vorerst gestoppt. Eine externe Fachperson soll nun Prozesse, Zielsetzungen und Projektorganisation überprüfen. Die Verantwortlichen kamen zum Schluss, dass insbesondere die Auswirkungen auf Prozesse und Zuständigkeiten sowie die organisatorische Komplexität unterschätzt worden waren. Ursprünglich war der Start für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen; ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Spreitenbach migriert in die Abraxas-Cloud
Die Gemeinde Spreitenbach hat Abraxas als Informatikpartnerin für die kommenden Jahre ausgewählt. Vorgesehen ist, die bestehende On-Premises-Infrastruktur mit Servern, Speicher, Netzwerk und verschiedenen Fachapplikationen in hochverfügbare Rechenzentren zu migrieren und anschliessend mindestens bis 2031 zu betreiben.
E-Collecting startet im Kanton St.Gallen
Seit dem 1. September können Stimmberechtigte im Kanton St.Gallen kantonale Initiativen und Referenden erstmals elektronisch unterzeichnen. Die von Abraxas entwickelte Plattform bildet den schweizweit ersten praktischen E-Collecting-Pilot. Vorerst dürfen höchstens 50 Prozent der erforderlichen gültigen Unterschriften elektronisch gesammelt werden; der Rest muss weiterhin auf Papier eingereicht werden. Sämtliche Unterschriften werden mit dem Stimmregister abgeglichen, was ungültige oder mehrfache Unterzeichnungen verhindern und die Gemeinden bei der Prüfung entlasten soll.
Neuenburg nimmt E-Voting wieder auf
Der Bundesrat hat dem Kanton Neuenburg die Teilnahme an den E-Voting-Versuchen bewilligt. Ein Teil der Auslandschweizer:innen sowie der Stimmberechtigten im Inland kann damit bei der Volksabstimmung im November elektronisch abstimmen.
Innovation
Uster macht KI zum strategischen Schwerpunkt
Bis 2029 will die Stadt Uster in mehreren Verwaltungsbereichen praktische Erfahrungen mit KI sammeln. Damit wird KI nicht als einzelnes Pilotprojekt behandelt, sondern in die längerfristige Entwicklung der digitalen Verwaltung eingebettet.
Zürich legt KI-Einsatz im Gesundheitsbereich offen
Der Zürcher Stadtrat hat erstmals detailliert aufgezeigt, welche KI-Systeme im Gesundheits- und Umweltdepartement eingesetzt werden. Im Stadtspital kommen Anwendungen für medizinische Bildgebung, Operationsvorbereitung und Forschung zum Einsatz; weitere Systeme für Gesprächsdokumentation, medizinische Codierung und Sturzprävention werden geprüft. Im Umwelt- und Gesundheitsschutz ist zudem der von Abraxas entwickelte «Züri-Bot» für Fragen zu Heizungsersatz und energetischer Sanierung im Einsatz.
Bund setzt auf eigene KI-Plattform KOBY
Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation betreibt mit KOBY eine eigene KI-Plattform in den Rechenzentren des Bundes. Die Lösung basiert auf Open-Source-Sprachmodellen und ermöglicht die Verarbeitung von Informationen bis zur Klassifizierungsstufe «vertraulich». Damit schafft das BIT eine kontrollierte Alternative zu öffentlich zugänglichen KI-Diensten für sensible Verwaltungsaufgaben.
Aargau fordert Open-Source-Offensive
Der Aargauer Grosse Rat hat drei Postulate zur digitalen Souveränität überwiesen. Gefordert werden unter anderem eine Open-Source-Offensive und eine Strategie zur digitalen Souveränität. Parallel dazu wird Open Source auch in konkreten Projekten verbindlicher: Bei einer neuen Middleware für den Datenaustausch zwischen Steuerbehörden und dem Bundesamt für Sozialversicherungen ist Open Source vorgeschrieben.
DigiSanté soll nach Open-Source-Prinzip aufgebaut werden
Beim Digitalisierungsprogramm DigiSanté soll Open Source stärker verankert werden. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat einem «Community-Ansatz» zugestimmt. Damit soll das Grossprojekt im Gesundheitswesen nicht ausschliesslich auf proprietäre Lösungen setzen, sondern stärker gemeinschaftlich entwickelt werden
Security bei Verwaltungen
Bund plant eigenständiges Cybersicherheitsgesetz
Der Bundesrat will die bislang auf verschiedene Vorhaben verteilten Regeln zur Cybersicherheit in einem neuen Bundesgesetz bündeln. Das VBS soll bis Juni 2027 eine Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten. Vorgesehen sind Anforderungen an Hersteller, Importeure und Händler digitaler Produkte, Regeln zum Schutz besonders wichtiger digitaler Daten sowie Pflichten für Hosting- und Cloud-Anbieter. Auch die seit April 2025 geltende Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen soll in das neue Gesetz überführt werden.
Kanton Bern verschärft Regeln für Informations- und Cybersicherheit
Im Kanton Bern treten am 1. November das Gesetz über die Informations- und Cybersicherheit und die zugehörige Verordnung in Kraft. Behörden müssen den Schutzbedarf von ICT-Mitteln künftig einem von vier Schutzniveaus zuordnen; für die höheren Stufen sind Sicherheits- und Datenschutzkonzepte vorgeschrieben. Cyberangriffe und Sicherheitsvorfälle müssen innert 24 Stunden gemeldet werden, bei betroffenen Personendaten gilt eine Frist von 72 Stunden. Für Gemeinden gelten die Grundsätze teilweise ebenfalls, insbesondere wenn sie mit Informationen oder Applikationen von Kanton oder Bund arbeiten.
E-ID wird wegen zusätzlicher Sicherheitsmassnahmen später eingeführt
Der Bund verstärkt die Sicherheitsmassnahmen für den Online-Ausstellungsprozess der E-ID. Zusätzliche technische Vorkehrungen sollen unter anderem das Einschleusen von Schadsoftware erschweren und die Erkennung von Deepfakes verbessern. Zum Sicherheitskonzept gehören ausserdem Open Source, Penetrationstests und Bug-Bounty-Programme. Wegen der zusätzlichen Arbeiten wurde die Einführung der E-ID verschoben.
Post-Quantum-Kryptografie rückt auf die Agenda
Der Ständerat hat einer Forderung zugestimmt, die Bundesverwaltung auf quantensichere kryptografische Verfahren vorzubereiten und schrittweise umzustellen. Bereits zuvor hatte der Bundesrat eine entsprechende Roadmap befürwortet.
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