E-Government-Briefing Oktober 2026

Der Bund startete die Ausschreibung für die Swiss Government Cloud und definierte neue IT-Schlüsselprojekte. Kantone bauten digitale Services aus, setzten auf KI-Plattformen und stärkten die digitale Souveränität. Gleichzeitig zeigten Cyberangriffe, Phishing-Tests und eine Rekordzahl an Sicherheitsmeldungen, wie gross der Druck auf Verwaltungen weiterhin ist. Die wichtigsten Entwicklungen aus Bund, Kantonen und Gemeinden im Überblick.

Von Alexandra Kehl · 28. Oktober 2026

Digitale Verwaltung in der Schweiz

Bund definiert neue IT-Schlüsselprojekte.
Die Bundeskanzlei nimmt das Programm für souveräne Arbeitsplatzsoftware und EasyGov 2.0 neu in die Liste der IT-Schlüsselprojekte auf. EasyGov 2.0 soll die technische und organisatorische Grundlage für den weiteren Ausbau des Online-Schalters für Unternehmen schaffen. Insgesamt umfasst die Liste nun 19 IT- und Digitalvorhaben des Bundes, die einer besonderen Steuerung und Überwachung unterliegen.

BIT benötigt externe Unterstützung für Cloud-Management.
Dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) fehlen Ressourcen für das Management der bestehenden Cloud-Infrastrukturen der Bundesverwaltung. Bis zur Einführung der Swiss Government Cloud soll deshalb der Zürcher Anbieter Innovation Process Technology weiterhin als Cloud Service Broker unterstützen. Dafür sind rund 1.5 Millionen Franken vorgesehen.

Swiss Government Cloud: Ausschreibung gestartet.
Das BIT hat am 20. Oktober die Ausschreibung für die Swiss Government Cloud gestartet. Die neue Infrastruktur soll bestehende Cloud- und Rechenzentrumsleistungen des Bundes ablösen und drei Stufen mit unterschiedlichen Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen umfassen. Künftig sollen auch Kantone und Gemeinden die Cloud-Dienste nutzen können.

Bundesrat verabschiedet Bericht zum einheitlichen Behörden-Login.
Am 21. Oktober hat der Bundesrat den Postulatsbericht zu AGOV verabschiedet. Das gemeinsame Behörden-Login soll den Zugang zu digitalen Verwaltungsleistungen vereinfachen und die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden erleichtern. Im Zentrum stehen eine einheitliche Authentifizierung und die bessere Verknüpfung digitaler Behördendienste.

Alertswiss nutzt KI für leichte Sprache.
Warn- und Informationsmeldungen von Alertswiss werden künftig mithilfe von KI automatisch in leichte Sprache übersetzt. Damit sollen sicherheitsrelevante Informationen auch für Menschen mit eingeschränkten Sprach- oder Lesekompetenzen besser verständlich werden.

Basel-Landschaft erneuert IT-Arbeitsplätze für 16.7 Millionen Franken.
Der Kanton Basel-Landschaft hat drei Aufträge für die Erneuerung seiner IT-Arbeitsplätze vergeben. Sie umfassen Client-Hardware, Support- und Lifecycle-Dienstleistungen sowie IT-Zubehör. Das Auftragsvolumen beträgt insgesamt 16.7 Millionen Franken.

Schaffhausen verschärft Anforderungen an Rechenzentren.
Ab dem 1. Dezember 2026 gelten im Kanton Schaffhausen für Rechenzentren neben der Energieeffizienz auch Vorgaben zur Treibhausgas- und Wassereffizienz. Zudem soll die Nutzung von Abwärme gefördert werden. Gleichzeitig lagert der Kanton seine IT-Infrastruktur für rund 34 Millionen Franken aus und nimmt eines seiner beiden Rechenzentren ausser Betrieb.

Solothurn passt Organisation der digitalen Transformation an.
Der Kanton Solothurn ordnet die Zuständigkeiten für die digitale Transformation neu. Aufgaben werden künftig zwischen dem Kompetenzzentrum Digitale Verwaltung, dem Amt für Informatik und Organisation, dem Personalamt und der Staatskanzlei aufgeteilt. Die Finanzkommission unterstützt die Pläne grundsätzlich, fordert jedoch eine leichte Kürzung des Verpflichtungskredits.

Waadt tritt nationalem Netzwerk für digitale Souveränität bei.
Der Kanton Waadt ist dem Netzwerk «pour une Suisse numérique souveraine» beigetreten. Dieses fördert den Austausch zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, den Einsatz von Open Source sowie den Aufbau souveräner digitaler Infrastrukturen. Ein weiteres Anliegen ist die Verringerung technologischer Abhängigkeiten.

Waadt lanciert zwei digitale Tools für Unternehmen.
Der Kanton Waadt stellt Unternehmen zwei neue digitale Angebote zur Verfügung: eine Plattform mit über 300 kantonalen und eidgenössischen Förderinstrumenten sowie eine interaktive Karte mit mehr als 3000 Industrieunternehmen. Beide Anwendungen unterstützen Suchanfragen in natürlicher Sprache und erleichtern die Recherche nach Fördermöglichkeiten und Wirtschaftsakteuren.

Innovation

Bundesrat will Verwaltungsprozesse mit KI und Automatisierung effizienter machen.
Am 2. Oktober hat der Bundesrat einen Bericht zur Effizienzsteigerung durch Prozessautomatisierung und KI verabschiedet. Ziel ist es, Verfahren zu vereinfachen, Entscheidungen zu beschleunigen und Ressourcen gezielter einzusetzen. 

