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Serverless Computing; engl. Begriff für ein Cloud-Computing-Modell zum Entwickeln und Betreiben von Software.

Von Bruno Habegger · 21. April 2026

Bedeutung

Serverless Computing ist ein Cloud-Computing-Modell. Der Begriff täuscht: Das Modell kommt natürlich nicht ohne Server oder Backend-Infrastruktur aus. Jedoch erstellen und führen Entwickler ihre Anwendungen aus, ohne sich um die Server-Infrastruktur zu kümmern. Diese wird vollständig vom Cloud-Anbieter verwaltet.

Ausgangslage

Im klassischen Modell müssen Entwickler und Unternehmen Infrastruktur verwalten, selbst wenn sie nur Code ausführen wollen. Das umfasst einige Arbeiten wie das Provisionieren und Konfigurieren von Servern, das Einschätzen der benötigten Kapazitäten und das manuelle Pflegen der Server-Sicherheit. Ausserdem kosten selbst bei ausbleibendem Datenverkehr die Idle-Ressourcen, also die Zeit des Server-Stillstands – wie ein wartendes Taxi. Zudem ist der Betrieb von Infrastruktur inzwischen eine komplexe Aufgabe, jüngst verstärkt durch KI und neue Herausforderungen der Cybersecurity. Serverless Computing verlagert für Entwickler und Unternehmen den Fokus vom Infrastruktur-Management hin zur Anwendungsentwicklung.

Geschichte

Serverless Computing ist aus der Evolution des Cloud Computings entstanden und geht auf früheste Ideen zur Abstrahierung von Infrastruktur zurück. Die Komplexität der Serververwaltung führte bereits Anfang der 2010er-Jahre zum neuen Konzept des Serverless Computings, bei dem sich Entwickler sozusagen von der Infrastruktur abkoppeln.

AWS Lambda war ab 2014 der erste kommerzielle Dienst, der Code-Ausführung ohne Infrastrukturmanagement ermöglichte. Google Cloud Functions und Azure Functions folgten nur zwei Jahre später. Seit den 2020er-Jahren entwickelt sich Serverless Computing nahe am Ort der Datenentstehung («Edge Computing») weiter mit Diensten wie Cloudflare Workers oder Vercel. Serverless Computing ist seit 2015 Teil des Cloud Native Computing Foundations (CNCF) Ökosystems und wird von allen führenden Cloud-Service-Providern angeboten. Es zählt neben Microservices und Containern zu den cloudnativen Anwendungen.

Deep Dive

Serverless Computing ist «stateless» (speichert keine Daten dauerhaft) und besteht aus mehreren Schichten. Der Code wird in isolierten, kurzlebigen Containern oder MicroVMs ausgeführt. Jede Funktion läuft von anderen isoliert in einer Sandbox. Ereignisse lösen die Funktionen aus: HTTP-Anfragen, Datenbankänderungen, Nachrichten, Timer und anderes. Man spricht auch von Function-as-a-Service (FaaS). Die Serverless-Computing-Plattform übernimmt das Routing und startet die Funktionsinstanzen parallel. Die Ressourcen skalieren automatisch mit den Anforderungen.

Bekannte Plattformen sind AWS Lambda, Microsoft Azure Functions und Google Cloud Run Functions. Sie eignen sich für Aufgaben wie API-Backends, Datenverarbeitung, Chatbots oder Event-gesteuerte Prozesse. Die Entwickler sehen nichts von der Infrastruktur hinter der Plattform. Serverless Computing eignet sich nicht generell für alle Workloads, sondern muss gezielt eingesetzt werden.

Wirkung

Im Gegensatz zu traditionellem Computing müssen keine Server bereitgestellt, konfiguriert oder gewartet werden. Entwickler fokussieren auf ihren Code und die Geschäftslogik, der Cloud-Service-Provider liefert den Rest. Abgerechnet wird nur die tatsächliche Nutzung: Die Rechenzeit, die der Code verbraucht, wird millisekundengenau gemessen. Ohne Anfragen entstehen keine Kosten, was besonders für schwankende oder unvorhersehbare Workloads wirtschaftlich ist.

Die Komplexität auf Entwickler- bzw. Unternehmensseite sinkt, variable Lasten werden günstiger. Allerdings steigt dafür die Abhängigkeit vom Anbieter. Technisch gibt es Herausforderungen, etwa bei Verzögerungen, wenn Funktionen längere Zeit nicht aufgerufen werden («Kaltstart-Latenzen»). Für rechenintensive Anwendungen oder langlaufende Prozesse ist der Ansatz nicht geeignet. Zudem haben Entwickler keine Kontrolle über die verwendete Hardware. Die Zustandslosigkeit der Funktionen setzt auch den Einsatz externer Lösungen voraus.

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Bruno Habegger

Über Bruno Habegger

Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.