Bedeutung
Der Turing-Test geht auf den britischen Mathematiker Alan Turing zurück, den Grossvater der künstlichen Intelligenz. Er schlug ihn 1950 als «Imitation Game» vor. Der Test gilt heute als Meilenstein in der Debatte über die künstliche Intelligenz.
Ausgangslage
Kann ein Computersystem einen Menschen simulieren? Kann es denken? Ist die künstliche Intelligenz wirklich intelligent im menschlichen Sinn? Fakt ist, dass solche Systeme bis heute Intelligenz nur simulieren, jedoch nicht wirklich aufweisen. Sie basieren auf mathematischer Auswertung von Informationen und der Berechnung von wahrscheinlichen Antworten. Allerdings stehen wir Menschen im Dialog mit Computersystemen. Der Turing-Test soll klären, ob eine KI menschliches Verhalten überzeugend imitieren kann.
Geschichte
Mit der Turingmaschine belegte Alan Turing 1936, dass Maschinen gedankliche Prozesse durchführen können. Dazu müssen sich Prozesse in einzelne Schritte aufteilen und durch einen Algorithmus darstellen lassen. Mit seiner Entdeckung legte Turing den Grundstein für die Entwicklung von KI-Systemen. 1950 stellte er dann in einem Aufsatz die Frage, ob Maschinen intelligent sein können und schlug ein Frage-Antwort-Spiel in schriftlicher Form über eine elektrische Verbindung vor. Dabei sollten Menschen herausfinden, ob das unbekannte Gegenüber ein Mann oder eine Frau sei.
Aus dem Gedankenspiel Turings entstand schliesslich der Turing-Test. Sein Ziel: Wenn nicht unterschieden werden kann, ob es sich beim Antwortgebenden um einen Menschen oder eine Maschine handelt, kann die Maschine als intelligent bezeichnet werden. Im Laufe der Zeit wurde der Turing-Test mehrfach modifiziert und gehärtet. Jahrzehnte folgten, in denen kein System bestand.
Mit dem Aufkommen von Large Language Models (LLMs) wie GPT-3 (2020) und GPT-4 (2023) kam die Frage nach der Relevanz des Turing-Tests auf. Die Modelle zeigten beeindruckende Konversationsfähigkeiten, ohne aber im menschlichen Sinne «verstehen» zu können. GPT-4.5 bestand nach über 75 Jahren schliesslich unbestritten als erstes System den Turing-Test – interessanterweise aber nur, wenn der KI im Prompt eine spezielle Rolle als internetaffiner junger Mann zugewiesen wird. In dem Fall wurde sie in 73 % der Fälle als Mensch identifiziert.
Deep Dive
Der Turing-Test testet nicht die tatsächliche Denkfähigkeit, sondern nur die Fähigkeit, menschliches Kommunikationsverhalten zu simulieren.
Ein menschlicher Prüfer (Interrogator) kommuniziert über Textnachrichten mit zwei versteckten Gesprächspartnern – einem Menschen und einer Maschine. Die Identität der beiden wird dem Prüfer nicht verraten. Er stellt den beiden Gesprächspartnern beliebige Fragen, während diese ihn zu überzeugen versuchen, menschlich zu sein. Nach einer festgelegten Gesprächszeit (typischerweise fünf Minuten) muss der Prüfer entscheiden, welcher Gesprächspartner die Maschine ist. Gemäss Turing genügten mindestens 70 Prozent erfolgreiche Täuschungen durch den Computer, um ihn als «intelligent» zu bezeichnen.
Der Turing-Test lässt sich live mit aktuellen KI-Systemen durchführen: https://turingtest.live
Wirkung
Mit seinem «Spiel» erhob Turing das damals noch der Science Fiction zugeordnete Thema zur wissenschaftlichen Fragestellung und machte zum ersten Mal auf das Täuschungspotenzial von Computersystemen aufmerksam. Er stiess eine Debatte an, die bis heute anhält.
Der Turing-Test gilt aber heute als überholt, weil er an die Fragesteller keine Anforderungen stellt. Ausserdem gilt als umstritten, ob eine Imitation von Intelligenz bereits Intelligenz darstellt. Darum gibt es mehrere Vorschläge zur Weiterentwicklung des Turing-Tests – moderne LLM-Systeme bestehen den Turing-Test inzwischen regelmässig.
Dennoch hat er seine Spuren hinterlassen. Als Grundlage für Jahrzehnte der KI-Entwicklung. Und in den unbeliebten CAPTCHAs, einem umgekehrten Turing-Test: Der Mensch beweist sein Menschsein. Sprachassistenten wie Siri oder Alexa kommen den Ideen von Alan Turing am nächsten. Sie basieren auf einem festen Fragen-Antwort-System und automatisieren alltägliche Aufgaben.
Alle bisher erschienenen Buchstaben im digitalen ABC
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A
wie Artificial Intelligence
Artificial Intelligence; abgek. AI,
engl. für dt. künstliche Intelligenz, abgek. KI -
A
wie Apertus
Apertus; Kunstname für die erste in der Schweiz entwickelte KI auf Basis eines vielsprachigen grossen Sprachmodells (LLM).
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B
wie Big Data
Big Data (von englisch big = gross und data = Daten)
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B
wie Bug Bounty
Bug-Bounty-Programm (engl. sinng. Kopfgeld-Programm für Programmierfehler)
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C
wie Cloud
Cloud, w.
