Security-Briefing August 2026: KI-Modelle mutieren zu Hackern

KI-Agenten haben zum ersten Mal ihre Gefährlichkeit bewiesen und fordern IT-Betreiber zu neuen Sicherheitsarchitekturen heraus. Weitere Themen unter anderem: Angriffe auf das Fürstentum Liechtenstein, das Bundesamt für Informatik (BIT) und kritische Infrastrukturen in den USA.

Von Bruno Habegger · 14. August 2026

Auf der Black-Hat-Konferenz präsentierten zwei Mitarbeiter von OpenAI erschreckende Details zum Angriff ihrer KI-Agenten auf die KI-Plattform Hugging Face. Bei einem Test der Fähigkeiten neuester KI-Modelle hatten diese autonom im Schwarm mit anderen Agenten eine Attacke auf die Infrastruktur der Plattform orchestriert. Bei mindestens vier weiteren Onlinediensten kompromittierten sie Nutzerkonten.

Der Vortrag zeigte auf, wie sich die KI-Agenten über einen längeren Zeitraum austauschten und im Schwarm den Angriff entwickelten. Sie umgingen und ignorierten die Sicherheitsvorgaben ihrer Betreiber. Hugging Face dokumentierte den Angriff selbst in allen technischen Details – sogar mit einer Simulation.

OpenAI bemerkte das Treiben lange nicht – auch nicht, dass die KI-Agenten plötzlich begannen, Ziele im Internet anzugreifen. Laut einem der OpenAI-Forscher braucht es nun Investitionen in die automatisierte Verteidigung. Das Unternehmen ist nun vorsichtiger: Ein neues Modell namens Astra soll deshalb vorerst nicht veröffentlicht werden.

Ob es zu einem Umdenken in der Branche führt? Auch die Modelle von Anthropic und Meta hacken sich im Rahmen von Sicherheitstests der Firmen durchs Netz, verschicken sogar Phishing-E-Mails. Tim Hudson, Präsident der OpenSSL Corporation fordert Konsequenzen: Es werde zu wenig über den Aufbau intelligenterer Sicherheitsarchitekturen gesprochen. Wer einen autonomen Agenten mit dem Internet verbinde, müsse davon ausgehen, dass dieser jede erreichbare Schwachstelle ausnutzen werde, wenn dies seinem Ziel entspreche. ETH-Forscher Arthur Laudrain warnt im Gespräch mit «Blick», Regierungen müssten aktiver werden: «Das KI-Zeitalter verzeiht keine Sicherheitslücken in der Digitalisierung.»

