Digitales ABC: W wie...

WAF: eine Abkürzung für «Web Application Firewall». Eine solche schützt Webanwendungen vor Angriffen.

Von Bruno Habegger · 8. Oktober 2026

Bedeutung

Eine Web Application Firewall (WAF) analysiert den Datenverkehr im Internet (HTTP, HTTPS) auf der Anwendungsebene zwischen Browser und Server. Sie filtert schädliche Datenflüsse. WAFs in Form von Software, Cloudservices oder Geräten schützen geschäftskritische Anwendungen und Webserver vor Bedrohungen unterschiedlichster Art. Sie finden sich als Kernkomponente auch in sogenannten WAAP-Lösungen (Web Application and API Protection) wieder. Diese arbeiten auch unabhängig von der Netzwerkinfrastruktur eines bestimmten Herstellers.

Ausgangslage

Frühe Netzwerkfirewalls kontrollierten Verbindungen nur anhand von IP-Adressen, Ports und Protokollen. Sie sind auch heute unverzichtbar, um Netzwerke zu segmentieren und unerlaubte Zugriffe zu verhindern. Das reicht aber in der heutigen Cyberbedrohungslage nicht mehr. Es braucht Firewalls, die den Inhalt des Webverkehrs untersuchen und anwendungsspezifische Angriffe erkennen. Moderne Sicherheitsarchitekturen sind mit klassischen Firewalls und WAF sowie weiteren Schutzkomponenten mehrschichtig aufgebaut. Auch bei Abraxas sind modernste Sicherheitsarchitekturen im Einsatz mit WAF als wichtigem Bestandteil: unabdingbar in einer digitalen Welt voller Webanwendungen und APIs (Schnittstellen).

Die Web Application Firewall schützt Webanwendungen vor Angriffen. (Bild: Abraxas)

Geschichte

Einen eigentlichen Erfinder der Firewall gibt es nicht. Die Geschichte der Firewalls geht in die 1980er-Jahre zurück. Basierend auf der Idee einer «Brandmauer» schafften zuerst Netzwerk-Router eine Isolierung zwischen zwei Netzwerken. Die Idee der Segmentierung ist bis heute zentral für jede Art von Firewall.

Die erste Generation der Paketfilter-Firewalls erschien in den 1990er-Jahren auf dem Markt. Sie bewerten erlaubte und unerlaubte Pakete nur anhand von Adressen, Portnummern und Protokoll. Stateful-Firewalls waren eine Weiterentwicklung: Sie verfolgen den Status einer Verbindung und bewerten auch frühere Pakete in derselben Sitzung, «verstehen» also den Zusammenhang. Der Schritt zur WAF war nicht mehr weit: 1999 erschien mit AppShield eine der ersten kommerziellen WAF eines US-Startups.

Die weitere Entwicklung war somit vorgezeichnet: Die folgenden Generationen in den 2000er-Jahren boten einen vollständigen Einblick in die Anwendungen, erlaubten die Durchsetzung umfassender Sicherheitsrichtlinien. Mit Machine Learning ausgestattete Firewalls der jüngsten Generation erkennen Bedrohungen schliesslich in Echtzeit, indem sie Muster des Netzwerkverkehrs analysieren. Für Webanwendungen schuf ab 2001 das Open Web Application Security Project mit der OWASP Top Ten sowie einer eigenen quelloffenen WAF eine Orientierung für die Risiken von Webapplikationen.

Mit Cloud-Plattformen, Content Delivery Networks und Software-as-a-Service-Angeboten verlagerte sich die WAF zunehmend in die Cloud.

Deep Dive

Eine WAF untersucht die Inhalte einzelner Webanfragen. Sie erkennt Angriffe wie SQL-Injection, Cross-Site-Scripting, manipulierte Formulardaten, schädliche Datei-Uploads, automatisierte Login-Versuche oder ungewöhnliche API-Aufrufe.

Eine WAF wird meist vor der Webanwendung platziert. Sie prüft eingehende Anfragen und kann verdächtigen Verkehr blockieren, protokollieren oder zur Kontrolle weiterleiten. Sie kümmert sich um die Anwendungsschicht des Netzwerkverkehrs (Layer 7).

Drei Schutzansätze wirken bei einer WAF:

  • Negativ: Die WAF sucht nach bekannten Angriffsmustern und blockiert Treffer.
  • Positiv: Die WAF lässt nur erlaubte Anfragen passieren. Alles andere wird blockiert.
  • Anomalie: Die WAF untersucht den Datenverkehr auf Anomalien, auf abweichende Muster vom üblichen Verkehr.

Der Betrieb kann als vorgeschalteter Server (Reverse Proxy), Cloud-Dienst, Bestandteil eines Content Delivery Networks oder direkt auf dem Server erfolgen.

Eine WAF arbeitet oft mit dem OWASP Core Rule Set als Grundlage. Die Regeln erkennen Angriffsmuster und vergeben Risikowerte. Überschreitet eine Anfrage einen Grenzwert, wird sie blockiert.

Eine WAF benötigt Pflege. Administratoren müssen die Regeln und Schwellenwerte laufend verfeinern. Zu strenge Regeln blockieren legitime Anfragen. Zu lockere Regeln lassen Angriffe passieren. Anwendungen benötigen eigene Ausnahmen, Tests und laufende Anpassungen.

WAF sind ein wichtiger Baustein für die Umsetzung von Zero-Trust-Konzepten, bei denen Datenströme laufend überwacht werden. Sie ersetzen aber keine sichere Softwareentwicklung. Fehlerhafte Zugriffsrechte, unsichere Geschäftslogik oder gestohlene Zugangsdaten lassen sich nur begrenzt erkennen. Auch unbekannte Angriffsmethoden können Schutzregeln umgehen.

Wirkung

Eine WAF reduziert die Angriffsfläche öffentlich erreichbarer Anwendungen. Sie kann bekannte Angriffsmuster früh stoppen und Sicherheitslücken vorübergehend abschirmen, bis etwa Patches eingespielt sind.

Eine WAF senkt nicht nur die Risiken des Datenverkehrs, sondern liefert mit ihren Protokollen über Angriffsversuche, Ziele und Herkunft auch Informationen für Compliance-Nachweise.

Heute ist sie oft Teil einer umfassenderen Web Application and API Protection, kurz WAAP. Diese verbindet WAF, API-Schutz, Bot-Abwehr und Schutz vor DDoS-Angriffen.

Alle bisher erschienenen Buchstaben im digitalen ABC

Abraxas erklärt die wichtigsten Begriffe und Buzzwords der IT-Branche.
Bruno Habegger

Über Bruno Habegger

Bruno Habegger ist Abraxas-Magazin-Autor und Senior Communication Manager. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im ICT- und Energie-Bereich als Journalist, Contentproduzent und Berater. Er war Präsident einer Regionalpartei und an seinem damaligen Wohnort acht Jahre Mitglied der Sicherheitskommission.