Sound ohne Seele?

Mit KI wird Musik zum beliebig produzierbaren Datenstrom.

Von Samuel Näf · 16. April 2026

Ein neues Jazz-Album im Mai, eine Electro-Single im Juni und eine Hardrock-EP im August – alle vom selben Künstler: KI-Tools wie Suno oder Mureka generieren auf Knopfdruck Songs in allen möglichen Genres. Damit ermöglichen sie es auch Personen ohne musikalische Ausbildung, «eigene» Werke zu schaffen. Was beim Geburtstag des Onkels noch für Lacher und Beifall sorgt, wird für Künstler:innen schnell zum Problem. Denn dieser AI Slop (oder KI-Matsch) flutet auch Streamingplattformen.

2025 sorgte eine Band im 70ies-Stil für Furore: The Velvet Sundown mit ihrem Lo-Fi-Cowboy-Rock. Wochenlang wurde in den Medien gerätselt, debattiert und nach Spuren gesucht. Der Verdacht: Es handle sich um eine komplett KI-generierte Band. Nach ersten Dementi gaben die Macher zu, die Band existiere nicht. 

The Velvet Sundown sind nur die Speerspitze: Auf Plattformen wie Spotify oder Apple Music erscheinen täglich Tausende KI-Songs. Der Trend könnte Branchen-Primus Spotify sogar recht kommen: Die Plattform hat bereits vor längerer Zeit damit begonnen, Instrumental-Tracks in beliebten Playlists durch tantiemenfreie Musik sogenannter «Ghost Artists». Davon profitiert der Streaming-Gigant finanziell. Andere Anbieter wie Bandcamp haben KI-generierte Musik ganz verbannt, Deezer weist sie immerhin explizit aus.

Was bleibt von der Musik, wenn wir auf Knopfdruck unlimitiert Songs erzeugen? Originalität? Zumindest zweifelhaft. Oder setzt ein Gegentrend hin zur «handgemachten» Musik ein? Ein Trend zum Unperfekten?

Und The Velvet Sundown? Die KI-Band zählt nach wie vor über 150'000 monatliche Hörer:innen auf Spotify…

 

Weiterführende Informationen

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Mehr zum Case rund um The Velvet Sundown: