Bedeutung
Serverless Computing ist ein Cloud-Computing-Modell. Der Begriff täuscht: Das Modell kommt natürlich nicht ohne Server oder Backend-Infrastruktur aus. Jedoch erstellen und führen Entwickler ihre Anwendungen aus, ohne sich um die Server-Infrastruktur zu kümmern. Diese wird vollständig vom Cloud-Anbieter verwaltet.
Ausgangslage
Im klassischen Modell müssen Entwickler und Unternehmen Infrastruktur verwalten, selbst wenn sie nur Code ausführen wollen. Das umfasst einige Arbeiten wie das Provisionieren und Konfigurieren von Servern, das Einschätzen der benötigten Kapazitäten und das manuelle Pflegen der Server-Sicherheit. Ausserdem kosten selbst bei ausbleibendem Datenverkehr die Idle-Ressourcen, also die Zeit des Server-Stillstands – wie ein wartendes Taxi. Zudem ist der Betrieb von Infrastruktur inzwischen eine komplexe Aufgabe, jüngst verstärkt durch KI und neue Herausforderungen der Cybersecurity. Serverless Computing verlagert für Entwickler und Unternehmen den Fokus vom Infrastruktur-Management hin zur Anwendungsentwicklung.
Geschichte
Serverless Computing ist aus der Evolution des Cloud Computings entstanden und geht auf früheste Ideen zur Abstrahierung von Infrastruktur zurück. Die Komplexität der Serververwaltung führte bereits Anfang der 2010er-Jahre zum neuen Konzept des Serverless Computings, bei dem sich Entwickler sozusagen von der Infrastruktur abkoppeln.
AWS Lambda war ab 2014 der erste kommerzielle Dienst, der Code-Ausführung ohne Infrastrukturmanagement ermöglichte. Google Cloud Functions und Azure Functions folgten nur zwei Jahre später. Seit den 2020er-Jahren entwickelt sich Serverless Computing nahe am Ort der Datenentstehung («Edge Computing») weiter mit Diensten wie Cloudflare Workers oder Vercel. Serverless Computing ist seit 2015 Teil des Cloud Native Computing Foundations (CNCF) Ökosystems und wird von allen führenden Cloud-Service-Providern angeboten. Es zählt neben Microservices und Containern zu den cloudnativen Anwendungen.
Deep Dive
Serverless Computing ist «stateless» (speichert keine Daten dauerhaft) und besteht aus mehreren Schichten. Der Code wird in isolierten, kurzlebigen Containern oder MicroVMs ausgeführt. Jede Funktion läuft von anderen isoliert in einer Sandbox. Ereignisse lösen die Funktionen aus: HTTP-Anfragen, Datenbankänderungen, Nachrichten, Timer und anderes. Man spricht auch von Function-as-a-Service (FaaS). Die Serverless-Computing-Plattform übernimmt das Routing und startet die Funktionsinstanzen parallel. Die Ressourcen skalieren automatisch mit den Anforderungen.
Bekannte Plattformen sind AWS Lambda, Microsoft Azure Functions und Google Cloud Run Functions. Sie eignen sich für Aufgaben wie API-Backends, Datenverarbeitung, Chatbots oder Event-gesteuerte Prozesse. Die Entwickler sehen nichts von der Infrastruktur hinter der Plattform. Serverless Computing eignet sich nicht generell für alle Workloads, sondern muss gezielt eingesetzt werden.
Wirkung
Im Gegensatz zu traditionellem Computing müssen keine Server bereitgestellt, konfiguriert oder gewartet werden. Entwickler fokussieren auf ihren Code und die Geschäftslogik, der Cloud-Service-Provider liefert den Rest. Abgerechnet wird nur die tatsächliche Nutzung: Die Rechenzeit, die der Code verbraucht, wird millisekundengenau gemessen. Ohne Anfragen entstehen keine Kosten, was besonders für schwankende oder unvorhersehbare Workloads wirtschaftlich ist.
Die Komplexität auf Entwickler- bzw. Unternehmensseite sinkt, variable Lasten werden günstiger. Allerdings steigt dafür die Abhängigkeit vom Anbieter. Technisch gibt es Herausforderungen, etwa bei Verzögerungen, wenn Funktionen längere Zeit nicht aufgerufen werden («Kaltstart-Latenzen»). Für rechenintensive Anwendungen oder langlaufende Prozesse ist der Ansatz nicht geeignet. Zudem haben Entwickler keine Kontrolle über die verwendete Hardware. Die Zustandslosigkeit der Funktionen setzt auch den Einsatz externer Lösungen voraus.
Alle bisher erschienenen Buchstaben im digitalen ABC
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A
wie Artificial Intelligence
Artificial Intelligence; abgek. AI,
engl. für dt. künstliche Intelligenz, abgek. KI -
A
wie Apertus
Apertus; Kunstname für die erste in der Schweiz entwickelte KI auf Basis eines vielsprachigen grossen Sprachmodells (LLM).
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B
wie Big Data
Big Data (von englisch big = gross und data = Daten)
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B
wie Bug Bounty
Bug-Bounty-Programm (engl. sinng. Kopfgeld-Programm für Programmierfehler)
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C
wie Cloud
Cloud, w.
