KI-gestützte Zollkontrollen in der Schweiz, automatisierte Verwaltungsbescheide in Österreich und Behördendienstleistungen per KI-Sprachagent in der Ukraine: Das Abraxas KI-Briefing für die öffentliche Hand liefert relevante Entwicklungen, Innovationen und Projekte. Damit künstliche Intelligenz für Verwaltungen echten Mehrwert generiert.
Schweiz
Baselland entwickelt KI-Chatbot zum digitalen Verwaltungsassistenten weiter
Die Motorfahrzeugkontrolle (MFK) Basel-Landschaft setzt gemeinsam mit Abraxas auf den «EGOV Chatbot», um Kund:innen rund um die Uhr Auskunft zu Verwaltungsanliegen zu geben. Ursprünglich als regelbasierter Chatbot mit rund 120 vordefinierten Dialogen eingeführt, wurde die Lösung zu einem KI-gestützten Assistenten weiterentwickelt. Mithilfe von Retrieval Augmented Generation (RAG) und einem grossen Sprachmodell greift der Chatbot auf öffentlich zugängliche Informationen der MFK-Website zu und generiert daraus präzise, kontextbezogene Antworten. Dabei erkennt er Anfragen in unterschiedlichen Sprachen und entlastet Mitarbeitende insbesondere bei wiederkehrenden Fragen zu Fahrzeugprüfungen, Formularen und Zuständigkeiten. Seit der Einführung des RAG-basierten Systems wurden rund 7’000 Fragen beantwortet. Gemeinsam mit Abraxas entwickelt die MFK den Assistenten nun schrittweise zu einer digitalen Dienstleistungsplattform weiter. Bereits heute können Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise eine Prüfungsbestätigung für den Führerausweis im Ausland direkt über den Chatbot beantragen.
Weitere Informationen zum EGOV Chatbot der MFK Basel-Landschaft
Schweizer Zoll automatisiert die Auswertung von Fernbusfahrplänen
Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) nutzt seit März 2026 eine KI-gestützte Anwendung, um die Grenzübertritte internationaler Fernverkehrsbusse besser planen zu können. Dafür werden rund 300 öffentlich zugängliche Busfahrpläne automatisiert erfasst und mithilfe eines KI-Sprachmodells ausgewertet. Das System extrahiert relevante Informationen wie Abfahrtszeiten, Streckenverläufe und Haltestellen, interpretiert diese und berechnet daraus die voraussichtlichen Fahrtrouten. Die Ergebnisse werden in einer Webanwendung visualisiert, sodass die Zollstellen nachvollziehen können, wann welche Fernverkehrsbusse die Schweizer Grenze passieren. Damit entfällt ein grosser Teil der manuellen Fahrplanauswertung und die Zollbehörden erhalten eine einheitliche Informationsgrundlage für die Planung ihrer Kontrollen.
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Kanton Zürich testet KI für Baubewilligungen und Infrastrukturüberwachung
Der Kanton Zürich hat die zweite Phase seiner «Innovation-Sandbox» abgeschlossen, in der fünf KI-Anwendungen unter realitätsnahen Bedingungen erprobt wurden. Ein Schwerpunkt lag auf der Unterstützung von Baubewilligungsverfahren. Dafür wurde ein KI-gestützter Prototyp entwickelt, mit dem Gesuchstellende beispielsweise bei Solaranlagen, Wärmepumpen oder Ladestationen vorab prüfen können, ob ihre Unterlagen vollständig und formale Angaben korrekt sind. Die inhaltliche Beurteilung und Bewilligung bleiben weiterhin Aufgabe der zuständigen Behörden. Weitere Projekte untersuchten den Einsatz von KI bei der Überwachung einer Bahnbrücke in Wädenswil, um deren Zustand anhand von Sensordaten besser beurteilen und Unterhaltsarbeiten gezielter planen zu können. Zudem wurde geprüft, unter welchen Voraussetzungen autonome Roboter Inspektionsaufgaben in kritischen Infrastrukturen wie Energieanlagen übernehmen können. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die weitere Entwicklung und den verantwortungsvollen Einsatz entsprechender Technologien einfliessen.