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C
wie CERT
CERT, Akronym für engl. Computer Emergency Response Team
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D
wie Digitale Schweiz
1. Digitale Schweiz, w. (die digitale Transformation der Schweiz betreffend)
2. Nebenbedeutung: Teil des Markenversprechens von Abraxas. «Für die digitale Schweiz. Mit Sicherheit» -
D
wie DevOps
DevOps, Kofferwort für Development und Operations
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E
wie E-ID
E-ID, w. (staatlich anerkannte, nationale elektronische Identität)
-
E
wie Entra ID
Entra ID, cloudbasierter Identitäts- und Zugriffsverwaltungsdienst von Microsoft; neue Bezeichnung für Azure AD.
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F
wie Firewall
Firewall, w.
engl. für Brandmauer -
F
wie Federated Machine Learning
Federated Machine Learning,
abgekürzt FML, engl. für föderiertes Lernen. -
G
wie Graphical User Interface
GUI, s. (Abk. für engl. Graphical User Interface)
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G
wie GitOps
GitOps,
Kofferwort für Git (Versionskontrollsoftware) und Operations -
H
wie Hermes
Hermes, m.
1. Götterbote aus der griech. Mythologie, u. a. Gott des Handels, Begleiter der Toten in den Hades
2. frz. Familienunternehmen mit Sitz in Paris für Luxus-Modeartikel
3. Abk. für «Handbuch der Elektronischen Rechenzentren des Bundes, eine Methode zur Entwicklung von Systemen», offener Standard zur Führung und Abwicklung von IT-Systemen -
H
wie Hybrid Cloud
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I
wie IoT
IoT, s.
Abk. für engl. Internet of Things -
I
wie IAM
IAM, s.
Abk. für engl. Identity and Access Management -
J
wie Java
Java, s.
1. kleinste der Grossen Sundainseln (Indonesien)
2. systemunabhängige Programmiertechnologie, besonders für Anwendungen im Internet -
J
wie JSON
JSON,
Abk. für «JavaScript Object Notation». -
K
wie Kubernetes
Kubernetes, m.
1. Steuermann (altgriechisch)
2. Container-Orchestrierungssystem (Software) -
K
wie Kritische Infrastruktur
kritische Infrastruktur, w.
Bezeichnung für besonders wichtige und systemrelevante Infrastrukturen, ohne die die Schweiz Krisen nur schwer überleben könnte. -
L
wie Latenz
Latenz, f.
1. Vorhandensein einer noch nicht sichtbaren Sache
2. Zeit zwischen Reiz und Reaktion (Physiologie)
3. symptomfreie Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Krankheit (Medizin)
4. Zeit zwischen Anfrage und Antwort (IT) -
L
wie LLM
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M
wie Malware
Malware, f.
Software, die in Computersysteme eindringen und dort Störungen oder Schäden verursachen kann -
M
wie Managed Workplace
Managed Workplace, m.
engl. Begriff für IT-Dienstleistungen mit externer Betreuung, erbracht von einem Managed Service Provider. -
N
wie No Code
No Code, engl. Begriff für eine bestimmte Art der Softwareentwicklung und des Programmierens.
-
N
wie New Work
New Work, n. od. f.
engl. für Neue Arbeit
Gesamtheit der modernen und flexiblen Formen der Arbeit bzw. der Arbeitsorganisation -
O
wie Outsourcing
Outsourcing, n.
engl. für Auslagerung
Übergabe von Aufgaben und / oder Strukturen eines Unternehmens an externe Dienstleister -
O
wie Outsourcing
-
P
wie Proxy
Proxy, m.
engl. für Stellvertreter
ein Vermittler von Anfragen in Computernetzwerken -
P
wie Personendaten
Personendaten, w. pl.
Fachbegriff für Daten, die eindeutig einem Menschen zugeordnet werden können. -
Q
wie Quantencomputer
Quantencomputer, m.
Aus Qubits und Quantengattern aufgebauter Computer, der die Gesetze der Quantenmechanik ausnutzt. -
Q
wie Quantensicherheit
Quantensicherheit, w.
technischer Begriff für die nächste Sicherheitsstufe von klassischen IT-Infrastrukturen -
R
wie Redundanz
Redundanz, f.
Zusätzliche technische Ressourcen als Reserve (Technik) -
R
wie Ransomware
Ransomware, f.
Kofferwort aus Ransom («Lösegeld») und Software, Schadsoftware von Hackern zum Zwecke der Erpressung -
S
wie Software-as-a-Service
SaaS, (ohne Artikel)
Kurzwort für englisch Software-as-a-Service = Software als Dienstleistung -
S
wie Serverless Computing
engl. Begriff für ein Cloud-Computing-Modell zum Entwickeln und Betreiben von Software
-
T
wie Transport Layer Security
TLS, m.,
Kurzwort für englisch Transport Layer Security (= Transportschicht-Sicherheit) -
T
wie Turing-Test
Turing-Test, m.,
Bezeichnung für einen von Alan Turing vorgeschlagenen Test zur Prüfung von KI-Systemen -
U
wie USV
USV, w.,
Abk. für Unterbrechungsfreie Stromversorgung -
V
wie VPN
VPN, n.,
Abk. für engl. virtual private network = virtuelles privates Netzwerk -
W
wie White-Hat-Hacker
White-Hat-Hacker, m.
Ein White-Hat-Hacker (Oder White Hat, engl. für Weisser Hut) ist ein ethischer Hacker für Computersicherheit. -
X
wie XSS (Cross-Site-Scripting)
XSS, s.
Abk. für engl. Cross-Site-Scripting; dieses webseitenübergreifendes Scripting ist eine Angriffsmethode von Cyberkriminellen. -
Y
wie Y2K
Y2K,
Numeronym für das Jahr-2000-Problem, engl. Year und 2K für 2 Kilo = 2000 -
Z
wie z/OS
z/OS,
seit 2001 im Einsatz stehendes Betriebssystem für IBM-Grossrechner
Über Bruno Habegger
Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.