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C
wie CERT
CERT, Akronym für engl. Computer Emergency Response Team
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D
wie Digitale Schweiz
1. Digitale Schweiz, w. (die digitale Transformation der Schweiz betreffend)
2. Nebenbedeutung: Teil des Markenversprechens von Abraxas. «Für die digitale Schweiz. Mit Sicherheit» -
D
wie DevOps
DevOps, Kofferwort für Development und Operations
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E
wie E-ID
E-ID, w. (staatlich anerkannte, nationale elektronische Identität)
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E
wie Entra ID
Entra ID, cloudbasierter Identitäts- und Zugriffsverwaltungsdienst von Microsoft; neue Bezeichnung für Azure AD.
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F
wie Firewall
Firewall, w.
engl. für Brandmauer -
F
wie Federated Machine Learning
Federated Machine Learning,
abgekürzt FML, engl. für föderiertes Lernen. -
G
wie Graphical User Interface
GUI, s. (Abk. für engl. Graphical User Interface)
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G
wie GitOps
GitOps,
Kofferwort für Git (Versionskontrollsoftware) und Operations -
H
wie Hermes
Hermes, m.
1. Götterbote aus der griech. Mythologie, u. a. Gott des Handels, Begleiter der Toten in den Hades
2. frz. Familienunternehmen mit Sitz in Paris für Luxus-Modeartikel
3. Abk. für «Handbuch der Elektronischen Rechenzentren des Bundes, eine Methode zur Entwicklung von Systemen», offener Standard zur Führung und Abwicklung von IT-Systemen -
H
wie Hybrid Cloud
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I
wie IoT
IoT, s.
Abk. für engl. Internet of Things -
I
wie IAM
IAM, s.
Abk. für engl. Identity and Access Management -
J
wie Java
Java, s.
1. kleinste der Grossen Sundainseln (Indonesien)
2. systemunabhängige Programmiertechnologie, besonders für Anwendungen im Internet -
J
wie JSON
JSON,
Abk. für «JavaScript Object Notation». -
K
wie Kubernetes
Kubernetes, m.
1. Steuermann (altgriechisch)
2. Container-Orchestrierungssystem (Software) -
K
wie Kritische Infrastruktur
kritische Infrastruktur, w.
Bezeichnung für besonders wichtige und systemrelevante Infrastrukturen, ohne die die Schweiz Krisen nur schwer überleben könnte. -
L
wie Latenz
Latenz, f.
1. Vorhandensein einer noch nicht sichtbaren Sache
2. Zeit zwischen Reiz und Reaktion (Physiologie)
3. symptomfreie Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Krankheit (Medizin)
4. Zeit zwischen Anfrage und Antwort (IT) -
L
wie LLM
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M
wie Malware
Malware, f.
Software, die in Computersysteme eindringen und dort Störungen oder Schäden verursachen kann -
M
wie Managed Workplace
Managed Workplace, m.
engl. Begriff für IT-Dienstleistungen mit externer Betreuung, erbracht von einem Managed Service Provider. -
N
wie No Code
No Code, engl. Begriff für eine bestimmte Art der Softwareentwicklung und des Programmierens.
-
N
wie New Work
New Work, n. od. f.
engl. für Neue Arbeit
Gesamtheit der modernen und flexiblen Formen der Arbeit bzw. der Arbeitsorganisation -
O
wie Outsourcing
Outsourcing, n.
engl. für Auslagerung
Übergabe von Aufgaben und / oder Strukturen eines Unternehmens an externe Dienstleister -
O
wie Outsourcing
-
P
wie Proxy
Proxy, m.
engl. für Stellvertreter
ein Vermittler von Anfragen in Computernetzwerken -
P
wie Personendaten
Personendaten, w. pl.
Fachbegriff für Daten, die eindeutig einem Menschen zugeordnet werden können. -
Q
wie Quantencomputer
Quantencomputer, m.
Aus Qubits und Quantengattern aufgebauter Computer, der die Gesetze der Quantenmechanik ausnutzt. -
Q
wie Quantensicherheit
Quantensicherheit, w.
technischer Begriff für die nächste Sicherheitsstufe von klassischen IT-Infrastrukturen -
R
wie Redundanz
Redundanz, f.
Zusätzliche technische Ressourcen als Reserve (Technik) -
R
wie Ransomware
Ransomware, f.
Kofferwort aus Ransom («Lösegeld») und Software, Schadsoftware von Hackern zum Zwecke der Erpressung -
S
wie Software-as-a-Service
SaaS, (ohne Artikel)
Kurzwort für englisch Software-as-a-Service = Software als Dienstleistung -
S
wie Serverless Computing
engl. Begriff für ein Cloud-Computing-Modell zum Entwickeln und Betreiben von Software
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T
wie Transport Layer Security
TLS, m.,
Kurzwort für englisch Transport Layer Security (= Transportschicht-Sicherheit) -
U
wie USV
USV, w.,
Abk. für Unterbrechungsfreie Stromversorgung -
V
wie VPN
VPN, n.,
Abk. für engl. virtual private network = virtuelles privates Netzwerk -
W
wie White-Hat-Hacker
White-Hat-Hacker, m.
Ein White-Hat-Hacker (Oder White Hat, engl. für Weisser Hut) ist ein ethischer Hacker für Computersicherheit. -
X
wie XSS (Cross-Site-Scripting)
XSS, s.
Abk. für engl. Cross-Site-Scripting; dieses webseitenübergreifendes Scripting ist eine Angriffsmethode von Cyberkriminellen. -
Y
wie Y2K
Y2K,
Numeronym für das Jahr-2000-Problem, engl. Year und 2K für 2 Kilo = 2000 -
Z
wie z/OS
z/OS,
seit 2001 im Einsatz stehendes Betriebssystem für IBM-Grossrechner
Über Bruno Habegger
Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.