«Diversität ist ein klarer Qualitätsfaktor für Entscheidungen»

Am 8. März, dem internationalen Frauentag, sprechen wir mit Abraxas-VR-Mitglied Stephanie Züllig über Frauen in MINT-Berufen, Verantwortung in der Führung und darüber, warum Diversität wichtig ist.

Von Andrea Hefti · 8. März 2026

Der Anteil von Frauen in MINT-Berufen liegt in der Schweiz bei 17.9 Prozent, bei Abraxas aktuell bei 18.6 Prozent. Wie siehst du die Rolle von Abraxas als Arbeitgeberin, um hier eine Vorbildfunktion einzunehmen? 

Stephanie Züllig: Mit 18.6 Prozent liegen wir leicht über dem Schweizer Durchschnitt – das ist ein Anfang, aber wir bleiben dran. 

Für mich ist klar: Als Unternehmen der öffentlichen Hand tragen wir eine besondere Verantwortung. Gerade in Zeiten der digitalen Transformation braucht es Orientierung, Vertrauen und Wirkung.

Unser Auftrag ist es, die besten Talente zu gewinnen, zu entwickeln und vor allem zu halten – unabhängig vom Geschlecht, aber mit einem klaren Blick auf vorhandene Potenziale.

Für mich sind drei Punkte entscheidend: Erstens die frühe Förderung von Talent – weit vor der eigentlichen Ausbildung. Zweitens transparente Karrierepfade, die individuelle und talentbasierte Entwicklung ermöglichen. Und drittens eine konsequente Leistungsorientierung. Wenn Karrierewege klar sind, muss Leistung auch konsequent anerkannt werden.

 

Welche Bedeutung hat Diversität in der Führung und im Unternehmen insgesamt? 

Diversität ist längst kein Imagefaktor mehr, sondern ein klarer Qualitätsfaktor für Entscheidungen. Unterschiedliche Perspektiven erhöhen die Entscheidungsqualität, reduzieren Risiken und stärken die Innovationskraft. Gemischte Teams – mit unterschiedlichen Altersgruppen, Kulturen und Geschlechtern – bringen ein breiteres Spektrum an Know-how ein. Sie erkennen Chancen und Risiken früher, entwickeln nachhaltigere Lösungen und treffen fundiertere Entscheidungen.

Entscheidend ist für mich: Diversität wirkt dann, wenn sie entscheidungsrelevant wird. Dann entsteht Innovation. Als IT-Partnerin der öffentlichen Hand müssen wir technologische Exzellenz mit gesellschaftlichem Verständnis verbinden. Vielfalt unterstützt genau das.

Gerade im Austausch mit Kantonen und Gemeinden zeigt sich: Zuhören, Perspektiven zusammenbringen und Unterschiede ernst nehmen – das ist entscheidend für tragfähige Lösungen.

Stephanie Züllig
Verwaltungsrätin Abraxas Informatik AG
«Die besten Entscheidungen entstehen, wenn unterschiedliche Sichtweisen konstruktiv diskutiert werden und jede Stimme ernst genommen wird.»

Wie trägt die Unternehmenskultur dazu bei, dass Frauen sich einbringen und Führungsrollen übernehmen können?

Kultur entsteht nicht durch ein Leitbild auf Papier, sondern im Alltag. Sie zeigt sich im täglichen Zusammenschaffen. Werte wie Verantwortung, Verlässlichkeit und Vertrauen schaffen ein Umfeld, in dem unterschiedliche Meinungen Platz haben.

Überall dort, wo ein Vertrauensumfeld herrscht, entsteht Raum für Diversität. Führungskräfte haben dabei eine zentrale Rolle: Sie müssen Feedback geben, Sichtbarkeit fördern und Entwicklung gezielt vorantreiben.

Gerade in unsicheren Zeiten brauchen Mitarbeitende Orientierung. Vertrauensbasierte und verlässliche Führung ist eine Grundlage für jede starke Organisation.

 

Was hat dich persönlich motiviert, Führungsverantwortung zu übernehmen? Und welche Hürden gab es?

Mich hat immer die Frage geleitet: Welche Wirkung kann ich erzielen? Es ging mir nie nur um einen Titel, sondern um Gestaltungsspielraum und Verantwortung. Fachkompetenz bringt dich in eine Rolle – aber Kommunikation, Führung und Verlässlichkeit halten dich darin. Das habe ich auf meinem Weg gelernt.

Natürlich gab es Hürden. Entscheidend ist der Umgang damit. Mein Grundsatz lautet: Erfolg entsteht durch Beharrlichkeit und Konsequenz. Dranbleiben, aus schwierigen Situationen lernen und sich ein Umfeld suchen, in dem die eigene Stimme gehört wird.

 

Gerade für Frauen ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft zentral. Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Ich war in einer CEO-Rolle, als meine Kinder noch Babys waren, und bin damals 100 Prozent berufstätig geblieben. Heute gibt es mehr Modelle und mehr Flexibilität – und das ist gut so.

Wichtig ist: Flexibilität darf kein reines Frauenthema sein. Flexibilität ist ein Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die flexible und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, gewinnen und halten Talente.

Eine perfekte Balance gibt es nicht. Stattdessen braucht es bewusste Prioritäten in unterschiedlichen Lebensphasen. Offenheit im privaten wie im beruflichen Umfeld ist hier entscheidend.

Stephanie Züllig
Verwaltungsrätin Abraxas Informatik AG
«Mein Tipp unter Frauen: Pflegt aktiv euer Netzwerk. Karriere entsteht nicht nur durch Leistung, sondern auch durch Sichtbarkeit und Netzwerkpflege.»

Was möchtest du Frauen am internationalen Frauentag mitgeben?

Themen wie KI, Verantwortung, Bias oder Governance werden unsere Gesellschaft prägen. Begeistert euch für MINT-Berufe – gerade im Zeitalter der digitalen Transformation. Dafür braucht es frühe Prägung, sichtbare Vorbilder und Initiativen wie den Zukunftstag, den wir bei Abraxas seit vielen Jahren durchführen. Möglichkeiten müssen sichtbar gemacht werden.

Ich sehe zwar einige Frauen in MINT-Berufen, aber es könnten noch viel mehr sein. Ein Schlüssel sind sichtbare Vorbilder und Frauen in Führungsrollen. Seid euch klar, was ihr wollt, sucht euch ein Umfeld, in dem eure Stimme erwünscht ist und gehört wird, unterstützt euch gegenseitig und feiert eure Erfolge.

Steht zusammen und gestaltet die digitale Schweiz von morgen aktiv mit. Denn nur so wird Chancengleichheit selbstverständlich.

 

Hinweis: Im #TeamAbraxas sind wir alle per «Du» – auch mit unseren Verwaltungsrät:innen. Diese Umgangsform pflegen wir auch hier in diesem Interview.

Wer ist Stephanie Züllig?

Stephanie Züllig ist Unternehmerin, Verwaltungsrätin und ausgewiesene Digitalexpertin. Seit 2023 gehört sie dem Verwaltungsrat von Abraxas an und vertritt dort den Kanton Zürich.

Die schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin verfügt über langjährige internationale Führungserfahrung. Bis 2017 war sie bei Siemens tätig, wo sie unter anderem die Region EMEA verantwortete. Heute bringt sie ihre strategische und technologische Expertise als Unternehmerin und mehrfache Verwaltungsrätin ein und engagiert sich zudem als Mentorin für Young Professionals.

Stephanie Züllig hat Betriebswirtschaft und Fertigungstechnik studiert und verbindet unternehmerisches Denken mit fundierter Erfahrung in Transformation, Führung und Digitalisierung.