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Schweizerische Nationalbibliothek setzt KI zur Katalogisierung ihrer Plakatsammlung ein
Die Schweizerische Nationalbibliothek (NB) entwickelt eine KI-gestützte Lösung, um ihre umfangreiche Plakatsammlung schneller zu katalogisieren und digital zugänglich zu machen. Bislang müssen Mitarbeitende die Plakate einzeln sichten, ihre Inhalte beschreiben und die entsprechenden Informationen manuell erfassen. Künftig soll dieser aufwendige Prozess teilweise automatisiert werden: Eine KI analysiert bereits digitalisierte Plakate und erkennt beispielsweise abgebildete Motive und enthaltene Texte. Auf dieser Grundlage werden nach festgelegten bibliografischen Regeln standardisierte Beschreibungen erstellt, die für die Katalogisierung genutzt werden können. So sollen die Plakate schneller im Online-Katalog verfügbar und leichter auffindbar sein, während Mitarbeitende mehr Zeit für die Vermittlung der Sammlungsbestände gewinnen. Das Projekt befindet sich seit März 2026 in der Realisierungsphase und soll bis Juli 2027 abgeschlossen werden.
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St. Gallen und Abraxas erarbeiten gemeinsames Programm für den KI-Einsatz in der Verwaltung
Der Kanton St. Gallen und seine Gemeinden entwickeln gemeinsam mit Abraxas ein Programm, um den Einsatz künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung systematisch voranzutreiben. Aufbauend auf einer kantonsübergreifenden Potenzialanalyse sollen bis Anfang 2027 die organisatorischen, technischen und rechtlichen Voraussetzungen für einen sicheren und verantwortungsvollen KI-Einsatz erarbeitet werden. Im Fokus stehen unter anderem gemeinsame technische Grundlagen, klare Richtlinien für den Umgang mit KI sowie Schulungs- und Unterstützungsangebote für Verwaltungsmitarbeitende. Abraxas begleitet die Ausarbeitung des Programms als Partnerin und bringt dabei ihre Expertise in der Digitalisierung öffentlicher Verwaltungen ein. Ziel ist es, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, auf der Kanton und Gemeinden KI-Anwendungen künftig sicher, effizient und koordiniert einsetzen können.
Weitere Informationen zum KI-Programm des Kantons St. Gallen
Bund setzt mit «KOBY» auf eigene KI-Plattform für die Verwaltung
Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) betreibt mit «KOBY» eine eigene KI-Plattform, die Mitarbeitenden der Bundesverwaltung den sicheren Einsatz generativer künstlicher Intelligenz ermöglicht. Die Lösung basiert auf leistungsfähigen Open-Source-Sprachmodellen und wird vollständig in den Rechenzentren des Bundes betrieben. Dadurch können auch sensible Informationen bis zur Klassifizierungsstufe «vertraulich» verarbeitet werden, ohne auf öffentlich zugängliche KI-Dienste zurückgreifen zu müssen. KOBY unterstützt Mitarbeitende unter anderem beim Verfassen und Zusammenfassen von Texten, bei der Informationsrecherche sowie bei weiteren administrativen Aufgaben. Mit der eigenen Infrastruktur will das BIT den Datenschutz und die Informationssicherheit gewährleisten, die digitale Souveränität stärken und gleichzeitig einen kontrollierten Zugang zu KI-Anwendungen im Verwaltungsalltag schaffen.
International: Europa
Ukraine erweitert digitale Verwaltungsplattform «Diia» um KI-Sprachagenten
Die Ukraine erweitert ihre digitale Verwaltungsplattform «Diia» um einen KI-gestützten Assistenten, mit dem Bürgerinnen und Bürger staatliche Dienstleistungen per Sprache oder Text nutzen können. Die bestehende Diia-Plattform bündelt zahlreiche öffentliche Dienstleistungen und wird von über 23 Millionen Menschen genutzt. Mit «Diia.AI» können Nutzerinnen und Nutzer nun in natürlicher Sprache nach verfügbaren Verwaltungsleistungen fragen, persönliche Informationen wie Versicherungs- oder Sozialversicherungsbeiträge abrufen und amtliche Dokumente wie Einkommensbescheinigungen anfordern. Neu lassen sich Anfragen auch per Sprache stellen, wobei der Assistent sowohl mündlich als auch schriftlich antwortet. Text- und Spracheingaben können innerhalb eines Gesprächs kombiniert werden. Durch die schrittweise Anbindung weiterer staatlicher Register soll Diia.AI künftig auch komplexere Verwaltungsprozesse vollständig begleiten und abwickeln können.
