Bedeutung
Die Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch und Produkt ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor digitaler Erlebnisse. UX-Design (User Experience Design) beschäftigt sich zwar auch mit Ästhetik, vor allem aber mit der Nutzererfahrung. Spezialistinnen und Spezialisten gestalten Produkte, Services und Systeme so, dass sie mit den Bedürfnissen und Erwartungen der Menschen übereinstimmen und leicht zu bedienen sind.
Es geht also nicht primär um «Schönheit», sondern um Nutzbarkeit, Verständlichkeit, Vertrauen, Zugänglichkeit, Leistung, Konsistenz und Sinn. Nicht zu verwechseln ist UX-Design mit UI-Design. Während beim ersteren die gesamte Erfahrung im Vordergrund steht, ist es beim User-Interface-Design die sinnvolle und zugängliche Gestaltung des Bildschirms und aller grafischen Elemente.
Ausgangslage
Die Nutzung eines Produkts, eines Systems oder Services sollte heute weitgehend ohne Bedienungsanleitung möglich sein. Ausserdem sind digitale Bildschirme (Software, Websites, Leitstellen etc.) omnipräsent im Alltag, müssen somit leicht verständlich und technisch-emotional zugänglich sein.
Möglich machen es moderne Technologien und erprobte Gestaltungskonzepte. Die Kombination mehrerer Disziplinen schafft erst eine Benutzererfahrung, die die Verbindung des Menschen zu einer Marke stärken – die Nutzung wird zum Erlebnis.
Die Grundprinzipien des UX-Designs sind dabei überall dieselben: Anwendungen sollen verständlich, effizient und möglichst fehlerfrei nutzbar sein. In der öffentlichen Verwaltung verschiebt sich jedoch der Schwerpunkt. Während UX-Design in der Privatwirtschaft auch der Markenpflege dient, stehen in der Verwaltung die zuverlässige Verarbeitung von Daten, klare Prozesse und die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben im Vordergrund. Eine schlechte Nutzererfahrung wird in Unternehmen unmittelbar mit der Marke verbunden. In der Verwaltung ist entscheidend, dass Bürgerinnen und Bürger sowie Verwaltungsmitarbeitende ihre Aufgaben sicher, nachvollziehbar und mit möglichst geringem Aufwand erledigen können. Gute UX schafft hier weniger Markenerlebnis als Vertrauen in die digitale Leistungserbringung der Verwaltung.
Geschichte
UX-Design reicht weit in der Zeit zurück. Industriedesign erfuhr 1955 mit dem Buch «Designing for People» einen neuen Sinn, indem Industriedesigner Henry Dreyfuss die Beziehung von Mensch und Produkt in den Vordergrund stellte.
Der Begriff UX Design selbst wurde erst 1993 vom Kognitionspsychologen Donald Norman geprägt, der damals für Apple arbeitete: «Ich habe den Begriff erfunden, weil ich fand, dass ‹Human Interface› und ‹Usability› zu eng gefasst sind. Ich wollte alle Aspekte der Erfahrung einer Person mit dem System abdecken, einschliesslich Industriedesign, Grafik, der Benutzeroberfläche, der physischen Interaktion und dem Handbuch.» Mit Jakob Nielsen, einem weiteren Pionier des UX-Designs für Computersysteme, gründete Norman eine Firma, die sich auf Schnittstellen und Benutzererfahrung spezialisierte. Ihre Definition von UX-Design finden Sie hier.
Auch die Erfindung der Computermaus oder das Fenstersystem moderner Betriebssysteme waren Meilensteine des UX-Designs. Mit dem iPhone legte Apple 2007 ein Meisterwerk der Disziplin vor. Technologisch waren andere Smartphones zuvor weit ausgereifter, doch es mangelte ihnen an der entscheidenden Benutzererfahrung: Multitouch-Gesten auf dem Bildschirm. Das Web und die kleinen Bildschirme der allgegenwärtigen Smartphones führten bei Entwicklern und Herstellern zu einem verstärkten UX-Fokus.
Deep Dive
Die Richtlinien zur Gebrauchstauglichkeit und Ergonomie interaktiver Systeme sind in der ISO-Norm 9241 beschrieben. Teil 110 etwa beschreibt die sieben Interaktionsprinzipien Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Erwartungskonformität, Erlernbarkeit, Steuerbarkeit, Robustheit gegen Benutzerfehler und Benutzerbindung. UX-Design umfasst viele Disziplinen, um die sich Spezialistinnen und Spezialisten kümmern und die ineinander greifen müssen, um eine durchgehende Erfahrung zu ermöglichen. Diese reichen von User-Forschung bis zu konsistenzsichernden Designsystemen. Interaktionsdesign gestaltet Klickwege und Abläufe, UX-Writing den Zugang zu Inhalten, Informationsarchitekturen zum Verständnis. Service-Design verbindet die gesamte Erfahrung über den Bildschirm hinaus in andere Bereiche der Organisation.
