E-Government-Briefing Januar 2026

Kantone lancieren neue Web-Steuerdeklaration, St. Gallen schafft Amt für Daten und Statistik, Bund und Kantone wollen föderale Zusammenarbeit fördern und das hohe Potenzial von KI. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.

Von Samuel Näf · 27. Januar 2026

Der monatliche Rückblick mit den wichtigsten Entwicklungen bei der Digitalisierung von Schweizer Gemeinden, Städten, Kantonen und dem Bund.

Digitale Verwaltung in der Schweiz

Web-Deklarationslösungen in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Luzern und Aargau
Neues Jahr, neue Steuererklärung: Immer mehr Kantone setzen dabei auf eine Web-Deklarationslösung anstelle einer auf dem Client installierten Offline-Software. So ist im Kanton St. Gallen die Deklaration per Web-App im Browser seit diesem Jahr möglich. Auch die Kantone Zürich, Luzern und Aargau lösen ihre bisherige Offline-Deklarationssoftware ab. Teilweise braucht es dazu ein AGOV-Login, um den Online-Service zu nutzen. Im Kanton Aargau führt die Einführung der Weblösung zu Diskussionen: Der Login über AGOV werde als zu komplex wahrgenommen, so die Kritik auf politischer Ebene. Die Debatte zeigt exemplarisch, wie entscheidend die Nutzerfreundlichkeit für die Akzeptanz digitaler Verwaltungsleistungen ist.

 

Baselland macht weiteren Digitalisierungsschritt bei Quellensteuer
Der Kanton Basel-Landschaft führt ab sofort die E-Quellensteuer ein. Diese ersetzt die bisherige elektronische Formularlösung. Die neue Lösung stelle eine einheitliche Datenqualität sicher. Ebenso entfallen manuelle Arbeitsschritte für Nutzer:innen, so die Finanzdirektion.

 

Digitale Baubewilligungen im Kanton Aargau
Im Kanton Aargau sind bereits 34 Gemeinden beim elektronischen Baubewilligungsprozess an Bord. Bis in sechs Monaten sollen es 60 Gemeinden und Städte sein, in denen der gesamte Prozess digital bearbeitet werden kann. Wie in anderen Kantonen bildet eine Standardsoftware die Basis des Digitalisierungsprojekts.

 

Pilotphase für eBau im Kanton Thurgau
Auch der Kanton Thurgau digitalisiert seine Baugesuche. Er ist aber noch nicht ganz so weit wie der Kanton Aargau. Nach einer mehrjährigen Planungs- und Testphase können in der Pilotgemeinde Amlikon-Bissegg die ersten digitalen Gesuche gestellt werden. Weitere Pilotgemeinden sollen noch 2026 folgen.

 

E-ID als Basis für Erotikinhalte im Internet
Zwei Vorstösse im Nationalrat fordern, dass Erotikangebote im Internet nur noch mit Altersverifikation via E-ID zugänglich sein sollen. Ziel sei es, den Jugendschutz zu verbessern. Mit der E-ID wäre es theoretisch zwar möglich, ausschliesslich das Alter datensparsam zu verifizieren. Trotzdem sehen E-ID-Gegner:innen ihre Befürchtungen bestätigt und warnen vor Massenüberwachung.

 

Kanton St. Gallen schafft Amt für Daten und Statistik
Die Fachstelle für Statistik wurde per Januar 2026 in ein neues Amt für Daten und Statistik umgewandelt. Der Schritt sei unter anderem nötig geworden, da vermehrt auch datenstrategische und technologische Fragestellungen aufgekommen seien. Auch die Nutzbarkeit von Daten für künftige KI- oder Machine-Learning-Anwendungen soll das neue Amt vorantreiben.

 

Prototyp der Bundesrats-App steht
Um für Krisenfälle besser gewappnet zu sein und Desinformation vorzubeugen, hat der Bundesrat eine eigene Informations-App für Mobilgeräte angekündigt. Nun steht der Prototyp. Dieser werde vor der Veröffentlichung noch weiterentwickelt, berichtet SRF. Doch die App steht seit ihrer Ankündigung in der Kritik: Einige kritisieren, dass es dafür neben der Alertswiss-Anwendung und diversen anderen Bundes-Apps nochmals eine zusätzliche Applikation benötigt, andere sorgen sich um die Informationsmacht, die der Bundesrat damit erhält.

