Digitales ABC: Q wie...

Quantensicherheit; technischer Begriff für die nächste Sicherheitsstufe von klassischen IT-Infrastrukturen.

Von Bruno Habegger · 10. Februar 2026

Bedeutung

Quantensicherheit (engl. Quantum Security) bezeichnet alle Vorkehrungen zum Schutz vor Angriffen mittels Quantencomputern. Diese sind heutigen Computern überlegen und können bestimmte kryptografische Verfahren schneller und leichter knacken. Die Schlüsseltechnologie heute auf klassischer IT-Infrastruktur ist Post-Quanten-Kryptografie (engl. Post Quantum Cryptography, PQC). Eine Sicherheitsinfrastruktur auf der Basis von Quantencomputern mit spezieller Hardware ist derzeit noch Zukunftsmusik: Quantum Key Distribution (QKD) nutzt Quantenmechanik.

Ausgangslage

Moderne Infrastrukturen sind im besten Fall gegen Angriffe geschützt, die mit Hilfe von klassischen Computern erfolgen – gleich lange Spiesse also. Das ändert sich, wenn Quantencomputer so weit entwickelt sind, dass sie für Angriffe auf heutige Verschlüsselungsmethoden genutzt werden können. Niemand sollte sich heute in Sicherheit wiegen, nur weil noch keine Quantencomputer «in freier Wildbahn» anzutreffen sind: Angreifer können verschlüsselte Daten bereits jetzt sammeln und später mit Quantencomputern entschlüsseln und verwerten. Die jährliche Fachkonferenz PQCrypto ist dem Thema gewidmet.

Geschichte

Quantencomputer basieren auf den Gesetzen der Quantenmechanik, der Physik für kleinste Teilchen auf Atomebene. Ein Qubit kann im Gegensatz zu einem klassischen Bit (0,1) mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Solche Computer bringen in komplexen Anwendungen wie der Suche in grossen Datenbanken und der Faktorisierung grosser Zahlen deutlich mehr Leistung als ein klassischer PC. Quantencomputer sollen laut Schätzungen von Experten in zehn bis 15 Jahren für viele Anwendungen einsatzbereit sein.

Quantenmechanik hat ihren Ursprung in den späten 1920er-Jahren. Erst seit den 1980er-Jahren wird aber an Quantencomputern gearbeitet. 1980 beschrieb der US-Physiker Paul Benioff einen Quantencomputer, während kurz darauf Nobelpreisträger Richard Feynman dafür warb, Quantencomputer für die Simulation von Quantenphysik zu nutzen. Die Idee verbreitete sich in Forscherkreisen. Mit dem «Shor-» und dem «Grover-Algorithmus» entstanden zwei wichtige Methoden des Quantencomputers. Weiter konnte in jüngster Zeit die Fehlerrate von Quantenprozessoren bei der Berechnung gesenkt werden.

Die Quanteninformatik bedroht die Sicherheitsarchitektur der klassischen IT, vor allem das 1977 veröffentlichte asymmetrische Verschlüsselungsverfahren RSA und weitere ähnliche kryptografische Systeme. Erste Labordemonstrationen ab den 2000er-Jahren belegten die Dringlichkeit von Schutzmassnahmen gegen Angriffe durch Quantencomputer. Seit 2017 treibt das National Institute of Standards and Technology (NIST) die Standardisierung von Post-Quanten-Kryptografie (NISTPCQ) voran.

Deep Dive

Aktuelle Infrastrukturen quantensicher zu machen, bedingt eine Anpassung der Methoden. Schutzmassnahmen sollten in der nächsten Zeit eingeführt werden, denn bereits sind erste Quantencomputer-Services verfügbar. Laut einer aktuellen Studie des BSI sind Quantencomputer ungefähr ab dem Jahr 2040 so weit, dass sie aktuelle Verschlüsselungsmethoden gefährden können.

Unternehmen sollten sich auf das Quantencomputerzeitalter vorbereiten und Kryptoverfahren ersetzen, bevor erste Angriffe starten. Die sogenannte «Post-Quanten-Kryptografie» befasst sich genau damit: Selbst unter Verwendung von Quantencomputern sollen Verschlüsselungsverfahren nicht gebrochen werden können. Die neuen Verfahren können auf klassischer Hardware implementiert werden.

Quantensicherheit umfasst mehr als nur den Wechsel des Algorithmus. Sie umfasst auch die gesamte Zertifizierungsinfrastruktur, Update-Signaturen, Protokolle und mehr, ausserdem Abhängigkeiten in den Lieferketten. Dazu müssen alte Clients weiter funktionieren. Das alles erfordert ein präzises Transformationsmanagement.

Die sogenannte «Krypto-Agilität» ist wesentlich, um sich auf die Zukunft vorzubereiten. Sie bedeutet die Fähigkeit, kryptografische Algorithmen rasch austauschen zu können. Kryptografie sollte nicht fest in Anwendungen kodiert, sondern zentral verwaltet werden. Die Anwendung muss den konkreten Algorithmus nicht kennen. Die Trennung der Kryptografie von der Geschäftslogik, ihre Konfigurierbarkeit und die Nutzung und Kompatibilität mehrerer Algorithmen sind weitere Kernprinzipien.

Wirkung

Quantensicherheit herzustellen ist nicht einfach ein IT-Upgrade, sondern ein mehrjähriges Transformationsprogramm, welches das Risikoprofil der Organisation verbessert. Sie schafft zudem Transparenz in der Kryptonutzung.

Die Anforderungen an Governance und Beschaffung sind unter Quantensicherheit höher. Es braucht klare Vorgaben, deren Einhaltung überprüft werden muss.

Unter dem Strich stellt Quantensicherheit auf der heutigen klassischen Infrastruktur Sicherheit für das Quantencomputer-Zeitalter her und schützt Daten und Organisationen langfristig.

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Bruno Habegger

Über Bruno Habegger

Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.