Rund um UX-Design habe sich viele Methodologien zur Erreichung einer bestmöglichen Erfahrung entwickelt, u.a. Design Thinking, Human-Centered-Design oder User-Centered-Design. Grob umfasst der Prozess, der nie beendet wird, sondern einer ständigen Optimierung unterworfen ist.
Peter Morvilles UX Honeycomb stellt UX-Design auf sieben Säulen:
- Usefulness (Nützlichkeit)
Löst das Produkt ein echtes Problem? Hat es einen klaren Zweck und passende Funktionen? - Usability (Bedienbarkeit)
Kommen Nutzende schnell und fehlerarm ans Ziel? Ist die Bedienung verständlich, effizient, konsistent? - Findability (Auffindbarkeit)
Finden Nutzende Inhalte und Funktionen sofort? Gute Navigation, Suche, Struktur, Beschriftungen. - Credibility (Glaubwürdigkeit)
Wirkt das Produkt vertrauenswürdig? Klare Quellen, transparente Kosten, seriöse Sprache, saubere Fehlerbehandlung, Datenschutz. - Desirability (Attraktivität)
Erzeugt es positive Gefühle? Visuelles Design, Tonalität, Markenwirkung, Freude an der Nutzung. - Accessibility (Barrierefreiheit)
Können alle Menschen es nutzen, auch mit Einschränkungen? Kontraste, Tastaturbedienung, Screenreader, verständliche Inhalte. - Value (Wert)
Schafft es messbaren Nutzen? Für Nutzende (Zeit sparen, Erfolg) und für das Unternehmen (Umsatz, Bindung, geringere Supportkosten)?
Wirkung
UX-Design hat die Aufmerksamkeit der Entwickler und Hersteller auf die Kunden und Nutzenden gerichtet: Digitale Produkte sind heute keine isolierten Systeme, sondern Teil der Markenerfahrung und Umsatzgaranten. Datenflüsse und Serviceketten prägen Geschäftsmodelle. Somit hängt der geschäftliche Erfolg entscheidend von der Gestaltung der Schnittstelle Mensch-Maschine ab. Diese verändert sich laufend, gerade mit der Entwicklung neuer, agentischer KI-Systeme.
Alle bisher erschienenen Buchstaben im digitalen ABC
-
A
wie Artificial Intelligence
Artificial Intelligence; abgek. AI,
engl. für dt. künstliche Intelligenz, abgek. KI -
A
wie Apertus
Apertus; Kunstname für die erste in der Schweiz entwickelte KI auf Basis eines vielsprachigen grossen Sprachmodells (LLM).
-
B
wie Big Data
Big Data (von englisch big = gross und data = Daten)
-
B
wie Bug Bounty
Bug-Bounty-Programm (engl. sinng. Kopfgeld-Programm für Programmierfehler)
-
C
wie Cloud
Cloud, w.
-
C
wie CERT
CERT, Akronym für engl. Computer Emergency Response Team
-
D
wie Digitale Schweiz
1. Digitale Schweiz, w. (die digitale Transformation der Schweiz betreffend)
2. Nebenbedeutung: Teil des Markenversprechens von Abraxas. «Für die digitale Schweiz. Mit Sicherheit» -
D
wie DevOps
DevOps, Kofferwort für Development und Operations
-
E
wie E-ID
E-ID, w. (staatlich anerkannte, nationale elektronische Identität)
-
E
wie Entra ID
Entra ID, cloudbasierter Identitäts- und Zugriffsverwaltungsdienst von Microsoft; neue Bezeichnung für Azure AD.
-
F
wie Firewall
Firewall, w.
engl. für Brandmauer -
F
wie Federated Machine Learning
Federated Machine Learning,
abgekürzt FML, engl. für föderiertes Lernen. -
G
wie Graphical User Interface
GUI, s. (Abk. für engl. Graphical User Interface)
-
G
wie GitOps
GitOps,
Kofferwort für Git (Versionskontrollsoftware) und Operations -
H
wie Hermes
Hermes, m.
1. Götterbote aus der griech. Mythologie, u. a. Gott des Handels, Begleiter der Toten in den Hades
2. frz. Familienunternehmen mit Sitz in Paris für Luxus-Modeartikel
3. Abk. für «Handbuch der Elektronischen Rechenzentren des Bundes, eine Methode zur Entwicklung von Systemen», offener Standard zur Führung und Abwicklung von IT-Systemen -
H
wie Hybrid Cloud
-
I
wie IoT
IoT, s.
