E-Government-Briefing August 2026

Mehr Nutzer:innen bei AGOV, neue KI-Initiativen und mehrere prominente Cyberfälle: Auch im August zeigt sich die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vielseitig. Die wichtigsten Entwicklungen aus Bund, Kantonen und Gemeinden im Überblick.

Von Samuel Näf · 28. August 2026

Digitale Verwaltung in der Schweiz

Neue Schulverwaltungslösung im Kanton Aargau
Mit dem Aargau setzt ein weiterer Kanton auf eine einheitliche Schulverwaltungslösung. Diese wird ab Schuljahr 2026/27 eingeführt. Ziel sei die «kantonsweite Förderung und Vereinfachung des Datenaustausches zwischen Schulen untereinander sowie mit dem Kanton», schreibt der Kanton in einer Mitteilung. 

«Digitale Souvernität heisst nicht Autarkie»
Im Interview mit dem Leader betonen Raphael Mettan, Leiter ITS und Mitglied der Geschäftsleitung von Abraxas, und Franziska Ryser, KI-Consultant bei Abraxas, Digitale Souveränität bedeute nicht vollständige Unabhängigkeit, sondern Kontrolle über Abhängigkeiten und die Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben. Besonders für Verwaltungen sind Transparenz, Datenhoheit und Alternativen bei kritischen Systemen zentral – etwa mit Blick auf Cloud-Dienste und KI-Modelle internationaler Anbieter. Abraxas setzt bei souveräner KI deshalb auf Betrieb und Datenverarbeitung in der Schweiz. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an IT-Führungskräfte: Neben Technik und Kosten rücken Resilienz, Compliance, Datenschutz und die langfristigen Folgen technologischer Abhängigkeiten stärker in den Fokus. Zum vollständigen Interview

Zwei Millionen AGOV-Nutzer:innen
Das Behörden-Login AGOV zählt mittlerweile rund zwei Millionen Nutzer:innen und wird von 14 Kantonen angeboten. Im Zuge der Ablösung des bisherigen CH-Logins sollen bis Ende 2027 weitere rund 2.7 Millionen Konten auf AGOV wechseln. Bis Ende 2026 ist zudem vorgesehen, die App auch für alternative, Android-basierte Betriebssysteme zu öffnen und eine Installation unabhängig vom offiziellen App-Store zu ermöglichen.

Stärkere Aufsicht über kantonale ICT
Die Berner Finanzkommission will die Steuerungs- und Aufsichtsfunktion des Amts für Informatik und Organisation weiter stärken. Das Amt soll bei ICT-Entscheiden stärker konsultiert werden, jedoch ohne Vetorecht; vorgeschlagen wird auch eine Anpassung des Gesetzes über die digitale Verwaltung.

Abraxas bleibt ICT-Partner von Sirnach
Nach einer Ausschreibung hat die Thurgauer Gemeinde Sirnach ihr ICT-Outsourcing erneut an Abraxas vergeben. Der Auftrag umfasst Betrieb, Unterhalt und Support sowie künftig M365 und Teams. 

Neue Software für Aargauer Gefängnisse
Der Kanton Aargau ersetzt die bisherige Geschäftsverwaltungssoftware für seine Gefängnisse und Justizvollzugsanstalten. Für die neue Lösung sind über zehn Jahre rund fünf Millionen Franken vorgesehen; der Regierungsrat beantragt dafür einen entsprechenden Verpflichtungskredit. Die Einführung soll spätestens Mitte 2029 abgeschlossen sein und umfasst auch Tests zur Informationssicherheit.

KI sorgt für Mehraufwand bei Gerichten
Gerichte in Basel-Stadt und im Thurgau berichten von zusätzlicher Arbeit durch KI-gestützte Eingaben. Insbesondere Laien reichen damit vermehrt umfangreiche, teils wenig fundierte Schriftsätze ein, mit deren Argumenten sich die Gerichte dennoch auseinandersetzen müssen. Für die Verfahrensbeteiligten birgt dies ebenfalls Risiken: KI kann aussichtslose Klagen nahelegen oder bestehende Ansichten bestärken – verantwortlich für Inhalt, Folgen und Kosten einer Eingabe bleiben jedoch die Nutzer:innen selbst.

Thurgau testet digitale Echtheitsprüfung von Betreibungsregisterauszügen
Als erster Kanton versieht der Thurgau Betreibungsregisterauszüge mit einem QR-Code, über den sich deren Echtheit überprüfen lässt. Der Pilot startete im Bezirk Arbon und soll bei erfolgreichem Verlauf Ende August auf alle Bezirke ausgeweitet werden. Das Thema hat nationale Relevanz, da eine Echtheitsprüfung künftig auch beim eidgenössischen Betreibungsregisterauszug vorgesehen ist.

