Auf der OSZE-Konferenz in Zug sahen Bundesrat Martin Pfister und BACS-Direktor Florian Schütz die Schweiz punkto Cybersecurity auf einem guten Weg. Beide betonten die Wichtigkeit: Der Erhalt von 60 Prozent des globalen Wohlstands sei direkt von Technologie abhängig. Neue Technologien seien nicht nur ein Risiko, automatisierte Tests «wirtschaftlicher und praktikabler». Es brauche internationale Zusammenarbeit.
Dann der Angriff auf das dem Bund gehörende Raumfahrtunternehmen Beyond Gravity, eine Ausgründung der Ruag. Sie entwickelt unter anderem Komponenten für Trägerraketen. Erste Hinweise auf schädliche Aktivitäten waren laut Berichten bereits im August eingegangen. Die forensischen Abklärungen dauern noch an. Der Urheber der Attacke ist unbekannt, soll aber laut Medienmitteilung hochprofessionell agieren. Die FDP spricht von einem «Angriff auf die Schweiz». Der hybride Krieg habe unser Land erreicht.
Kurz darauf wird der Angriff auf die Bundespensionskasse Publica via Softwarelieferant PK Softech AG bekannt. Diese bestätigte den Angriff. Die betroffene Umgebung sei umgehend vom Netz genommen worden. Die forensischen Untersuchungen würden andauern, Daten seien abgeflossen. Die Kunden seien informiert worden und müssten sich nun besonders vorsichtig verhalten: Mit den Daten sind massgeschneiderte Phishing-Angriffe möglich. Nun prüfen auch andere Pensionskassen Datenabflüsse, die mit derselben Software arbeiten.
Cyberangriffe
Tessiner Gemeinde hat Backup im Unglück
Zum Glück verfügte die Verwaltung von Manno über ein funktionierendes Backup. Nach der Attacke einer Ransomware-Bande und der Verschlüsselung eines Teils der Daten konnte die Gemeinde deshalb rasch wieder zum Regelbetrieb übergehen. Die IT-Verantwortlichen hatten den betroffenen Server sofort isoliert. In einer Mitteilung bittet die Verwaltung ihre Einwohnerinnen und Einwohner, bei unerwarteten Mitteilungen vorsichtig zu sein. Im Zweifelsfalle soll die Gemeinde direkt kontaktiert werden. Zum Angriff hat sich die Ransomwarebande Safepay bekannt. Angeblich soll auch ein Kläranlagenbetreiber im Kanton Bern zu den Opfern gehören.
Hackergruppe will kein Geld vom FBI
Die Hackergruppe Shiny Hunters erbeutete nach eigenen Angaben die persönlichen Daten von 5000 FBI-Agenten. Anstatt die US-Behörde mit einer Geldforderung unter Druck zu setzen, verlangten die Angreifer, die Veröffentlichung eines im Mai veröffentlichten Berichts rückgängig zu machen und einige Aussagen zu korrigieren. Kurze Zeit nach der Forderung meldete das FBI die Verhaftung eines führenden Kopfs der Hackergruppe.
Weitere nicht autorisierte Angriffe von KI-Systemen
OpenAI hat weitere Zwischenfälle seiner KI öffentlich gemacht. Bei Tests habe sie sich «unerwartet und besorgniserregend» verhalten. In sechs unterschiedlichen Fällen ignorierte die KI die Anweisungen ihrer Entwickler. Gemäss Wall Street Journal brauchten die OpenAI-Entwickler Tage bis Monate, um der KI auf die Schliche zu kommen. In einem weiteren Fall verschaffte sich die KI Internetzugriff, obwohl ihr dies in der abgeschirmten Testumgebung untersagt war. Darauf setzte OpenAI das Training ihrer Modelle aus. Insgesamt über 100 Organisationen seien betroffen, so OpenAI. Darunter Wikimedia: Der Betreiber der Wikipedia beschuldigte die KI-Agenten von OpenAI des Plattform-Missbrauchs. Dabei sei es gar zu Ausfällen gekommen. Auch Google bestätigte einen Vorfall mit ihrer KI Gemini: Bei einem Sicherheitstest sollte sie eigentlich nur fiktive Firmen angreifen. Stattdessen brach sie bei echten Firmen ein.
Data Breach & Datenschutz
SRG-Cyberangriff: 340 Mitarbeitende betroffen
Bei einem Angriff auf die SRG haben Hacker persönliche Daten von rund 340 aktuellen und ehemaligen SRF-Mitarbeitenden der Abteilung Informationen gestohlen. Es geht vor allem um die Namen, Funktionen und Kontaktangaben. Persönliche Passwörter, Finanz- oder Bankdaten, journalistische Quellen, Recherchedaten oder Kommunikationsinhalte sind laut SRG nicht betroffen. Die abgeflossenen Daten stammen aus dem Jahr 2020.
Normalität in Liechtenstein
Nach dem Cyberangriff vom Sommer kehrt in Liechtenstein wieder digitale Ruhe ein. Das betroffene Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (VwbP) ist wieder in Betrieb genommen worden. Laut der Regierungsantwort auf eine Anfrage im Landtag des Fürstentums sind die abgeflossenen Daten bisher nicht missbraucht und die Daten beim Angriff nicht verändert worden. Die strafrechtlichen Ermittlungen würden andauern, die Schwachstellen seien behoben. In der ersten Hälfte 2027 will die Regierung einen transparenten Bericht zum Cyberangriff vorlegen.