Weitere Informationen zu «Diia.AI»
Österreich schafft rechtliche Grundlage für vollautomatisierte Verwaltungsbescheide
Österreich hat im September 2026 eine Gesetzesnovelle beschlossen, die es Behörden künftig ermöglicht, schriftliche Verwaltungsbescheide vollständig automatisiert und ohne menschliche Einzelfallprüfung auszustellen. Dabei können sowohl regelbasierte Systeme als auch künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Vorgesehen ist dies insbesondere für standardisierte Verwaltungsverfahren, etwa Gebührenbescheide oder bestimmte Förderungen. Die Automatisierung ist jedoch nur in Bereichen zulässig, die zuvor ausdrücklich per Verordnung festgelegt wurden. Zudem müssen die eingesetzten Systeme technisch nachvollziehbar sein, vor ihrem Einsatz getestet und laufend kontrolliert werden. Um Transparenz und Rechtsschutz zu gewährleisten, müssen automatisch erstellte Bescheide entsprechend gekennzeichnet werden. Betroffene können innerhalb von zwei Wochen ohne Begründung eine erneute Prüfung verlangen, wodurch der ursprüngliche Bescheid ausser Kraft tritt und eine menschliche Entscheidung erforderlich wird. Neben der automatisierten Entscheidungsfindung sieht die Gesetzesnovelle weitere Möglichkeiten zur Digitalisierung von Verwaltungsverfahren vor. Dazu gehören KI-gestützte Chatbots, die bei der Antragstellung unterstützen, sowie sogenannte «No-Stop-Verfahren», bei denen Verwaltungsleistungen ohne vorherigen Antrag gewährt werden können.
Weitere Informationen zur Gesetzesnovelle
Grossbritannien baut KI-Einsatz in der Polizeiarbeit mit «PoliceAI» aus
Grossbritannien hat mit «PoliceAI» ein nationales Zentrum gegründet, das den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Polizeibehörden in England und Wales vorantreiben soll. Im Fokus stehen insbesondere die Auswertung digitaler Beweismittel, die Erkennung von Zusammenhängen in Ermittlungsdaten und die Automatisierung administrativer Aufgaben. Erste Tests zeigen bereits konkrete Einsatzmöglichkeiten: In einem Entführungsfall konnten mithilfe von KI rund 800 Stunden Videomaterial innerhalb von drei Stunden ausgewertet werden, was zu einem frühzeitigen Schuldbekenntnis beitrug. Darüber hinaus sollen KI-Systeme künftig Notrufgespräche transkribieren, Muster in Polizeiberichten erkennen und weniger dringende Anrufe an die zuständigen Stellen weiterleiten. Ergänzend ist der Ausbau mobiler Gesichtserkennungstechnologie vorgesehen. Insgesamt erhofft sich die britische Regierung durch den KI-Einsatz eine Entlastung, die der Arbeitskapazität von rund 3’000 zusätzlichen Polizeikräften entspricht.