Abk. für engl. Internet of Things -
I
wie IAM
IAM, s.
Abk. für engl. Identity and Access Management -
J
wie Java
Java, s.
1. kleinste der Grossen Sundainseln (Indonesien)
2. systemunabhängige Programmiertechnologie, besonders für Anwendungen im Internet -
J
wie JSON
JSON,
Abk. für «JavaScript Object Notation». -
K
wie Kubernetes
Kubernetes, m.
1. Steuermann (altgriechisch)
2. Container-Orchestrierungssystem (Software) -
K
wie Kritische Infrastruktur
kritische Infrastruktur, w.
Bezeichnung für besonders wichtige und systemrelevante Infrastrukturen, ohne die die Schweiz Krisen nur schwer überleben könnte. -
L
wie Latenz
Latenz, f.
1. Vorhandensein einer noch nicht sichtbaren Sache
2. Zeit zwischen Reiz und Reaktion (Physiologie)
3. symptomfreie Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Krankheit (Medizin)
4. Zeit zwischen Anfrage und Antwort (IT) -
L
wie LLM
-
M
wie Malware
Malware, f.
Software, die in Computersysteme eindringen und dort Störungen oder Schäden verursachen kann -
M
wie Managed Workplace
Managed Workplace, m.
engl. Begriff für IT-Dienstleistungen mit externer Betreuung, erbracht von einem Managed Service Provider. -
N
wie No Code
No Code, engl. Begriff für eine bestimmte Art der Softwareentwicklung und des Programmierens.
-
N
wie New Work
New Work, n. od. f.
engl. für Neue Arbeit
Gesamtheit der modernen und flexiblen Formen der Arbeit bzw. der Arbeitsorganisation -
O
wie Outsourcing
Outsourcing, n.
engl. für Auslagerung
Übergabe von Aufgaben und / oder Strukturen eines Unternehmens an externe Dienstleister -
O
wie Outsourcing
-
P
wie Proxy
Proxy, m.
engl. für Stellvertreter
ein Vermittler von Anfragen in Computernetzwerken -
P
wie Personendaten
Personendaten, w. pl.
Fachbegriff für Daten, die eindeutig einem Menschen zugeordnet werden können. -
Q
wie Quantencomputer
Quantencomputer, m.
Aus Qubits und Quantengattern aufgebauter Computer, der die Gesetze der Quantenmechanik ausnutzt. -
Q
wie Quantensicherheit
Quantensicherheit, w.
technischer Begriff für die nächste Sicherheitsstufe von klassischen IT-Infrastrukturen -
R
wie Redundanz
Redundanz, f.
Zusätzliche technische Ressourcen als Reserve (Technik) -
R
wie Ransomware
Ransomware, f.
Kofferwort aus Ransom («Lösegeld») und Software, Schadsoftware von Hackern zum Zwecke der Erpressung -
S
wie Software-as-a-Service
SaaS, (ohne Artikel)
Kurzwort für englisch Software-as-a-Service = Software als Dienstleistung -
S
wie Serverless Computing
engl. Begriff für ein Cloud-Computing-Modell zum Entwickeln und Betreiben von Software
-
T
wie Transport Layer Security
TLS, m.,
Kurzwort für englisch Transport Layer Security (= Transportschicht-Sicherheit) -
T
wie Turing-Test
Turing-Test, m.,
Bezeichnung für einen von Alan Turing vorgeschlagenen Test zur Prüfung von KI-Systemen -
U
wie USV
USV, w.,
Abk. für Unterbrechungsfreie Stromversorgung -
V
wie VPN
VPN, n.,
Abk. für engl. virtual private network = virtuelles privates Netzwerk -
W
wie White-Hat-Hacker
White-Hat-Hacker, m.
Ein White-Hat-Hacker (Oder White Hat, engl. für Weisser Hut) ist ein ethischer Hacker für Computersicherheit. -
X
wie XSS (Cross-Site-Scripting)
XSS, s.
Abk. für engl. Cross-Site-Scripting; dieses webseitenübergreifendes Scripting ist eine Angriffsmethode von Cyberkriminellen. -
Y
wie Y2K
Y2K,
Numeronym für das Jahr-2000-Problem, engl. Year und 2K für 2 Kilo = 2000 -
Z
wie z/OS
z/OS,
seit 2001 im Einsatz stehendes Betriebssystem für IBM-Grossrechner
Über Bruno Habegger
Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.