Massiver Datenabfluss bei Ricardo
Knapp 900 000 Konten des Online-Marktplatzes Ricardo sind für Angreifer zugänglich gewesen: Sie haben persönliche Daten wie Namen, Postadressen und Telefonnummern abgegriffen. E-Mail-Adressen und Passwörter sind laut Angaben von Ricardo nicht betroffen. Der EDÖB sei benachrichtigt worden. Sämtliche betroffenen Nutzerinnen und Nutzer will Ricardo bzw. das Mutterhaus SMG Swiss Marketplace Group nun direkt informieren und ihnen Schutzmassnahmen empfehlen.
«The Gentlemen» publizieren Daten von Westschweizer Gefängnissen
Die Ransomwarebande hat ihre Drohung wahrgemacht und Daten einer Sicherheitsfirma aus dem Kanton Waadt veröffentlicht. Laut der Nachrichtenagentur AWP handelt es sich um die Ixa Systems mit Sitz in Crissier. Unter den Betroffenen sind Gefängnisse und Banken. Die Firma ist auf Sicherheitssysteme spezialisiert. Die Zeitung Le Temps analysierte das entwendete Datenpaket. Es beinhalte sensible Informationen wie Infrastrukturpläne, Modelle, Karten des installierten Kamera-Netzes und teilweise sogar Passwörter. Die Firma habe bestätigt, kein Lösegeld bezahlt zu haben. Ein direkter Zugriff auf die Bilder der Überwachungskameras sei nicht möglich gewesen.
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Dänemark verliert massiv Daten aus dem zentralen Personenregister
Unbekannte haben das zentrale Personenregister (CPR) Dänemarks erfolgreich angegriffen. Sie erlangten Zugriff auf die persönlichen Daten von rund 8,8 Millionen Personen. Betroffen sind Namen, Wohnadressen und persönliche CPR-Identifikationsnummern. Diese dienen in Dänemark als universeller Schlüssel im stark digitalisierten Alltag. Die zuständige Ministerin sprach gegenüber Medien von einem «äusserst schwerwiegenden Zwischenfall».
Hintergrund
KI-Service für Cyberangriffe zerschlagen
Microsoft dokumentiert die Zerschlagung des KI-Services Eviltokens. Seit Februar 2026 haben Angreifer damit über 12 000 Konten in rund 10 000 Organisationen übernommen. Verkauft wurde der Dienst für einmalige 1500 Dollar plus 500 Dollar pro Monat via Telegram. Eviltokens übernahm dabei mit KI-Hilfe die komplette Angriffskette. Nebst der Polizei waren diverse IT- und KI-Unternehmen an der Operation gegen Eviltokens beteiligt.
KillSec von europäischen Sicherheitsbehörden zerstört
Unter Leitung von Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Hamburg haben mehrere europäische Behörden – unter anderem auch aus der Schweiz – das Hackernetzwerk KillSec ausgehoben. Dieses fiel auch hierzulande mit Ransomware-Attacken auf. Mutmasslicher Anführer ist ein 16-Jähriger. Woher er stammt, nennen die Ermittler nicht. Einer der Entwickler der Gruppe ist kaum älter. Die Behörden haben die Kontrolle über die Leak-Seite des Netzwerks übernommen und über 110 TB an Daten gesichert.
Schwachstellen
Eine kritische Lücke betrifft acht Atlassian-Produkte
Die schwere Sicherheitslücke CVE-2026-21589 betrifft acht Atlassian-Produkte: Bitbucket, Confluence, Jira Service Management, Jira Software, Bamboo, Crowd, Crucible und Fisheye. Sie wird bereits aktiv ausgenutzt. Atlassian listet im Sicherheitshinweis die Versionen auf, in denen die Lücke behoben ist. Das Gemeine: Die Lücke lässt sich leicht ausnützen und Authentifizierungsanforderungen fehlen. Angreifer müssen nur den Speicherort einer bestimmten Datei kennen. Die so gewonnenen Informationen können für weiterführende Angriffe verwendet werden. Eine Ausführung von Code über die Schwachstelle sei jedoch nicht möglich.
Warnung vor Codeschmuggel-Lücke in LibreOffice
Angreifer können mit präparierten Dokumenten schädlichen Code einschleusen. Die Lücke ist hochriskant. Sie ermöglicht etwa in der Tabellenkalkulation Calc dank Verknüpfung mit externen Datenquellen Angriffe via Java-Datenbanktreiber. Die Korrektur sieht vor, dass ein Java-Klassenpfad zwingend eine Datei-URL sein muss (CVE-2026-63277, CVSS4 8.5). Weitere mittlere Risiken schliesst das LibreOffice-Projekt mit dem jüngsten Update.
400 Bugs in Java-Code
IBM und Red Hat haben nach eigenen Angaben mit Hilfe von KI mehr als 400 Schwachstellen in beliebten Java-Bibliotheken gefunden und behoben. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen mit ihrer Lightwell-Initiative die Sicherheit in der Open-Source-Softwarelieferkette stärken.
Ubuntu aktualisiert Kernel neu wöchentlich
KI deckt immer mehr Schwachstellen auf. Deshalb beschleunigt Ubuntu-Entwicklerin Canonical nun die eigenen Prozesse. Neu wird der Release-Zyklus des Kernels der Linux-Distribution von vier auf zwei Wochen verkürzt. Faktisch entsteht jede Woche ein neuer Kernel. Workarounds gegen Sicherheitslücken sollen innert 48 Stunden bereitgestellt werden.
Über Bruno Habegger
Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.