Weitere Informationen zu «PoliceAI»
Malta fördert KI-Kompetenzen mit kostenlosen Schulungen und Abonnements
Malta hat mit «AI for Everyone» ein landesweites Programm gestartet, das der Bevölkerung grundlegende KI-Kompetenzen vermitteln und den Zugang zu künstlicher Intelligenz erleichtern soll. Einwohnerinnen und Einwohner Maltas und Gozos ab 14 Jahren können sich dafür mit ihrer digitalen Identität (E-ID) für einen kostenlosen Online-Kurs anmelden. Die rund zweistündige Schulung wurde von der Malta Digital Innovation Authority gemeinsam mit der Universität Malta entwickelt und ist auf Maltesisch und Englisch verfügbar. Sie vermittelt auch Personen ohne Vorkenntnisse, wie KI funktioniert, welche Möglichkeiten und Grenzen sie bietet und wie sie im Alltag und Beruf eingesetzt werden kann. Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein kostenloses Jahresabonnement für ChatGPT Plus oder Microsoft 365 Copilot. Damit verbindet die Regierung den Aufbau digitaler Kompetenzen mit dem praktischen Zugang zu KI-Anwendungen. Das im Mai 2026 gestartete Programm soll schrittweise ausgeweitet werden und künftig auch maltesische Staatsangehörige im Ausland erreichen.
Weitere Informationen zu «AI for Everyone»
Portugal veröffentlicht eigenes Open-Source-KI-Sprachmodell «Amália»
Portugal hat im Juli 2026 mit «Amália» sein erstes staatlich unterstütztes, frei zugängliches KI-Sprachmodell veröffentlicht, das speziell auf europäisches Portugiesisch und den nationalen Kontext ausgerichtet ist. Das Modell wurde von einem Konsortium portugiesischer Universitäten und Forschungszentren mit mehr als 60 Forschenden entwickelt. Technisch basiert Amália auf bestehenden offenen Sprachmodellen, die gezielt mit portugiesischen Sprach- und Kontextdaten weitertrainiert wurden. Neben der Verarbeitung von Texten und Dokumenten stehen separate Modelle zur Bild- und Spracherkennung bereit. Durch die Veröffentlichung als Open Source können Behörden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen die Technologie für eigene Anwendungen nutzen und weiterentwickeln. Damit verfolgt Portugal das Ziel, die technologische Unabhängigkeit zu stärken und KI-Anwendungen bereitzustellen, die auf die nationale Sprache, das Rechtssystem und die Bedürfnisse der öffentlichen Verwaltung abgestimmt sind. Das Projekt wird mit insgesamt sieben Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln bis 2027 finanziert.
International: weltweit
US-Stadt Midland verbessert telefonischen Bürgerservice mit KI-Sprachagent «Jacky»
Die Stadt Midland im US-Bundesstaat Texas setzt mit «Jacky» einen KI-gestützten Sprachagenten ein, um die Erreichbarkeit ihrer Verwaltung für rund 138’000 Einwohnerinnen und Einwohner zu verbessern. Die Stadt erhält täglich mehr als 3’000 Anrufe, was insbesondere zu Spitzenzeiten zu langen Wartezeiten und verpassten Anrufen führte. Der ursprünglich auf ElevenLabs Agents basierende Assistent übernimmt Anrufe, wenn Mitarbeitende nicht verfügbar sind, und beantwortet Bürgeranliegen in natürlicher Sprache. «Jacky» beherrscht fünf Sprachen und beantwortet unter anderem Fragen zu Öffnungszeiten, Abfallentsorgung, Gebühren, Bewilligungen und kommunalen Vorschriften. Durch den Einsatz konnte die Zahl der verpassten Anrufe um rund 7’000 pro Monat reduziert werden.
Weitere Informationen zu «Jacky»
Indonesien setzt KI zur gezielteren Vergabe von Sozialleistungen ein
Indonesien baut sein nationales Sozialschutzprogramm «Perlinsos» mithilfe künstlicher Intelligenz und einer besseren Datenverknüpfung zwischen Behörden aus. Bereits bei der Registrierung im Perlinsos-Portal prüft eine KI-gestützte Gesichtserkennung die Identität der antragstellenden Person, um Betrug und Manipulation zu reduzieren. Gleichzeitig verknüpft die Regierung Daten verschiedener Institutionen, darunter die staatliche Stromgesellschaft, die nationale Krankenversicherung und das Statistikamt. Dadurch entsteht ein umfassenderes und aktuelleres Bild der Lebensumstände von Antragstellenden, auf dessen Grundlage KI präzisere Empfehlungen zur Anspruchsberechtigung für Sozialleistungen liefern soll. Bisher basierten Entscheidungen teilweise auf drei bis vier Jahre alten Daten. Zudem können Einwohner:innen Änderungen ihrer Lebensumstände über ein direkt mit dem Statistikamt verbundenes System melden, wodurch die Aktualisierung ihrer Daten vereinfacht wird. Ein Pilotprojekt zur behördenübergreifenden Datenverknüpfung wurde bereits auf mehr als 40 Städte und Verwaltungsbezirke ausgeweitet.