Bundesgericht setzt Grenzen für automatisierte Polizeiarbeit
Das Bundesgericht hat Teile des Berner Polizeigesetzes aufgehoben. Die automatisierte Fahrzeugfahndung darf erst eingesetzt werden, wenn die sofortige Löschung von Daten zu Fahrzeugen ohne Treffer gewährleistet ist; auch die Regelung zum Bodycam-Einsatz muss angepasst werden.

Innovation

KI für die öffentliche Verwaltung
Ostschweizer Kantone und Liechtenstein haben über 120 mögliche KI-Anwendungsfälle für Verwaltungen identifiziert. Der Kanton St. Gallen und seine Gemeinden erarbeiten nun bis Anfang 2027 gemeinsam mit Abraxas ein Programm für die organisatorischen, technischen und rechtlichen Voraussetzungen eines sicheren und verantwortungsvollen KI-Einsatzes.

ETH eröffnet KI-Campus in Deutschland
Die ETH Zürich baut in Heilbronn einen permanenten Forschungs- und Ausbildungsstandort mit 15 Professuren auf. Im Zentrum stehen KI, Datenwissenschaft, Cybersicherheit und verantwortungsvolle Digitalisierung.

Gibt es künftig ein Mitnahmerecht für E-Mail-Adressen?
Der Bundesrat lehnt eine vertiefte Prüfung eines gesetzlichen Mitnahmerechts für providergebundene E-Mail-Adressen ab. Er verweist auf technische, rechtliche und wirtschaftliche Hürden sowie mögliche Risiken für die Cybersicherheit. Der Initiant des Vorstosses hält dagegen, dass zumindest Alternativen wie eine Weiterleitung oder die kostenpflichtige Weiterführung bestehender Adressen geprüft werden sollten.

Security bei Verwaltungen

Mit KI gegen Phishing
Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) erhält rund eine Million Phishing-Meldungen pro Jahr und setzt KI für deren Voranalyse ein; die abschliessende Beurteilung erfolgt durch Mitarbeitende. Bestätigte Fälle werden an Anbieter:innen und betroffene Unternehmen weitergegeben, damit Seiten gesperrt und Kund:innen gewarnt werden können.

Sharepoint-Angriff auf Bund und Kanton Graubünden
Das BIT bestätigte einen Cyberangriff, bei dem rund 200 Sharepoint-Konten kompromittiert wurden. Daten seien nicht abgeflossen. Auf der SharePoint-Plattform dürfen keine vertraulichen Informationen oder besonders schützenswerte Personendaten gespeichert werden. Die Schwachstellen in der Software wurden behoben. Der externe Zugang ist inzwischen geschlossen, die Server neu aufgesetzt. Auch der Kanton Graubünden war von einem Angriff via Sharepoint-Sicherheitslücke betroffen. Fachapplikation und weitere Teile der Infrastruktur waren nicht betroffen. Auch einen Datenabfluss gab es laut Mitteilung nicht.

Angriff auf das Fürstentum Liechtenstein
Ein unbekannter Angreifer hat Daten von 31'000 Firmen, Gesellschaften und Stiftungen aus dem Register wirtschaftlich Berechtigter gestohlen. Den unbefugten Zugriff machte eine fehlerhafte Logik bei der Berechtigungsprüfung möglich. Künftig soll daher die E-ID der Verifizierung von Benutzerkonten und der Identitätsprüfung vorgeschaltet werden. Ebenso werden die Überwachungs- und Erkennungsmechanismen ausgebaut.

RUAG-Lösegeldzahlung war rechtmässig
Der Bund kommt zum Schluss, dass die Lösegeldzahlung der RUAG nach dem Ransomware-Angriff auf ihre US-Tochter rechtlich zulässig war. Gleichzeitig kritisiert er die Kommunikation und die ungenügende Berücksichtigung reputationsbezogener Folgen. RUAG soll ihre Schutzmassnahmen gemeinsam mit dem Bundesamt für Cybersicherheit überprüfen; der Bund rät weiterhin generell von Lösegeldzahlungen ab.

Cyber-Kompetenzzentrum für Zug
Der Kanton Zug plant ab 2027 ein Kompetenzzentrum für Cybersicherheit mit zehn Vollzeitstellen. Vorgesehen sind ein Kredit von 34.2 Millionen Franken, Unterstützung für Bevölkerung und KMU sowie Kooperationen unter anderem mit HSLU, ETH, BACS, NTC und der Zuger Polizei.

Bund vereinheitlicht Informationssicherheit
Die Bundesverwaltung meldet Fortschritte bei der Umsetzung des Informationssicherheitsgesetzes. Mit «Digisec» soll ein einheitliches Informationssicherheitsmanagementsystem für die Bundesverwaltung entstehen. Handlungsbedarf besteht unter anderem weiterhin bei der Harmonisierung von Prozessen, beim Lieferantenmanagement und bei der Ablösung veralteter Systeme.

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