Zürich baut KI-Governance und Serviceplattform aus.
Mit SynerKI bündelt der Kanton Zürich Kompetenzen aus Informatik, digitaler Verwaltung, Personal und Statistik. Eine zentrale KI-Serviceplattform soll die sichere Entwicklung und den Betrieb von KI-Anwendungen ermöglichen. Der Kanton setzt damit auf gemeinsame Strukturen statt auf isolierte Lösungen.

Basel-Stadt lehnt KI- und Robotersteuer ab.
Der Grosse Rat Basel-Stadt hat einen Vorstoss abgelehnt, der die Prüfung einer Abgabe auf durch KI und Robotik erzielte Wertschöpfung verlangte. Im Zentrum stand die Frage, ob Unternehmen, die durch Automatisierung Arbeitskräfte ersetzen, einen zusätzlichen Beitrag zur Finanzierung der Sozialversicherungen leisten sollen.

Parlamentarische Gruppe KI formiert sich.
Knapp 30 Parlamentsmitglieder haben eine parlamentarische Gruppe KI gegründet. Sie will Erfahrungen aus Praxis, Wirtschaft und Wissenschaft ins Parlament bringen und die anstehende Vernehmlassung zur KI-Regulierung begleiten. 

E-ID «to Go» soll erste praktische Anwendung werden.
Angesichts der erneuten Verzögerung bei der Einführung der E-ID schlagen Digitalswitzerland und Nationalrat Gerhard Andrey eine vereinfachte Variante vor. Die datensparsame E-ID «to Go» soll Alters- und Personennachweise ermöglichen und über die staatliche Vertrauensinfrastruktur Swiyu ausgestellt werden. Denkbare Einsatzorte sind Online-Shops oder Ladenkassen.

EU fördert KI-Kompetenzen in Verwaltungen.
Die EU-Kommission hat im Oktober Leitfragen und Beispiele zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 des AI Act veröffentlicht. Sie sollen Organisationen dabei unterstützen, Mitarbeitende für den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu befähigen. Bei Hochrisiko-KI-Systemen gelten zudem besondere Anforderungen an die menschliche Aufsicht.

Security bei Verwaltungen

Cyberangriff auf Publica-Lieferant: Datenabfluss bestätigt.
Ende September wurde ein externer Softwarelieferant der Pensionskasse des Bundes Publica Ziel eines Cyberangriffs. Der Datenabfluss ist bestätigt; die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen und die Betroffenen werden informiert. 

Zürich plant Phishing-Tests für 13'000 Angestellte.
Das Amt für Informatik des Kantons Zürich will über 13'000 Verwaltungsangestellte mit simulierten Phishing-Angriffen für Cyberrisiken sensibilisieren. Zudem ist die Beschaffung einer Software geplant, mit der verdächtige E-Mails analysiert werden können.

Ombudsmann kritisiert Citysoftnet-Einführung in Zürich.
Die Einführung des Fallführungssystems Citysoftnet bei den sozialen Diensten der Stadt Zürich war laut Ombudsmann von erheblichen technischen Problemen geprägt. Zentrale Funktionen fehlten, Mitarbeitende mussten auf Umgehungslösungen zurückgreifen. Auch die Kommunikation der zuständigen Direktion steht in der Kritik.

EFK bemängelt Datenmanagement beim Bund.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert die schleppende Umsetzung eines einheitlichen Datenmanagements in der Bundesverwaltung. Laut Prüfbericht verfügen bislang nur das UVEK und das VBS über eine Datengouvernanz und eine entsprechende Strategie. Die übrigen Departemente haben die Vorgaben erst teilweise umgesetzt.

Meldungen von Cybervorfällen beim Bund erreichen Rekordhoch.
Innerhalb einer Woche gingen beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) 1587 freiwillige Meldungen ein – so viele wie seit mindestens Anfang 2025 nicht mehr. Auch die Zahl der gemeldeten Vorfälle bei kritischen Infrastrukturen ist gestiegen.

BACS beteiligt sich an internationalen Cybersicherheitsdialogen.
Der Direktor des Bundesamts für Cybersicherheit nahm an der EU Cyber Week in Dublin teil. Diskutiert wurden unter anderem der Einsatz von KI in der Cybersicherheit, digitale Souveränität, widerstandsfähige Lieferketten und die Sicherheit autonomer KI-Systeme.

Cyber Security Month 2026: «Oversharing – Share with care».
Der diesjährige Cyber Security Month widmet sich dem bewussten Umgang mit persönlichen Informationen. Die Kampagne sensibilisiert Privatpersonen, Unternehmen und Verwaltungen für die Risiken einer unbedachten Datenweitergabe und thematisiert auch die staatliche E-ID und deren Vertrauensinfrastruktur.

Bund sucht neue Leitung für E-ID.
Das Bundesamt für Justiz sucht eine neue Leitung für das E-ID-Projekt. Die Einführung der staatlichen E-ID verzögert sich aufgrund zusätzlicher Sicherheitsanforderungen weiterhin. Der Start der zugehörigen Vertrauensinfrastruktur ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.

Grossbritannien baut KI-gestützte Cybersicherheit aus.
Die britische Regierung hat am 12. Oktober angekündigt, ein Programm zur KI-gestützten Erkennung und Behebung von Sicherheitslücken in staatlichen IT-Systemen auszuweiten. In zwei Pilotprojekten wurden bereits mehr als 1000 potenzielle Schwachstellen identifiziert.

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