Marcel Rotach, Leiter der Notruf- und Einsatzleitzentrale, und Martin Gächter, Leiter Technik & Logistik bei der Kantonspolizei St. Gallen, sprechen über die neue Einsatzzentrale im Lerchenfeld, die technische Modernisierung und die Zusammenarbeit mit Abraxas. (Video: Samuel Näf)
Ein Notruf lässt keine Pause zu. Wenn jemand die 117, 118, 144 oder 112 wählt, muss innert Sekunden klar sein, was passiert ist, wo Hilfe gebraucht wird und welche Organisation ausrücken muss. In der Notruf- und Einsatzleitzentrale der Kantonspolizei St. Gallen im Lerchenfeld laufen diese Informationen zusammen. Von hier aus werden Einsätze über mehrere Kantone hinweg koordiniert.
Seit Mai 2025 arbeitet die Kantonspolizei St.Gallen mit dem neuen Einsatzleitsystem. Es unterstützt die Disponent:innen bei der Notrufbearbeitung und Einsatzleitung und ersetzt eine Infrastruktur, die an ihre Grenzen gekommen war. «Das alte System war End-of-life», sagt Marcel Rotach, Leiter der Notruf- und Einsatzleitzentrale. Gleichzeitig waren die Platzverhältnisse am bisherigen Standort zu eng geworden.
Mehr Raum, mehr Licht, neue Technik
Der Umzug ins Einkaufszentrum Lerchenfeld ist zwar als Übergangslösung angelegt. Für den Betrieb ist sie dennoch vollwertig. Die neue Zentrale bietet mehr Platz, Tageslicht und eine moderne Arbeitsumgebung. Für Martin Gächter, Leiter Technik & Logistik, war das ein zentraler Punkt: Nach 25 Jahren unterirdischem Arbeiten sei es wichtig gewesen, eine helle, oberirdische Infrastruktur zu schaffen.
Die Arbeit der Disponent:innen bleibt im Kern dieselbe: zuhören, einordnen, entscheiden, koordinieren. Verändert hat sich das Umfeld, in dem sie diese Arbeit leisten. «Wann fühlt man sich wohl? Wenn das Umfeld stimmt», sagt Gächter. Genau das sei in der neuen Zentrale der Fall.
«Wann fühlt man sich wohl? Wenn das Umfeld stimmt.»
«Es war sehr wertvoll, dass wir das Know-how von Abraxas nutzen durften.»
Das Wappen der integrierten Notrufzentrale
Das Wappen im Eingangsbereich der neuen Einsatzzentrale symbolisiert die Zusammenarbeit der Blaulichtorganisationen. Oberhalb des Schilds stehen die vier Notrufnummern 112, 117, 118 und 144. Im Zentrum verweisen gekreuzte Feuerwehrbeile, das Polizeischwert und die Schlange der Rettungsdienste auf die beteiligten Organisationen. Unterhalb des Wappens stehen die Kantonswappen von St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und Glarus sowie das Wappen der Stadt St. Gallen: ein Hinweis auf die interkantonale Zusammenarbeit der integrierten Notrufzentrale.
Abraxas verantwortet innerhalb der Gesamtlösung zentrale Infrastruktur- und Betriebsleistungen für die Kantonspolizei St. Gallen, für die Stadtpolizei St. Gallen und die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden. Neben der Einsatzleitzentrale (ELZ) im Lerchenfeld mit 20 Disponentenarbeitsplätzen wurden auch die ELZ der Stapo SG (in St. Gallen) und die ELZ der Kapo AR (in Herisau) auf die neue Lösung migriert.
Die Technik, die nicht auffallen darf
Was vorne an den Disponentenarbeitsplätzen sichtbar ist, funktioniert nur mit einer komplexen Infrastruktur im Hintergrund. Abraxas verantwortet zentrale Betriebsleistungen rund um Server, Datenbanken, Virtualisierung, Netzwerkkomponenten, Monitoring, Service Management und die technischen Arbeitsplätze.
Die Architektur ist auf Verfügbarkeit ausgelegt: Die Backend-Systeme sind über zwei Rechenzentren in Gais und Gossau aufgebaut, zentrale Komponenten redundant ausgelegt. Dazu gehören unter anderem ein hochverfügbarer SQL-Cluster, Backup-Mechanismen, Monitoring sowie gesicherte Client-Umgebungen. Das Ziel: Die Systeme müssen rund um die Uhr stabil, sicher und verfügbar sein.
Eingespielte Zusammenarbeit
Das Einsatzleitsystem OnCall stammt vom Generalunternehmer Hexagon. Abraxas brachte als Infrastruktur- und Betriebspartner insbesondere Know-how für Hardware, Rechenzentren und den Aufbau der technischen Systemlandschaft ein. Die klare Rollenverteilung war entscheidend, denn an ÜL-NEZ sind mehrere Organisationen und Lieferanten beteiligt.
Marcel Rotach beschreibt die Zusammenarbeit mit Abraxas als partnerschaftlich und verlässlich. Besonders wertvoll sei das Know-how im Aufbau der Systemkomplexität und in den Rechenzentren gewesen. Auch Martin Gächter spricht von einer bewährten, eingespielten Zusammenarbeit.
Ein stiller Erfolg
Bei kritischer Infrastruktur zeigt sich Erfolg oft daran, dass nichts auffällt. Der Go-live verlief planmässig. Die ersten Notrufe konnten ohne Hektik im neuen System entgegengenommen werden. Für Rotach ist das Resultat entsprechend erfreulich: Die neue Zentrale biete moderne Arbeitsplätze und unterstütze die Mitarbeitenden zuverlässig bei der Notrufbearbeitung und Einsatzleitung.
Am Ende geht es nicht um Server, Monitore oder Schnittstellen. Es geht darum, dass Hilfe ankommt, wenn Menschen sie brauchen. Dafür arbeiten vorne Disponent:innen unter hoher Verantwortung. Und im Hintergrund arbeiten Systeme, die jederzeit funktionieren müssen.