Weitere Informationen zu «Perlinsos»
Chile setzt KI zur Erkennung von Krebsrisiken auf chirurgischen Wartelisten ein
Das chilenische Gesundheitsministerium nutzt künstliche Intelligenz, um mögliche Krebsrisiken bei Patientinnen und Patienten auf chirurgischen Wartelisten systematisch zu erkennen und eine frühzeitige Priorisierung zu ermöglichen. Die Lösung verarbeitet monatlich rund 400’000 Einträge aus allen 29 regionalen Gesundheitsdiensten. Diese enthalten medizinische Angaben zu wartenden Personen, die häufig in uneinheitlichen Freitexten mit unterschiedlichen Fachbegriffen, Abkürzungen und Schreibfehlern dokumentiert sind. Zur Erkennung möglicher Krebsrisiken kombiniert das System drei Verfahren: Klinische Expertenregeln identifizieren bekannte Hinweise auf Krebserkrankungen, eine semantische Textanalyse erkennt inhaltlich ähnliche Angaben trotz unterschiedlicher Formulierungen und ein statistisches Modell bewertet anhand bereits geprüfter Patientendaten mögliche Krebsrisiken. Bei widersprüchlichen Ergebnissen wird der Fall automatisch an medizinisches Fachpersonal weitergeleitet, das die finale Entscheidung trifft. Laut Gesundheitsministerium erkennt die KI 95 Prozent der Fälle mit entsprechendem Krebsverdacht und reduziert den manuellen Prüfaufwand um 99.76 Prozent. Künftig soll das System direkt in die Datenerfassung der Krankenhäuser integriert werden.
Weitere Informationen zum KI-System in Chile
US-Aussenministerium nutzt KI zur Analyse von Finanz- und Leistungsdaten
Das US-Aussenministerium setzt mit «StateInsight» ein KI-gestütztes Analysewerkzeug ein, um finanzielle und operative Entscheidungen besser vorzubereiten. Die Lösung führt strukturierte und unstrukturierte Finanz- und Leistungsdaten zusammen und ermöglicht deren gemeinsame Auswertung. Dazu gehören beispielsweise Daten aus Finanzsystemen sowie Informationen aus Berichten und Textdokumenten. Mitarbeitende können mithilfe des Systems untersuchen, wie sich politische Massnahmen auf die Finanzierung und Umsetzung staatlicher Programme auswirken. Darüber hinaus ermöglicht StateInsight eine genauere Bewertung der Effizienz externer Dienstleister und Lieferanten. Die Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen erleichtert die Analyse komplexer Zusammenhänge und unterstützt die datenbasierte Steuerung staatlicher Programme.
Weitere Informationen zu «StateInsight»
USA setzt KI zur Vorhersage und Reduktion von Flugverspätungen ein
Die US-Luftfahrtbehörde FAA setzt mit «SMART» ein KI-gestütztes System ein, um Flugverspätungen und Engpässe im Luftraum frühzeitig vorherzusagen und zu reduzieren. Die Lösung bündelt 200 Datenströme, darunter Wetterdaten, Flugrouten, Verkehrsaufkommen und Personalverfügbarkeit in der Flugsicherung. Mithilfe prädiktiver Analysen erstellt das System eine Übersicht über erwartete Flugbewegungen, verfügbare Luftraumkapazitäten und mögliche Störungen. Dadurch können Engpässe bereits Stunden, Tage oder Wochen im Voraus erkannt und entsprechende Anpassungen von Flugplänen und Routen vorgeschlagen werden. Sämtliche Empfehlungen werden von Fachpersonal geprüft, das weiterhin über deren Umsetzung entscheidet. SMART wird seit September 2026 zunächst eingeschränkt im Luftraum rund um Washington, D.C., eingesetzt. Eine schrittweise Ausweitung auf weitere Regionen der USA ist vorgesehen.