 

IT-Umstellung beim SECO gefährdet Auszahlungen an Arbeitslose
Der zeitweise Ausfall der vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO betriebenen Plattform Job-Room.ch hat Bedenken hinsichtlich der reibungslosen Auszahlung der Taggelder durch Schweizer Arbeitslosenkassen im Januar ausgelöst. Über die Plattform reichen Arbeitslose die für die Auszahlung vorausgesetzten Dokumente ein. Wie verschiedene Medien berichten, hängt der Ausfall mit der Einführung des neuen Auszahlungssystems «Asal 2.0» zusammen.

 

Zürich prüft Alternativen zu Microsoft
Seit 2019 haben sich die Lizenzkosten für Microsoft-Lösungen vervierfacht. Ebenso wächst der politische Druck aufgrund der Abhängigkeiten und Fragen rund um den Datenschutz. Deshalb prüft die Stadt Zürich Alternativen. Ein kurzfristiger Ausstieg gilt jedoch als unrealistisch.

 

Bern gibt sich neue Digitalstrategie
Die neue Strategie der Bundesstadt steht unter dem Leitsatz «Einfach für alle». Grundlage sind fünf strategische Stossrichtungen: Wandel aktiv gestalten, inklusive Gemeinschaft, digitale Infrastruktur für den Service public, digitale Nachhaltigkeit sowie digitale Kompetenzen.

 

Solothurn stellt Organisation für digitale Transformation neu auf
Künftig nehmen drei Organisationseinheiten eine zentrale Querschnittsfunktion ein: Das zur Staatskanzlei gehörende Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung (CCDV) koordiniert die Transformation. Das Amt für Informatik und Organisation (AIO) im Finanzdepartement übernimmt die Expertenrolle für Informations- und Kommunikationstechnik. Um die Personalentwicklung im Bereich der Digitalisierung kümmert sich das ebenfalls im Finanzdepartement angesiedelte Personalamt. Mit dem Schritt möchte der Regierungsrat die digitale Transformation vorantreiben. Eine nächste Überprüfung der Organisationsstruktur ist für 2028 vorgesehen.

 

Bund und Kantone wollen föderale Zusammenarbeit intensivieren
Dies geht aus dem Ende Dezember verabschiedeten Zielbild für die föderale Zusammenarbeit im Bereich der digitalen Verwaltung hervor. Nun wurde die Digitale Verwaltung Schweiz DVS beauftragt, das Zielbild weiter zu konkretisieren. Einerseits sollen Interoperabilität und Synergien durch gemeinsame Standards und Architekturen gefördert werden. Andererseits soll der Bund die Kompetenz erhalten, wesentliche Standards für alle Gemeinwesen verbindlich zu machen. Für Letzteres ist eine Teilrevision der Bundesverfassung notwendig.

 

Einheitliche Software für Zürcher Berufsfachschulen und Mittelschulen
Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich plant für 2028 die Einführung einer einheitlichen Schulverwaltungslösung für die 44 Mittel- und Berufsfachschulen des Kantons. Bisher seien unterschiedliche Softwarelösungen zum Einsatz gekommen.

Innovation

Kanton Luzern will bei E-Voting-Pilot mitmachen
Luzern plant die schrittweise Wiedereinführung von E-Voting ab September 2026 – vorerst beschränkt auf Auslandschweizer:innen. Ab 2028 sollen Stimmberechtigte in ausgewählten Pilotgemeinden elektronisch abstimmen und wählen können.

 

AI setzt auf AI: KI-Transkription im Grossen Rat von Appenzell Innerrhoden
Künftig werden alle Sessionen des Grossen Rats KI-gestützt transkribiert und protokolliert. Der Beschluss folgt nach einer Testphase mit Audioaufnahmen aus dem Jahr 2025. Um eine möglichst gute Audioqualität als Basis für die Transkription zu schaffen, plant der Kanton zusätzliche Investitionen in die Aufnahmeanlage im Grossratssaal.