Cyberangriffe

Attacke auf das Fürstentum Liechtenstein
Ein unbekannter Angreifer hat Daten von 31'000 Firmen, Gesellschaften und Stiftungen gestohlen. Das «Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen» (VwbP) soll Geldwäsche verhindern. Es gab bisher keine Lösegeldforderungen. Die Daten (Namen, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Wohnsitzstaat) sind noch nicht im Darknet aufzufinden. Die Täterschaft ist unbekannt. Der Angriff ist laut Mitteilung des Fürstentums «auf hohem technischen Niveau» erfolgt. Die Täter haben nach Einrichtung eines Logins unbemerkt über Stunden die Datensätze einzeln heruntergeladen. Mehrere Systeme wurden zeitweise vorsorglich vom Netz genommen und geprüft. Betroffene Personen sind über die Datenschutzverletzung informiert worden.
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Sharepoint-Angriff auf Bundesamt für Informatik und Kanton Graubünden
Das BIT bestätigte einen Cyberangriff, bei dem rund 200 Sharepoint-Konten kompromittiert wurden. Daten seien nicht abgeflossen. Auf der SharePoint-Plattform dürfen keine vertraulichen Informationen oder besonders schützenswerte Personendaten gespeichert werden. Die Schwachstellen in der Software – seit Mitte Juli bekannt – wurden behoben. Der externe Zugang ist inzwischen geschlossen, die Server neu aufgesetzt. Auch der Kanton Graubünden war von einem Angriff via Sharepoint-Sicherheitslücke betroffen. Fachapplikation und weitere Teile der Infrastruktur waren nicht betroffen. Auch einen Datenabfluss gab es laut Mitteilung nicht. CERT-EU empfiehlt, Microsoft Sharepoint-Server nicht direkt mit dem Internet zu verbinden.
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Cyberangriffe auf Wasserwerke in den USA
Kriminal- und Umweltbehörden in den USA sehen eine Welle von Cyberangriffen auf die Steuerungen von Wasserwerken. Mindestens 30 Anlagen sind laut Medienberichten betroffen. Verdächtigt wird der Iran. Die Angreifer sollen vor allem die programmierbaren Steuergeräte von Rockwell Automation ins Visier nehmen. Sie verschaffen sich Fernzugriff auf ungeschützte Steuerungen und ändern IP-Adressen und Passwörter. Es ist laut dem FBI bereits zu Druckabfällen im Leitungsnetz gekommen.
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Hacker verärgert – Grundbuchdatenbank Rumäniens gelöscht
Ein Cyberkrimineller hat den gesamten Immobilienmarkt Rumäniens zum Stillstand gebracht. Seit Wochen sind alle offiziellen Dienste der Behörden offline. Beurkundungen sind nicht mehr möglich, ebenso alle anderen Rechtsgeschäfte in Bezug auf Immobilien. Der Angreifer war zunächst mit einem Erpressungsversuch gescheitert, nachdem er sich mit gültigen Zugangsdaten in den IT-Systemen der Katasterbehörde ANCPI herumtrieb. Er war darüber so sauer, dass er alle Daten und Backups löschte. Laut dem Cybersicherheitsunternehmen KELA steckt ein algerischer Krimineller hinter dem Angriff, der sensible Daten unter anderem von Regierungen verkauft. Anfang August wurde denn auch sein nächster Angriff bekannt: Er hackte laut Risky Business die Systeme der Finanzverwaltung Ungarns, verschlüsselte Server und griff Daten ab. Er nutzte eine seit 2017 gefixte Lücke in Oracle Weblogic aus. Immerhin löschte er diesmal nichts.
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Data Breach & Datenschutz

Westschweizer Behördendaten liegen offen
Die Ransomware-Bande BravoX hat sensible Daten von Westschweizer Gemeinden veröffentlicht. Das Datenpaket im Umfang von 222 GB steht im Darknet. Laut Le Temps handelt es sich um 100'000 Dokumente und Dossiers mit Daten zu Unternehmen, Gemeinden und Personen. Insgesamt 15 Gemeinden sind betroffen, ebenso der Waadtländer Staatsrat Vassilis Venizelos (Grüne).
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Schweizer Überwachungskameras live im Internet
Überwachungskameras sind oft direkt mit dem Internet verbunden. Das ist bequem für die Betreiber, problematisch für den Datenschutz. SRF-Reporter haben über eine spezielle Suchmaschine 75 private Überwachungskameras gefunden, die live ins Internet senden. Für alle einsehbar und manipulierbar ohne Login und weitere Sicherheitsmerkmale. Der Datenschutz regelt aber klar: Der Zugriff auf die privaten Bilder muss eingeschränkt werden.
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Kundendaten bei IWB gestohlen
Einem Dienstleister des Basler Energieversorgers IWB sind bei einem digitalen Einbruch 30'000 Kundendaten gestohlen worden. Die Datenschutzbeauftragte sieht kein grösseres Problem; die Daten könnten kaum missbraucht werden. Es handelt sich nach Angaben der IWB um rund 40'000 Namen und Adressen von Kundinnen und Kunden sowie technische Angaben zu IWB-Energiezählern.
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Persönliche Daten von über 100'000 britischen Polizisten veröffentlicht
Eine Hackergruppe namens Exfilsquad hat fast zwei GB an Daten aus der britischen National Legal Database (PNLD) gestohlen. Darunter befinden sich Kontaktdaten von mehr als 100'000 Polizist:innen und Personal von Strafverfolgungsbehörden. Der Betreiber der Datenbank bestätigte den Vorfall.
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Hintergrund