Weitere Informationen zu «SMART»
Singapur entwickelt KI-gestützte Fotoprüfung für den Strafvollzug
Der Singapore Prison Service (SPS) entwickelt mit dem «Digital Photo System» eine KI-gestützte Lösung, um die Einreichung und Prüfung von Fotos für Gefangene zu digitalisieren. Bislang mussten Angehörige ausgedruckte Bilder persönlich abgeben, die anschliessend von Gefängnismitarbeitenden manuell kontrolliert wurden. Künftig sollen Familien ihre Fotos online hochladen können, wo diese zunächst mithilfe künstlicher Intelligenz auf mögliche Auffälligkeiten geprüft werden. Entsprechend markierte Bilder werden von Mitarbeitenden kontrolliert, bevor die freigegebenen Fotos den Gefangenen auf ihren Tablets zur Verfügung stehen. Das Verfahren soll den Aufwand für Angehörige verringern und gleichzeitig die administrativen Abläufe im Strafvollzug effizienter gestalten. Entwickelt wurde der Prototyp von Gefängnismitarbeitenden selbst. Er gewann den ersten Platz bei einem internen Innovationswettbewerb des SPS und wird derzeit für den regulären Einsatz weiterentwickelt.
Technologie
Sicherheitsvorfälle mit KI-Agenten verstärken Forderungen nach strengeren Kontrollen
Mehrere Sicherheitsvorfälle mit autonomen KI-Agenten haben die Diskussion über die Kontrolle leistungsfähiger KI-Systeme verschärft. Während interner Tests gelang es KI-Modellen von OpenAI, Schutzmechanismen zu umgehen und in Systeme der KI-Plattform Hugging Face einzudringen. In einem weiteren Fall griff ein KI-Agent unbefugt auf Daten australischer Regierungswebsites zu. Auch bei Anthropic kam es zu unerwartetem Verhalten: Ein KI-Modell übermittelte während eines Tests eigenständig einen erfundenen Hinweis zu einem Mordfall an eine Website der Polizei von Philadelphia, der jedoch als Spam erkannt wurde. Die Vorfälle verdeutlichen, dass autonome KI-Agenten Sicherheitsgrenzen überschreiten und unbeabsichtigte Handlungen ausführen können.
Als Reaktion darauf werden die Sicherheitsmassnahmen zunehmend verschärft. So hat Anthropic der unabhängigen Forschungsorganisation METR weitreichenden Zugang zu internen Systemen eingeräumt, damit diese KI-Modelle und deren Sicherheitsmechanismen eigenständig überprüfen kann. Zudem hat die US-Verbraucherschutzbehörde FTC im Rahmen ihrer Untersuchung zu möglichen Sicherheitsrisiken Unterlagen von OpenAI und Anthropic angefordert. Auch die G7-Staaten planen gemeinsame Krisenübungen, um sich auf mögliche KI-gestützte Cyberangriffe auf den Finanzsektor vorzubereiten und bestehende Notfallpläne zu überprüfen.
Parallel dazu fordern Hunderte Forschende strengere Sicherheitsstandards, unabhängige Kontrollen und eine stärkere Abschottung besonders leistungsfähiger KI-Systeme vom Internet. Während einige Fachleute auch eine Verlangsamung der KI-Entwicklung befürworten, sieht Mistral-CEO Arthur Mensch vor allem die Entwicklerunternehmen in der Verantwortung. Er führt die Sicherheitsvorfälle auf unzureichende Kontrollmechanismen zurück und warnt vor überzogenen Reaktionen. Die Entwicklungen unterstreichen die wachsende Bedeutung unabhängiger Sicherheitsprüfungen, klarer Zugriffsbeschränkungen und menschlicher Kontrollmöglichkeiten beim Einsatz autonomer KI-Systeme.