 

Hohes KI-Innovationspotenzial in der Schweiz
Eine Studie von Google und Digitalswitzerland beziffert das jährliche KI-Innovationspotenzial der Schweiz auf rund 15 Milliarden Franken. Entscheidend sei eine breite Nutzung in Forschung und Wirtschaft sowie die Skalierung digitaler Unternehmen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Abraxas bietet souveräne KI-Dienstleistungen für die öffentliche Verwaltung – sicher und mit Mehrwert.

 

EFK ortet KI-Potenzial bei Finma
Die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK hat den Einsatz von KI-Systemen bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma unter die Lupe genommen. Dabei hat sich gezeigt: Die Finma befindet sich in einer frühen Phase des KI-Kompetenzaufbau. Die Ausgangslagen für eine stärker technologiebasierte Aussicht sei jedoch solide.

 

Schleswig-Holstein löst sich von Microsoft
Das norddeutsche Bundesland treibt seit längerer Zeit ein Projekt voran, bei dem Microsoft-Lösungen durch Open-Source-Software ersetzt wird. In seiner Verwaltung hat das Bundesland Microsoft Office weitgehend durch Libreoffice ersetzt. Die elektronischen Postfächer wurden von Microsoft Exchange auf Open-Xchange migriert. Rund 20 % der Verwaltungsarbeitsplätze seien derzeit in Teilbereichen weiterhin auf Microsoft Office angewiesen.

 

Kanton St. Gallen prüft Online-Polizeiposten
Schon länger in Betrieb ist das Onlineportal «Suisse ePolice» für standardisierte Anzeigeformulare. Nach der Schliessung mehrere Polizeiposten verlangt ein Vorstoss die Prüfung eines Online-Polizeipostens. Damit wäre die Polizei ortsunabhängig per Videokonferenz erreichbar. Positive Erfahrungen mit einem solchen Angebot hat der Kanton Zürich im Pilotprojekt gemacht und den Online-Polizeiposten anschliessend in einen dauerhaften Betrieb überführt.

 

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Security bei Schweizer Verwaltungen

BACS-Meldungen auf hohem Niveau stabil
Im Jahr 2025 verzeichnete das Bundesamt für Cybersicherheit BACS rund 65'000 gemeldete Vorfälle. Besonders betroffen sind Unternehmen, mit steigenden Zahlen bei CEO-Fraud und Ransomware. Die Zahlen bestätigen Cybersecurity als Daueraufgabe für Staat und Wirtschaft. An der Dreikönigstagung des Verlegerverbands Schweizer Medien betonte Bundesrat Martin Pfister die wachsende Bedeutung von Cyberresilienz, Desinformationsbekämpfung und die zentrale Rolle des Bundesamts für Cybersicherheit. Sicherheit versteht er explizit als Schutz des Informationsraums und der Demokratie.

 

Cyberkriminelle manipulieren Google-Suchergebnisse
Das Bundesamt für Cybersicherheit warnt vor sogenanntem SEO-Poisoning: Kriminelle platzieren betrügerische Websites in den Suchresultaten. Unternehmen werden aufgefordert, ihre Web-Infrastrukturen besser abzusichern und auf Zwei-Faktor-Authentisierung zu setzen.

 

Kommando Cyber übernimmt bei Nachfolgelösung für Polycom
Das Projekt zum Aufbau eines neuen mobilen Sicherheitskommunikationssystems wurde bislang vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz geführt. Neu weist Bundesrat Martin Pfister die Projektverantwortung der Gruppe Verteidigung zu. Mit der Projektverantwortung beim Kommando Cyber sollen potenzielle Synergien zu anderen Bundesprojekten besser genutzt werden können.

 

Graubünden setzt Schwerpunkt auf Cybersecurity
Wie die Regierung mitteilt, steht die Stärkung der Cybersecurity 2026 im Fokus. Der Kanton möchte dafür zusätzliche Gelder einsetzen.