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Turing-Test; Bezeichnung für einen von Alan Turing vorgeschlagenen Test zur Prüfung von KI-Systemen.

Von Bruno Habegger · 11. Mai 2026

Bedeutung

Der Turing-Test geht auf den britischen Mathematiker Alan Turing zurück, den Grossvater der künstlichen Intelligenz. Er schlug ihn 1950 als «Imitation Game» vor. Der Test gilt heute als Meilenstein in der Debatte über die künstliche Intelligenz.

Ausgangslage

Kann ein Computersystem einen Menschen simulieren? Kann es denken? Ist die künstliche Intelligenz wirklich intelligent im menschlichen Sinn? Fakt ist, dass solche Systeme bis heute Intelligenz nur simulieren, jedoch nicht wirklich aufweisen. Sie basieren auf mathematischer Auswertung von Informationen und der Berechnung von wahrscheinlichen Antworten. Allerdings stehen wir Menschen im Dialog mit Computersystemen. Der Turing-Test soll klären, ob eine KI menschliches Verhalten überzeugend imitieren kann.

Geschichte

Mit der Turingmaschine belegte Alan Turing 1936, dass Maschinen gedankliche Prozesse durchführen können. Dazu müssen sich Prozesse in einzelne Schritte aufteilen und durch einen Algorithmus darstellen lassen. Mit seiner Entdeckung legte Turing den Grundstein für die Entwicklung von KI-Systemen. 1950 stellte er dann in einem Aufsatz die Frage, ob Maschinen intelligent sein können und schlug ein Frage-Antwort-Spiel in schriftlicher Form über eine elektrische Verbindung vor. Dabei sollten Menschen herausfinden, ob das unbekannte Gegenüber ein Mann oder eine Frau sei.

Aus dem Gedankenspiel Turings entstand schliesslich der Turing-Test. Sein Ziel: Wenn nicht unterschieden werden kann, ob es sich beim Antwortgebenden um einen Menschen oder eine Maschine handelt, kann die Maschine als intelligent bezeichnet werden. Im Laufe der Zeit wurde der Turing-Test mehrfach modifiziert und gehärtet. Jahrzehnte folgten, in denen kein System bestand.

Mit dem Aufkommen von Large Language Models (LLMs) wie GPT-3 (2020) und GPT-4 (2023) kam die Frage nach der Relevanz des Turing-Tests auf. Die Modelle zeigten beeindruckende Konversationsfähigkeiten, ohne aber im menschlichen Sinne «verstehen» zu können. GPT-4.5 bestand nach über 75 Jahren schliesslich unbestritten als erstes System den Turing-Test – interessanterweise aber nur, wenn der KI im Prompt eine spezielle Rolle als internetaffiner junger Mann zugewiesen wird. In dem Fall wurde sie in 73 % der Fälle als Mensch identifiziert.

Deep Dive

Der Turing-Test testet nicht die tatsächliche Denkfähigkeit, sondern nur die Fähigkeit, menschliches Kommunikationsverhalten zu simulieren.

Ein menschlicher Prüfer (Interrogator) kommuniziert über Textnachrichten mit zwei versteckten Gesprächspartnern – einem Menschen und einer Maschine. Die Identität der beiden wird dem Prüfer nicht verraten. Er stellt den beiden Gesprächspartnern beliebige Fragen, während diese ihn zu überzeugen versuchen, menschlich zu sein. Nach einer festgelegten Gesprächszeit (typischerweise fünf Minuten) muss der Prüfer entscheiden, welcher Gesprächspartner die Maschine ist. Gemäss Turing genügten mindestens 70 Prozent erfolgreiche Täuschungen durch den Computer, um ihn als «intelligent» zu bezeichnen.

Der Turing-Test lässt sich live mit aktuellen KI-Systemen durchführen: https://turingtest.live

Wirkung

Mit seinem «Spiel» erhob Turing das damals noch der Science Fiction zugeordnete Thema zur wissenschaftlichen Fragestellung und machte zum ersten Mal auf das Täuschungspotenzial von Computersystemen aufmerksam. Er stiess eine Debatte an, die bis heute anhält.

Der Turing-Test gilt aber heute als überholt, weil er an die Fragesteller keine Anforderungen stellt. Ausserdem gilt als umstritten, ob eine Imitation von Intelligenz bereits Intelligenz darstellt. Darum gibt es mehrere Vorschläge zur Weiterentwicklung des Turing-Tests – moderne LLM-Systeme bestehen den Turing-Test inzwischen regelmässig.

Dennoch hat er seine Spuren hinterlassen. Als Grundlage für Jahrzehnte der KI-Entwicklung. Und in den unbeliebten CAPTCHAs, einem umgekehrten Turing-Test: Der Mensch beweist sein Menschsein. Sprachassistenten wie Siri oder Alexa kommen den Ideen von Alan Turing am nächsten. Sie basieren auf einem festen Fragen-Antwort-System und automatisieren alltägliche Aufgaben.

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Bruno Habegger

Über Bruno Habegger

Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.