ZHAW erforscht Entscheidungen bei Cyberangriffen
Das Projekt «Understanding the Decision-Making of Experienced Incident Responders during Critical Cyberattacks on Swiss Organizations» der ZHAW School of Management and Law untersucht, welche Entscheidungen erfahrene Incident Responder während realer Cybervorfälle treffen – und wie sie dabei vorgehen. Grundlage sind Fallstudien realer Angriffe. Das Projekt nutzt den Ansatz des Naturalistic Decision Making, der sich in anderen Hochrisikobereichen wie der Feuerwehr oder der Notfallmedizin bewährt hat.
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BSI veröffentlicht Prüfkatalog für KI
Die als Entwurf vorliegende standardisierte Prüfarchitektur «AI Audit and Assurance Assessment Architecture» (A5) des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll Unternehmen dabei unterstützen, regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act nachvollziehbar und prüfbar umzusetzen. Damit ist die Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen systematisch bewertbar.
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Schwachstellen

Microsofts Monster-Patchsammlung
Sage und schreibe 622 Schwachstellen hat Microsoft mit dem letzten Patchday geschlossen. Einige davon sind als sehr kritisch eingestuft worden. Mit 416 Lücken ist das Betriebssystem Windows Spitzenreiter, dahinter folgen Microsoft Office, der Browser Edge, Sharepoint-Server und Azure. Den grössten Teil der Lücken hat das KI-System MDash vor den Hackern gefunden. Es orchestriert mehr als 100 KI-Agenten auf der Suche nach Sicherheitslücken. Das interne Tool soll dereinst auch Kunden zugänglich gemacht werden.
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Forscher finden Azure-Cosmos-Masterkey
Sicherheitsforscher von Wiz haben eine kritische Schwachstelle im Azure Cosmos DB Datenbankdienst aufgedeckt. Angreifer hätten darüber an einen Cosmos-Masterkey gelangen können, mit Vollzugriff auf die Datenbanken aller Nutzenden. Damit hätten Angreifer präzise Informationen für Attacken auf Plattformebene erhalten. Microsoft hat die Schwachstelle inzwischen geschlossen und den Masterkey entfernt.
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Windows Hello for Business mit Schwächen
Laut einem neuen Bericht des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik BSI enthält Windows Hello for Business einige Schwachstellen. Mit dem Anmeldeverfahren können sich Nutzende mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sowie mit einem PIN anmelden. Im schlimmsten Fall könnten Angreifer bei physischem Zugriff dem System eigene biometrische Daten unterjubeln und sich anmelden. Das BSI empfiehlt, anstelle von PINs einen Passkey zu verwenden.
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Cisco warnt vor Backdoor in Firewall-Verwaltung
In der Firewall-Verwaltungssoftware FMC von Cisco besteht eine Backdoor, die aktiv ausgenutzt wird. Die Sicherheitslücke wird als mittelschwer eingestuft, weil der Angreifer nicht vollen Zugriff erlangt. Cisco warnt, dass sich dennoch potenziell vertraulichen Daten stehlen lassen und stuft die Kritikalität selbst als hoch ein. Admins müssen jetzt handeln.
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Exploit zum Kapern von Windows-Domänen
«Certighost» ermöglicht Angreifern innerhalb von Windows-Domänen weitreichende Zugangsrechte. Ein Fix ist seit dem letzten Patchday von Microsoft verfügbar. Die Schwachstelle CVE-2026-54121 wird als kritisch eingestuft. Angreifer können die Zertifikatsausstellung manipulieren, um sich als Domänencontroller auszugeben.
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Bruno Habegger

Über Bruno Habegger

Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.